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Morning Briefing Bloomberg schwach, Biden stark

04.03.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die amerikanische Variante von Demokratie besagt, dass Milliardäre Milliardäre als Präsidenten ablösen. Das war jedenfalls die Hoffnung des mediengewaltigen Michael Bloomberg, der gestern in den USA zum „Super Tuesday“ verspätet in den Vorwahlkampf einstieg – für die Demokraten gegen Donald Trump. Es ist der Kampf eines New Yorkers gegen einen New Yorker. Spätstarter Bloomberg, einst sogar Mitglied der Republikaner, hat Hunderte Millionen Dollar in TV-Werbespots gesteckt und doch nach den „Primaries“ der vergangenen Nacht in 14 Bundesländern kaum mehr Chancen. Ein Sieg im Außengebiet Amerikanisch-Samoa (vier Delegierte) zählt nicht viel. Dass Bloomberg einst als Stadtoberhaupt von New York bei Schwarzen und Latinos „stop and frisk“ zelebrierte, also „Anhalten und Filzen“, ist nun eine schwere Hypothek. Wird er am heutigen Mittwoch zurückziehen?

Quelle: AP
Die Bewerber um die demokratische Präsidentschaftskandidatur: Bernie Sanders (links) und Joe Biden.
(Foto: AP)

Die Sache sieht nun so aus, dass der 78-jährige Bernie Sanders, linker Senator aus Vermont mit viel Popularität bei den Jungen, noch immer recht gut platziert ist, zusammen mit dem vor allem in den Südstaaten und an der Ostküste extrem erfolgreichen 77-jährigen Joe Biden und dem 78-jährigen Bloomberg. Hier wird, ohne altersdiskriminierend sein zu wollen, Gerontokratie gegen Autokratie mobilisiert. Biden spürt starken Rückenwind, nachdem Pete Buttigieg und Amy Klobuchar aus dem Kandidatenrennen ausstiegen und fortan den einstigen Vizepräsidenten unterstützen. Virginia, North Carolina, Alabama, Tennessee, Oklahoma, Minnesota, Massachusetts und Arkansas fielen an ihn. Er hofft nun auf einen „Obama-Effekt“. Sanders dagegen siegte in Vermont, Utah, Colorado, Maine sowie vor allem in Texas und im Flächenstaat Kalifornien. Mehr als ein Drittel der Stimmen für den Wahlkongress Mitte Juli in Milwaukee (Wisconsin) sind nun vergeben.

In Thüringen spielt die FDP beim heutigen Versuch einer abermaligen Ministerpräsidentenwahl die Rolle eines Nebendarstellers mit Oscar-Ambition. Die fünf Abgeordneten wollen, ganz liberal, bei der Abstimmung den Plenarsaal verlassen – und hoffen insgeheim inständig, ihr Thomas Kemmerich könne doch noch ein Weilchen als geschäftsführender Ministerpräsident weiterwerkeln. Die FDP will durch ihren Streik allen zeigen, dass weder Bodo Ramelow (Die Linke) noch Björn Höcke (AfD) wählbar seien. Als großes Geheimnis gilt, ob einige Christdemokraten mit einem Pro-Ramelow-Votum dem Spuk der Erfurter Führerlosigkeit ein Ende bereiten. Die Wichtigtuer der thüringischen FDP aber sollten zwecks Selbsterkennung Michel de Montaigne lesen: „Wer einen mageren Leib hat, trägt gerne einen ausgestopften Wams.“

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Standort erkennen

    Deutsche Arbeitsteilung: In Berlin sitzt die Politik, in Frankfurt die Hochfinanz, in München die Wirtschaft. Keine Großstadt hat mehr Dax-Konzerne und relativ mehr Vermögende, nirgends ist die Kriminalitätsrate so niedrig. All das hat den deutschen Automobilverband gestern Nachmittag in einer Telefonkonferenz womöglich auch bewogen, nach fast 70 Jahren die Automesse IAA von Frankfurt am Main in die bayerische Landeshauptstadt zu verlegen. Berlin und Hamburg – wo man Kreuzberg oder Rote Flora fürchtete – waren aus dem Rennen. Für BMW ist die IAA, die im Olympiapark und auf dem Messegelände stattfinden wird, ein Heimspiel – auch wenn als Zeichen höherer Neutralität (und aus Höflichkeit gegenüber Daimler und VW) bald das Firmenlogo auf dem Dach der Konzern-Zentrale zugeklebt werden soll. Für den Standort sprach am Ende auch, dass Messegesellschaft und bayerische Staatsregierung etliche Millionen Euro locker machen.

