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Morning BriefingDas Mysterium der exorbitanten Frachtraten

Teresa Stiens 29.07.2024 - 06:00 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Eskalationspotenzial: Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah

29.07.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Im Nahen Osten wächst die Sorge vor einer Eskalation des militärischen Konflikts zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah. Am Samstag waren beim Einschlag einer aus dem Libanon abgefeuerten Rakete auf einem Fußballplatz auf den israelisch besetzten Golanhöhen zwölf Kinder und Jugendliche getötet worden. Israels Premier Benjamin Netanjahu kündigte daraufhin einen Vergeltungsschlag an. In der Nacht zu Sonntag griff die israelische Luftwaffe Ziele im benachbarten Libanon an.

Netanjahus ultrarechte Koalitionspartner sparten nicht an scharfer Rhetorik und forderten „Feuer auf Beirut“. Finanzminister Bezalel Smotrich führte aus, „der gesamte Libanon“ müsse die Konsequenzen für das Massaker tragen. Es sind Worte der Eskalation in einem Konflikt, der sich auch über die israelisch-libanesische Grenze hinaus ausweiten könnte.Nahost-Analyst Yoni Ben Menachem schätzt, dass sich die iranische Regierung als Sponsor der Hisbollah auf die Möglichkeit einer erweiterten Kampagne gegen Israel vorbereite und versuche, den Zusammenbruch der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen zu verhindern.

Wer durch deutsche Einkaufsstraßen schlendert, sich für Blumenvasen, Khakihemden oder Sofagarnituren interessiert, vergisst schnell, dass diese Produkte oft einen weiten Weg zurücklegen, bevor sie in den Schaufenstern landen. Eine beliebte Route der Wertschöpfungskette etwa führt über den Seeweg von China nach Europa. Die Preise für den Transport sind in letzter Zeit in astronomische Höhen gestiegen. Ein Effekt, den deutsche Konsumenten bemerken: Die Einrichtungskette Depot musste wegen massiv gestiegener Kosten Insolvenz anmelden. Ein wichtiger Posten dabei: die gestiegenen Frachtpreise.

Die Preise für Container-Fracht haben sich zuletzt teils verdreifacht. Foto: Marcus Brandt/dpa Foto: dpa

Der Preis für einen Standardcontainer von Shanghai nach Europa hat sich seit Anfang des Jahres verdreifacht und liegt jetzt bei fast 5000 Dollar. Die Reeder begründen den starken Preisanstieg insbesondere mit den Umwegen, die sie fahren müssen, seit der Suez-Kanal wegen der Attacken der Huthi-Miliz für sie nicht mehr gefahrlos passierbar ist. Zudem hätten starke Unwetter für Probleme gesorgt. Die Händler dagegen halten den Preisanstieg in dieser Höhe für nicht gerechtfertigt.

Der Chef des Billigmodehändlers Kik, Patrick Zahn, schimpft:

Was wir da sehen, grenzt an Piraterie.

Der jetzige starke Preisanstieg überrascht tatsächlich. Im Dezember waren die Frachtraten für China-Transporte nach Europa wegen der Huthi-Attacken auf über 3000 Dollar geklettert. In der Folgezeit sanken die Preise wieder auf rund 2000 Dollar für einen Standardcontainer. Weshalb die Frachtraten seit April steigen, erschließt sich selbst Experten nur in Ansätzen. Während sich die Händler ärgern, freuen sich die Reedereien: Das Betriebsergebnis von Hapag-Lloyd wird in diesem Jahr wohl zwischen 1,2 und 2,2 Milliarden Euro liegen.

Bereichern sich die Reeder also auf Kosten der Händler? Ein Verdacht, der naheliegt. Handelsblatt-Logistikexperte Christoph Schlautmann allerdings hat einen anderen Blick auf die Lage. Der Vorwurf, die global operierenden Reedereien hielten bewusst Schiffskapazitäten zurück, um durch das knappe Angebot die Frachtpreise nach oben zu treiben, bestätige sich beim Blick auf die Zahlen nicht.

