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Morning BriefingTrump könnte der wirkmächtigste Präsident aller Zeiten werden

Teresa Stiens 22.08.2025 - 06:06 Uhr
Morning Briefing

USA: Der große Umbau der Demokratie

22.08.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!

Nichts symbolisiert den Umbau der amerikanischen Demokratie so gut wie der Umbau des Weißen Hauses – legendärer, altehrwürdiger Regierungssitz der Präsidenten und seit Kurzem Objekt für die architektonischen Fantasien des Donald Trump. Der Ostflügel soll nach dem Willen des Präsidenten auf die Größe der Dresdner Semperoper wachsen, um Platz für einen Ballsaal mit 650 Besuchern zu schaffen. KI-Modelle zeigen Weiß und Gold, Kassettendecken, Kronleuchter, raumhohe Fenster. „Exquisit“, schwärmt Trump. „Endlich sind wir Weltklasse.“

Was Trump über das Weiße Haus sagt, verdeutlicht seinen Blick auf das ganze Land. Er verhilft aus seiner Sicht den Vereinigten Staaten zurück zu Weltklasse, indem er Altbekanntes einreißt und Neues errichten lässt – ganz nach seinem Geschmack. Er baut nicht nur den Regierungssitz um, sondern gleich die gesamte Demokratie.

Illustration des Weißen Hauses: Der Umbau der Machtzentrale durch Trump erfolgt auch buchstäblich. Foto: Adrià Fruitós

Handelsblatt-Washington-Korrespondentin Annett Meiritz kennt beides hervorragend – das Weiße Haus und die amerikanische Politik. Und sie beobachtet fundamentale Veränderungen, die sie vermuten lassen, Trump könnte als wirkmächtigster und durchsetzungsstärkster Präsident in die Geschichte der USA eingehen. Auch weil er sich traut, Gepflogenheiten zu ändern, die seit Jahrzehnten und Jahrhunderten zum guten Ton gehörten.

Dazu zählt nicht nur der zubetonierte Rosengarten, sondern auch die Auswahl von gefügigen Journalisten im Pressebriefing. Meine Kollegin wirft einen exklusiven Blick in die amerikanische Schaltzentrale und analysiert im großen Freitagstitel, wie Trump seine Macht ausbaut, die Demokratie aushöhlt und wieso er dabei nicht die gleichen Fehler begeht wie in seiner ersten Amtszeit.

Ganz legaler Insiderhandel

Gestern habe ich an dieser Stelle von Trumps lukrativen Geschäften berichtet, mit denen er auch persönlich von seiner eigenen Politik profitiert. Seit seiner Rückkehr ins Amt hatte Trump Hunderte von Anleihen im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar gekauft. Heute ordnet Katharina Kort, langjährige US-Korrespondentin für das Handelsblatt, ein, dass Insiderhandel von Politikern dort nicht nur legal, sondern auch äußerst beliebt ist.

Eine der aktivsten und bekanntesten „Traderinnen“ ist Nancy Pelosi, demokratische Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Wenige Tage vor Trumps Amtseinführung kaufte sie Amazon- und Alphabet-Aktien im Wert von je mehr als 250.000 Dollar und gilt mittlerweile als Börsenorakel. „In Nancy we trust“ schreiben Reddit-Nutzer, die jeden Trade der Politikerin verfolgen. Alle Versuche, Politikern das Handeln mit Aktien zu verbieten, sind bislang gescheitert.

Donald Trump und die Börse: Manche Beobachter werfen dem US-Präsidenten Insiderhandel vor. Foto: Arne Dedert/dpa

Keine Gnade für Europas Autobauer

Seit gestern steht fest, was bereits per Handschlag besiegelt worden war: Die USA erheben künftig Importzölle von 15 Prozent auf die meisten europäischen Produkte. Das klingt simpel, ist in der Praxis aber deutlich komplexer. Denn anders als versprochen werden die Abgaben auf Autoimporte nicht sofort von 27,5 auf 15 Prozent sinken. Stattdessen formuliert die Erklärung zusätzliche Bedingungen, die ein ordentliches Gesetzgebungsverfahren in der EU voraussetzen.

Bislang warten die Autobauer also vergeblich auf Zollsenkungen. Diese sollen der Erklärung zufolge nun erst geschehen, wenn die EU ihre Zölle auf amerikanische Industriegüter auf null senkt. Der politische Fachbegriff für so ein Vorgehen nennt sich meiner Kenntnis nach Erpressung.