    In fröhlicheren Zeiten war „Home Office“ eine Vokabel der Freiheit, munter gefordert von begabten Millennials mit Anti-Stress-Gen. In Tagen wie diesen, also mit C-Virus, steht das Home Office dagegen für Unfreiheit, für letzte Zuflucht. Der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 bestätigte am Montag, dass ein Mitarbeiter im Düsseldorfer Verkaufsbüro infiziert sei. Vorstandschef Max Conze und Finanzvorstand Rainer Beaujean arbeiten mittlerweile von zuhause aus. Viele Firmen empfehlen ihren Mitarbeitern bereits, von zuhause zu arbeiten, bei Adidas werden alle globalen Vertriebler ins Home Office geschickt, wie unsere Reporter recherchierten. Und Konzerne wie Bayer oder Infineon setzen auf „virtuelle Meetings“, EY verbietet einfach Meetings mit mehr als 25 Leuten. Am neuen Boom der Home Offices wird wohl auch die jüngste Zinssenkung der US-Notenbank – um einen halben Panik-Prozentpunkt auf 1,0 bis 1,25 Prozent – wenig ändern.

    Quelle: dpa
    Die Christdemokratin Serap Güler fordert angesichts der Flüchtlingssituation an der türkisch-griechischen Grenze eine harte Linie gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

    Ihre Eltern stammen aus der Türkei, sie hat dort noch immer viele Freunde und Bekannte – doch die derzeitige Politik Ankaras lässt Serap Güler zornig werden. Die Christdemokratin, in NRW für Integration zuständig, fordert angesichts des Flüchtlingsdramas an der türkisch-griechischen Grenze eine harte Linie gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan: „Wir dürfen uns von ihm nicht erpressen lassen.“ Ihr Rat im Handelsblatt-Interview läuft auf harte Wirtschaftssanktionen hinaus, da sei der türkische Staat verwundbar: „Das ist die einzige Sprache, die Erdogan versteht.“ Griechenland dürfte sich über die 700 Millionen Euro Notfallhilfe der EU nach einer Stippvisite der Kommissionschefin Ursula von der Leyen mehr freuen.

    Die südeuropäische Grenzfrage wird immer stärker zum innenpolitischen Schlüsselstreit – zwischen Union und den Grünen, den womöglich künftigen Koalitionspartnern im Bund. Für viele Christdemokraten – von Friedrich Merz bis Alexander Dobrindt – ist Nachgeben mit einem Signal verbunden, dass sich noch mehr Flüchtlinge auf den Weg machen könnten und dass die AfD davon profitieren würde. Für Grünen-Chefin Annalena Baerbock und andere in ihrer Partei sowie für etliche Kommunen ist es dagegen ein Gebot der Menschlichkeit, 5000 der vor Griechenland Gestrandeten in Deutschland aufzunehmen. Das Herz ist hier größer, als es die nächsten Kommunalwahlen erlauben.

    In der „Tagesschau“ und anderen Nachrichtensendungen wird man Georg Bätzing künftig öfter sehen. Der Bischof von Limburg ist zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden, also gewissermaßen zum Sprachrohr der deutschen Katholiken. Der 58-Jährige ist vom Vorgänger im Amt, dem für München-Freising zuständigen Reinhard Kardinal Marx, gefördert worden. Während Marx durch Buchveröffentlichungen, etwa zum Zustand des Kapitalismus, den Zugang zu öffentlichen Debatten fand, muss sich der Nachfolger sein Profil erst erarbeiten. Bätzing (Wahlspruch: „Führe zusammen“) gilt als Reformer, der mit überkommener Sexualmoral und einem strikten Pflichtzölibat in der Kirche wenig anfangen kann. Damit aber muss er im Intrigantenstadl Vatikan erst noch landen.

    Quelle: dpa
    1. FC Saarbrücken - Fortuna Düsseldorf: Torhüter Daniel Batz hält den entscheidenden Elfmeter.

    Und dann ist da noch der 1. FC Saarbrücken, Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga, der seit einigen Jahren in der Regionalliga spielt. An diesem Morgen wird die halbe Republik über die Saarländer räsonieren, die es als erster Viertligist geschafft hat, ins Halbfinale des DFB-Pokals einzuziehen. Die Mannschaft gewann das Elfmeterschießen im Klein-Stadion von Völklingen 7:6 gegen den Erstligisten Fortuna Düsseldorf, weil Torhüter Daniel Batz Strafstoß nach Strafstoß hielt. Es sind diese Geschichten, von denen der Fußball lebt – und nicht von Plakaten mit Mäzen Dietmar Hopp im Fadenkreuz. Der Hopp Saarbrückens heißt übrigens Hartmut Ostermann, er ist Vereinspräsident, war mal in der SPD, der FDP sowie beim FC Homburg und macht sein Geld mit Seniorenresidenzen (Victor‘s). Geadelt hat ihn der „Spiegel“ mit einem Ehrentitel à la Don Corleone: „Der Pate von der Saar“.

    Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in einen hoffentlich mit Überraschungen garnierten Tag.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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