Tatsächlich würden derzeit viele Importeure Opfer ihrer eigenen „Kasino-Mentalität“, analysiert mein Kollege. In Zeiten niedriger Frachtraten, wie sie bis zum vergangenen Spätherbst vorherrschten, hätten Händler von Preisen profitiert, bei denen viele Reedereien am Ende draufzahlten. Zu glauben, dass diese Niedrigpreisphase ewig halten würde, sei angesichts der Achterbahnfahrten auf den Spotmärkten der vergangenen Jahre „mehr als fahrlässig“ gewesen.

Es scheint, als habe Frankreich eine Mission. Seit einigen Jahren ist unser Nachbarland dabei, sich als große Start-up-Nation zu inszenieren. Jetzt zeigen eindeutige Zahlen, wie sehr die Franzosen auch bei Investitionen in Künstliche Intelligenz gegenüber Deutschland vorlegen. Der Branchenverband France Digitale zählt rund 600 KI-Gründungen in Frankreich. Zwischen 2023 und 2024 stieg die Risikokapitalfinanzierung für Künstliche Intelligenz in Frankreich um 63 Prozent – in Deutschland hingegen nur um zwölf Prozent.

Mistral-Chef Arthur Mensch (l.), Hugging-Face-Gründer Thomas Wolf: Frankreich hat zahlreiche vielversprechende KI-Start-ups hervorgebracht. Foto: Reuters, Hugging Face (2), dpa

Das französische Start-up Mistral AI hat es in nur einem Jahr geschafft, den großen amerikanischen Firmen im Rennen um die besten Modelle Konkurrenz zu machen. In Deutschland mussten die KI-Ambitionen zuletzt Rückschläge hinnehmen. Hoffnungsträger Aleph Alpha schneidet im Vergleich mit den US-Konkurrenten nicht so gut ab und muss mit weniger Kapital auskommen. Technologischer Fortschritt steht in Frankreich auch auf der politischen Agenda. Emmanuel Macron sieht sein Land in einer Führungsrolle bei der Entwicklung der KI-Szene in Europa – ein wichtiger Faktor ist dabei der Erfolg von Mistral AI.

Wer sich mit Selbstständigen unterhält und sie nach ihrer Arbeit fragt, erhält oft ähnliche Antworten: Viele lieben die Freiheit und Flexibilität ihres Berufes, verabscheuen aber den vielen Papierkram. Und die leidige Bürokratie scheint über die Jahre immer mehr Raum einzunehmen. Stephan Hofmeister, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB), nennt im Interview die drängendsten Probleme der Selbstständigen:

Der Fachkräftemangel ist abgelöst worden von der Instabilität der politischen Rahmenbedingungen.

Es fehle die Zuverlässigkeit politischer Entscheidungen, und die Bürokratie nehme Überhand. Als Beispiel verweist Hofmeister auf immer mehr unverhältnismäßige Melde- und Berichtspflichten und strikte Datenschutzauflagen, obwohl ja beispielsweise Ärzte, Notare oder Anwälte ohnehin einer strengen Schweigepflicht unterlägen. Zum lange geforderten Bürokratieabbau gebe es bisher vor allem eines: Absichtserklärungen.

Falls Sie es über das Wochenende nicht geschafft haben, die Multimedia-Story der Kolleginnen und Kollegen zum Übertourismus zu lesen, lege ich Ihnen die Lektüre in der aktuellen Urlaubszeit noch sehr ans Herz.

Mich hat daran vor allem die Zahl der Touristen verstört, die jedes Jahr nach Venedig strömen: 30 Millionen. Bei einer Einwohnerzahl von 50.000 Einwohnern macht das 600 Touristen pro Einwohner im Jahr. Ich stelle mir vor, meine Heimatstadt Dortmund würde einen ähnlichen Besucherstrom begrüßen. Das wären bei rund 600.000 Einwohnern dann 360 Millionen Touristen – mehr Menschen also, als in den USA leben.

Um das zu verhindern, halten wir es im Ruhrgebiet lieber schlicht und erzählen niemandem, wie schön es dort eigentlich sein kann. Auf so viele neugierige Besucher hätten wir dann doch keine Lust.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie nur den Menschen begegnen, denen Sie begegnen möchten.

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Es grüßt Sie herzlich

Ihre

Teresa Stiens

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