Denn auch auf anderen Ebenen macht die EU den USA bereits deutliche Zugeständnisse – etwa beim bevorzugten Marktzugang für Milchprodukte oder bei der Anerkennung amerikanischer Standards für Fahrzeuge.

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic: Zölle sinken rückwirkend. Foto: REUTERS

Sorge vor KI-Blase wächst

Die Frage, ob sich hinter dem Börsenhype um künstliche Intelligenz eine gigantische Blase versteckt, stellt sich schon seit Längerem. Doch jetzt mehren sich die Anzeichen, dass die Kurse tatsächlich deutlich zu hoch sein könnten. Der Kurs des KI-Chipherstellers Nvidia sackte in den ersten drei Tagen der Woche um 3,6 Prozent ab. Der Kurs der Datenkrake Palantir fiel sogar um 14 Prozent.

Selbst Sam Altman, der als Gründer von OpenAI den Boom ausgelöst hat, antwortete auf die Frage, ob Investoren die KI-Branche kollektiv überbewerteten mit: „Ja“. Altman verglich den aktuellen Hype mit dem Dotcom-Boom der Jahrtausendwende. Die Dotcom-Blase platzte.

Und KI? Kenneth Lamont, Analyst bei der Ratingagentur Morningstar, weist darauf hin, dass es falsch sei, entweder an eine Blase oder an den Beginn einer langfristigen technologischen Transformation zu glauben. Beides sei gleichzeitig möglich. Auch das Internet veränderte um die Jahrtausendwende die Welt und ließ allzu optimistische Anleger trotzdem mit hohen Verlusten zurück.

OpenAI-Gründer Sam Altman: Parallelen zum Dotcom-Boom? Foto: midjourney Thomas Berger, PR (M)

Der neue heiße Trend bei ETFs

Wenn Sie bereits wissen, was sogenannte „Covered-Call-ETFs“ sind, stecken Sie wahrscheinlich schon hüfttief im Aktienmarkt. Wenn Sie es nicht wissen, geht es Ihnen wie mir. Es handelt sich dabei um einen Deal, bei dem ETF-Anlegerinnen und -Anleger einen Teil ihrer möglichen Kursgewinne eintauschen. Im Gegenzug erhalten sie ein regelmäßiges Extra-Einkommen – und meist Ausschüttungen, die selbst jene vieler Dividendenfonds übersteigen.

Diese Ausschüttungen machen die Produkte immer beliebter. Vor allem in den USA boomen Fonds, die mit Derivaten ein zusätzliches Einkommen erzielen sollen. Das Analysehaus Morningstar schätzt, dass Anleger dort in den vergangenen drei Jahren mehr als 110 Milliarden Dollar in solche Strategien investiert haben. Wenn Sie erfahren wollen, für wen sich diese Deals lohnen und worauf Anleger achten sollen, empfehle ich Ihnen die Analyse von Handelsblatt-Finanzredakteur Martin Müller.

Chart an der Wall Street: Immer mehr Anleger wollen mit Derivaten ein zusätzliches Einkommen erzielen. Foto: Bloomberg

Keine Ermittlungen gegen Brorhilker

Anne Brorhilker hatte keinen einfachen Job, als sie als Chefermittlerin der Staatsanwaltschaft den Betrug rund um die Cum-Ex Affäre aufklären sollte. Im April 2024 kündigte sie ihr Beamtenverhältnis, weil sie am allgemeinen Willen zur Aufklärung zweifelte. Doch es kam noch dicker.

Anwälte des früheren Bankchefs Christian Olearius hatten Strafanzeige gegen Brorhilker erstattet. Darin warfen sie ihr vor, „vorsätzlich und bewusst unvollständige und falsche Sachverhalte zur Grundlage ihrer Anklagen gegen ehemalige Mitarbeiter der Warburg Bank gemacht zu haben“. Seit gestern ist klar: Die Staatsanwaltschaft Bonn sah keinen Anfangsverdacht gegeben und wird deshalb keine Ermittlungen einleiten.

Auf einem Putzplan mit dem Papst

Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick auf ein ungewöhnliches Wohnprojekt in Italien. Falls Sie noch auf der Suche nach einer Berufstätigen-WG sind, vielleicht zur Abwechslung mal in Rom, können Sie sich bei Papst Leo XIV. melden. Der Pontifex Maximus plant eine Wohngemeinschaft in den Papstgemächern, wie die katholische Nachrichtenagentur KNA berichtet. Sie dürften bei Ihrer Bewerbung allerdings schlechte Chancen haben, wenn Sie nicht dem Augustinerorden angehören.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag in der Wohnform, die Ihnen am liebsten ist.

Es grüßt Sie herzlich Ihre

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