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Morning Briefing Plus - Die WocheGestalter des Wandels

Bei der Hall of Fame der Familienunternehmen sind Tränen der Rührung keine Seltenheit. Deutlich wurde der unerschütterliche Optimismus vieler Unternehmer.Sebastian Matthes 13.01.2024 - 08:04 Uhr

Liebe Leserinnen und Leser

Willkommen zurück zu unserem Blick auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Woche. Das Jahr des Handelsblatts beginnt immer mit einer ganz besonderen Veranstaltung – und zwar in München. Da feiern wir nicht etwa uns selbst, sondern Unternehmertum, Innovationen und die Fähigkeit, Krisen auch als Chance zu sehen: Es geht um die Gala zur Hall of Fame der Familienunternehmen, und es ist die Veranstaltung, bei der es so viele Tränen gibt, wie auf keiner anderen Handelsblatt-Veranstaltung. Gott sei Dank sind es in der Regel Tränen der Rührung.

Während also diese Woche Bahnen stillstanden und Autobahnen durch die Proteste der Landwirte blockiert waren, trafen sich am Mittwochabend (trotz allem) 170 hochkarätige Unternehmerinnen und Unternehmer im Hotel The Charles, um unternehmerische Lebenswerke auszuzeichnen.

Was mir von dem Abend in Erinnerung bleibt, ist der unerschütterliche Optimismus in vielen Gesprächen – allen Krisen zum Trotz. Angesprochen auf die Deindustrialisierungstendenzen und mögliche Abwanderungsbewegungen sagte etwa Fritz Dräxlmaier, der Chef des gleichnamigen Automobilzulieferers: „Jede Herausforderung und jede Krise birgt auch Chancen für Unternehmen.“ Das dürfe man nie vergessen.

Die Fähigkeit, Krisen in Chancen zu verwandeln, haben viele der Unternehmer immer wieder bewiesen: Weil sie investieren, wenn andere sich zurückziehen, weil sie neue Geschäftsmodelle sehen, wo andere nur Risiken erkennen. Und weil viele von ihnen versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Wenn man etwas bewegen wolle in der Welt, dann könne man das als Privatperson versuchen, sagte Carletta Heinz von dem 400 Jahre alten Familienunternehmen Heinz-Glas. Aber erst mit einem eigenen Unternehmen habe man „den richtigen Hebel“. Die Unternehmerin setzt sich zum Beispiel für eine nachhaltigere Glasproduktion ein. 

Ich bin am nächsten Tag beschwingt nach Hause gefahren und ich wünsche mir, dass wir uns diese Haltung für dieses schwierige Jahr, das nun vor uns liegt, zum Vorbild nehmen. 

An all das musste ich denken, als ich anfing mich auf meine Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos vorzubereiten. Das WEF ist ja immer die Zeit, in der Wirtschaftslenker sich gegenseitig erzählen, was wohl in den nächsten Monaten passieren wird. 

Dieses Jahr verspricht das Programm besonders viel Pessimismus, Davos wird wohl eine Art globales Krisentreffen: Kriege, geopolitische Spannungen, Inflation – die Sinnkrise des Westens, so Themen halt. Bleibt zu hoffen, dass es wird, wie so oft in den vergangenen Jahren, dass die Zukunft nämlich dann doch ganz anders kommt, als auf dem Zauberberg prognostiziert.

Wir vom Handelsblatt sind jedenfalls vor Ort, erstmals sogar mit zwei eigenen Veranstaltungen. Und wir werden natürlich für Sie berichten. Zum Start hat ein Team aus Handelsblatt-Autorinnen und -Korrespondenten beschrieben, weshalb die Arbeit von Führungskräften noch nie so komplex war wie heute. Es ist die neue Ohnmacht der Macher. 

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

2: Der Beschluss zu den Agrar-Subventionen mag zwar etwas plötzlicher gekommen sein. Die Idee dahinter ist richtig, argumentiert mein Kollege Julian Olk. Die Agrar-Subventionen seien „unnötig, unsinnig, überdimensioniert und rückwärtsgerichtet". Sein Fazit: Subventionen nicht zu streichen wäre der Skandal. Sie können sich vorstellen, was nach Veröffentlichung in seinem Postfach los war. 

4. Ähnlich kontrovers wurde in den vergangenen Monaten nur unsere große Analyse zum Schweigen großer Konzerne zur AfD diskutiert. Wie wichtig diese Diskussion aber ist, haben wir erst diese Woche wieder gesehen: Ein Treffen von AfD-Politikern mit Rechtsextremen, bei dem die rassistische Umsiedlung von Millionen Menschen diskutiert wurde, hat in Politik und Wirtschaft Entsetzen ausgelöst. Neben einem Düsseldorfer Zahnarzt hat auch Hans Christian Limmer zu dem Treffen eingeladen, der unter anderem Gesellschafter der Restaurantkette Hans im Glück war. Bleibt die Frage: Ist es an der Zeit, ein AfD-Verbotsverfahren anzustrengen? In unserer Redaktion gibt es dazu durchaus unterschiedliche Meinungen.

5. Dieses Wochenende schaut die Welt nach Taiwan. Samstag wählt der Inselstaat ein neues Staatsoberhaupt und entscheidet damit über den Kurs der Insel, die längst Zentrum des Konflikts zwischen China und den USA geworden ist. China sieht die Insel als Teil seines Staatsgebiets und  stilisiert die anstehende Wahl zu einer Entscheidung zwischen Krieg und Frieden. Martin Kölling zeichnet drei mögliche Szenarien zu Taiwans Zukunft.

6. Von der Elektroauto-Euphorie ist vielerorts nur noch Ernüchterung geblieben. Die Nachfrage nach E-Autos ist zuletzt deutlich gesunken, nun folgt der nächste Schlag: Autovermieter Hertz und Sixt trennen sich von Zehntausenden elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Der Grund: Schwache Wiederverkaufswerte und hohe Reparaturkosten. Das drückt auf die Gewinne. 

7. Die Tech-Leitmesse CES in Las Vegas stand in diesem Jahr ganz unter dem Einfluss des Themas KI. Egal, ob bei smarten Krankenhausrobotern, die Pflegerinnen und Pfleger unterstützen sollen, bei der Keynote von Siemens-Chef Roland Busch zur Digitalisierung der Industrie, oder an den Ständen der deutschen Autohersteller, die ihre neuen Sprachassistenten und autonomen Fahrsysteme vorstellten: Ohne KI geht es nicht. So unterschiedlich die Anwendungsfälle sind: Die Technik bestimmte auf der CES viele Debatten.

9. Ich verrate Ihnen etwas: Ich habe mir über ChatGPT eine Kollegin gepromptet. Sie heißt Lisa und sie hilft mir beim Schreiben von E-Mails, fasst Studien zusammen, korrigiert Texte, analysiert strategische Fragen rund um das Handelsblatt und gibt Feedback zu Präsentationen. Die gute Nachricht ist: So eine Kollegin, die Sie besser versteht, als das allgemeine ChatGPT, kann jeder haben. Wie? Das beschreibt unser Silicon-Valley-Korrespondent Stephan Scheuer in einem lesenswerten Selbstversuch.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Herzlichst
Ihr

Sebastian Matthes
Chefredakteur Handelsblatt

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