Morning Briefing: Die Führungsfrage – Kanzler in der Kritik
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
„wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“, lehrt uns Dietrich Bonhoeffer, der 1945 kurz vor Kriegsende ermordete Theologe. In diesem Jahr gibt es viele Gründe zum Verzweifeln: der brutale russische Krieg gegen die Ukraine, längst ein Fall für einen Kriegsverbrecherprozess; die noch immer nicht ausgestandene Pandemie; das Krebsgeschwür des Nationalismus, dessen französische Galionsfigur Marine Le Pen zum Widerstand gegen Deutschland aufruft; die fast aus den Augen verlorene, immer bedrohlicher werdende Klimakrise; die Missachtung und Beugung des Rechts in Staaten wie Ungarn, die sich „demokratisch“ nennen. Das alles gehört zum politischen Dunkel, so wie Karfreitag.
Aber es gibt auch Ostern, Auferstehung und am Ende Lösungen. Beispiele wie die offene Kommunikation zwischen den Ministerpräsidentinnen Sanna Marin (Finnland) und Magdalena Andersson (Schweden) über einen Nato-Beitritt gehören dazu.
In Deutschland dominiert einstweilen eine anschwellende Sehnsucht nach mehr Führung, nach klarer Orientierung. Bundeskanzler Olaf Scholz erscheint zuweilen gelähmt zwischen einer gescheiterten Russland-Politik und nötiger Wertesolidarität für die Ukraine.