Morning Briefing: Von pessimistisch zu apokalyptisch – Die trübe Stimmung der Industrie
Industrie: Neuer Schulterschluss mit Kanada / Raumfahrt: Der kleine Erfolg von Isar Aerospace
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!
Gestern ist die Hannover Messe mit einer Solidaritätsbekundung des Noch-Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) gestartet. Denn Partnerland der größten Industriemesse der Welt ist ausgerechnet Kanada, das mit seinem Nachbarn USA gerade eine jahrhundertelange Freundschaft beendet.
„We stand by your side“, versprach Scholz den Kanadiern. In der Handelspolitik gilt momentan: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Schließlich leiden kanadische und deutsche Industrieunternehmen gemeinsam unter den künftigen hohen Importzöllen der USA und dem eingeschränkten Zugang zum US-Markt.
Der gemeinsame Gegner dürfte die EU und Kanada handelspolitisch näher zusammenrücken lassen. Stéphane Dion, Kanadas Sonderbeauftragter für die Europäische Union und Europa, betonte bei der Messeeröffnung:
Dass der Grad an Pessimismus der deutschen Industrie die Schwelle zum Apokalyptischen teils überschreitet, zeigte die Rede von Siemens-CEO Roland Busch. Er warnte: „Wir befinden uns an einem Wendepunkt. Erdbebenartige geopolitische Verschiebungen und Kriege, die Rückkehr von Protektionismus und Zöllen, die diese Woche eskalieren, die Fragilität komplexer Lieferketten, der technologische Wandel, der ganze Märkte durcheinanderbringt.“
Bei diesen tristen Worten tut gut, was Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, im Handelsblatt-Interview zu sagen hat. Er glaube an die Innovationskraft der deutschen Unternehmen. Gerade der Mittelstand sei „die größte Innovationsmaschine, die wir in unserem Lande haben“. Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen würden auch Chancen bieten. Es müssten jetzt aber die richtigen Weichen gestellt werden.
Hanselka sei immer wieder fasziniert, was für innovative Ideen von den Unternehmen kämen. „Wir haben in Deutschland ein tolles Ökosystem aus mittelständischer Industrie, großen Konzernen und einem sehr ausdifferenzierten Wissenschafts- und Innovationssystem“, sagt er. In welchen Innovationsbereichen er Stärken erkennt und wo er noch Schwächen sieht, verrät er im Interview mit meinem Kollegen Axel Höpner.
Wenn Scheitern großen Erfolg bedeutet
In der Raumfahrt ist es wie im Spitzensport. Da trainiert man über Jahre hinweg jeden Tag mehrere Stunden lang, hart und diszipliniert – und dann ist am großen Wettkampftag nach wenigen Sekunden alles vorbei. Für das Münchener Unternehmen Isar Aerospace war gestern der große Wettkampftag. Endlich war das Wetter gut genug für den Start ihrer Rakete Spectrum vom Weltraumbahnhof Andøya im Norden Norwegens. Der Versuch dauerte allerdings nur knapp 30 Sekunden – dann drehte die Rakete um und stürzte ins norwegische Meer.
Doch in der Raumfahrt wie im Spitzensport liegt im Scheitern auch Erfolg. Wer vom Barren fällt, in die Bande rast oder die Stange reißt, hat im Sport trotzdem viel dazugelernt. Ähnlich geht es dem Team von Isar Aerospace, das sich nach dem ersten Testflug über Terrabytes an Informationen darüber freut, was es beim nächsten Mal besser machen kann. Das große Ziel lautet: zum ersten Mal eine deutsche Rakete in die Erdumlaufbahn bringen. Um das zu erreichen, steht der nächste Versuch möglichst bald an und die „Spectrum 2“ schon in den Startlöchern.
Ein fliegender Wall an der Nato-Ostflanke
Europa will einen Wall an der Ostgrenze des Baltikums errichten. Er soll die sogenannte Nato-Ostflanke gegen einen möglichen Angriff Russlands schützen und hoch über dem Boden schweben. Die Rede ist von hunderttausenden Drohnen, vernetzt durch Künstliche Intelligenz (KI). Der große Vorteil an so einer fliegenden, automatisierten Verteidigungslinie wäre, dass sie sich relativ zeitnah einrichten ließe. Martin Karkour, Vertriebschef des Rüstungs-Start-ups Quantum Systems, hält es für möglich, dass ein Drohnenwall innerhalb eines Jahres aufgebaut werden könnte.
Die Rüstungsindustrie fordert jetzt schnelle Entscheidungen der Politik, doch weder bei der Nato noch bei der Bundeswehr liegen fertige Konzepte. Das liegt auch daran, dass sich die Bundesregierung bisher „für die Ächtung vollautonomer letaler Waffensysteme, die außerhalb menschlicher Kontrolle operieren“ einsetzt. Gleichzeitig warnen Experten vor zu hohen Erwartungen an das moderne Schutzkonzept.
Michael Santo, ehemaliger Luftwaffen-Offizier und Geschäftsführer der Münchener Unternehmensberatung H&Z, schätzt, dass zur Abschreckung eines Gegners wie Russland ein Drohnenwall nicht reichen werde. Mit Drohnen könne man keine Luftüberlegenheit erreichen und moderne Flugabwehrsysteme könnten viele Drohnen in kurzer Zeit zerstören. Santo ist deshalb überzeugt:
Wir haben Ihren Chef nachgebaut
Wann haben Sie sich zuletzt auf Gehaltsverhandlungen vorbereitet und wer musste dabei Ihren Chef oder Ihre Chefin spielen? Ihr Ehemann, Ihre Kollegin oder vielleicht sogar Ihre Oma? Wenn die nächste Gehaltsverhandlung ansteht, müssen Sie Ihr soziales Umfeld nicht mehr bemühen, sondern können direkt mit Prototypen von echten Vorgesetzten diskutieren.
Eine Gruppe von Expertinnen und Experten aus dem Daten- und aus dem Karriereteam des Handelsblatts haben für Sie einen Chatbot entwickelt, der mit Ihnen Gehaltsverhandlungen simuliert. Sie können dabei aus vier verschiedenen Typen wählen, die Ihrem Vorgesetzten am nächsten kommen: dem Zahlen-, Daten-, Faktenmensch, dem Dominanten, dem Entertainer und dem Beziehungsmensch. Tipps und Verbesserungsvorschläge bekommen Sie dabei von einer digitalen Version der Verhandlungsexpertin Claudia Kimich.
Sind Sie gerade auf der Suche nach einer Immobilie? Vielleicht sogar in Berlin? Wie groß darf es denn sein für Sie? Ich hätte ein nettes kleines Häuschen mit 1490 Quadratmetern im Angebot. Im Grünen liegt die Immobilie auch noch, und zwar auf der berühmten Halbinsel Schwanenwerder im Berliner Wannsee. Ein Vorteil: Sie können vielen Hobbies nachgehen und müssten dafür noch nicht einmal Ihr Grundstück verlassen. Im 20-Meter-Pool können Sie wunderbar Ihre Bahnen ziehen und für Motor- und Segelboote ist Platz an den Anlegern Ihrer eigenen Uferpromenade.
Sie ahnen es, das von Maklern als „einzigartiges Objekt“ beschriebene Haus ist nicht ganz billig. Mit 80 Millionen Euro wäre es die teuerste Wohnimmobilie Deutschlands – wenn sich ein Käufer findet.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie sich überall zuhause fühlen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens