World Economic Forum Davos: Manager – Die Getriebenen der Geopolitik
New York, Brüssel, Düsseldorf. Das Hyatt Regency in San Francisco war einmal eine Attraktion, eine Kulisse für Hollywoodstreifen. Die Hotellobby könnte eine Kathedrale beherbergen, so gewaltig ist sie. Doch ist dem Betonbau anzusehen, dass seine besten Tage hinter ihm liegen.
Damit war das Hyatt für das Treffen der amerikanischen Wirtschaftselite mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping am 15. November hervorragend geeignet. Denn so sehr sich beide Seiten an diesem Abend um einen Neuanfang bemühten – die Zeit, in der China und die USA an eine gemeinsame Zukunft glaubten, an eine Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren, ist vorbei.
Wie eine Reise in die Vergangenheit wirkte das Dinner, zu dem sich unter anderem Apple-Chef Tim Cook und Larry Fink, CEO des Finanzdienstleisters Blackrock, im fensterlosen Ballsaal eingefunden hatten. Xi sprach mit sanfter Stimme. Er wolle „Brücken“ statt „Barrieren“ bauen und in seinem Land „ein marktorientiertes, gesetzesbasiertes und erstklassiges Geschäftsumfeld“ fördern.
Großer Applaus brandete auf, aber einigen war dabei offenbar nicht wohl. Als „Sirenengesang“ beschrieb ein Teilnehmer die Rede anschließend. Soll heißen: Wie die Mischwesen der griechischen Mythologie, die Seeleute mit lieblichen Stimmen ins Verderben führten, versuche Xi, der staatskapitalistische KP-Chef, Investoren zu betören und sie für seine Zwecke einzuspannen.