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Morning BriefingWie Indien zur Weltmacht aufsteigen will

Teresa Stiens 19.04.2024 - 06:01 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Großes Versprechen: Wie Modi Indien zur Weltmacht formen will

19.04.2024
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Liebe Leserinnen und Leser,

stellen Sie sich vor, Sie sind Bürgermeister eines kleinen Dorfes mit 4200 Einwohnern. Sie schreiben dem Bundeskanzler einen Brief, in dem Sie ihn um Unterstützung für das Dorf bitten. Der Bundeskanzler antwortet nicht postalisch, sondern landet kurz darauf mit seinem Helikopter bei Ihnen vor Ort. Wenig später sind die Schlaglöcher beseitigt, die Kanalisation ist repariert und die Schule wurde renoviert. Wahrscheinlich würden Sie diesem Bundeskanzler für den Rest Ihres Lebens Ihre Stimme geben.

Diese Szene spielt nicht in Deutschland, sondern in Indien. Premierminister Narendra Modi kam kurz nach seinem Amtsantritt 2014 in das Dorf Jayapur im Bundesstaat Uttar Pradesh und organisierte für die Menschen Elektrizität, Straßen und Hunderte Toiletten. Seitdem ist sich der Dorfvorsteher sicher:

Wenn Modi Premierminister bleibt, dann wird Indien bald ein reiches Land.

Modi hat einen Plan für Indien, eine Vision. Bis 2047 – 100 Jahre nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien – will der Premier seine Heimat in einen wohlhabenden Industriestaat transformieren. Viele Inder trauen ihm vor der anstehenden Wahl zu, das Land zu einer ökonomischen Weltmacht zu formen und einen Aufstieg hinzulegen, wie China ihn vorgemacht hat.

Doch ausgemacht ist das noch lange nicht. Denn Indien bringt ganz andere Voraussetzungen mit, wie Asienkorrespondent Mathias Peer im großen Handelsblatt-Freitagstitel analysiert. Und selbst wenn der Aufstieg gelingen sollte, ist noch nicht sicher, dass die größte Demokratie der Welt auch eine bleibt. Denn der Preis für Modis Fortschrittsversprechen sind immer weiter fortschreitende autoritäre Tendenzen.

Iran und Israel droht eine Eskalationsspirale.  Foto: Imago, Picture Alliance, Getty Images (M)

Wir bleiben thematisch noch in Asien, wenden den Blick aber etwas weiter nach Westen. Der Iran und Israel drohen, eine Eskalationsspirale hinabzurutschen, die nicht nur den Nahen Osten, sondern die gesamte Welt destabilisieren könnte.

Mehr als 300 Raketen, Marschflugkörper und Drohnen hatte das Regime in Teheran am vergangenen Wochenende auf Israel abfeuern lassen – eine formale Kriegshandlung, wie sie das Völkerrecht definiert.

In der Nacht haben nun iranische Medien über eine Explosion im Landesinneren berichtet. Laut der Nachrichtenagentur Fars war der Grund für die Explosion nahe der Metropole Isfahan noch unbekannt. In mehreren Provinzen des Landes soll die Luftabwehr aktiviert worden sein. Der US-Sender ABC News berichtete unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter, israelische Raketen hätten ein – zunächst nicht näher genanntes – Ziel im Iran getroffen.

Im großen Handelsblatt-Report lesen Sie, welche Rolle der Iran für die globale geopolitische Gemengelage spielt, wie nah Teheran an der Atombombe ist und wie innenpolitische Faktoren Israel und Iran in einen großen Krieg treiben könnten.

Der eskalierende Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist nur eine Bruchstelle der internationalen Gemeinschaft. Der Angriff Russlands auf die Ukraine spaltet die Welt bereits seit über zwei Jahren in zwei gegenüberstehende Lager. Eine Polarisierung, die sich auch auf den Welthandel auswirkt.

Der IWF sieht eine Aufteilung der Weltwirtschaft. Foto: Handelsblatt

Handelsdaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen, dass die „Fragmentierung“ des internationalen Handels bereits im Gange ist. Für seine Analyse hat der IWF die Welt in zwei Blöcke aufgeteilt: einerseits die USA, die EU-Staaten, Kanada, Japan und Australien. Und andererseits China, Russland und alle Staaten, die bei der UN-Generalversammlung im März 2022 den Angriff auf die Ukraine nicht verurteilten.

Das Wachstum des Handels zwischen den beiden Blöcken war seit Beginn des Krieges deutlich schwächer als das Wachstum des Handels innerhalb der Blöcke.

IWF-Vize-Chefin, Gita Gopinath, stellte auf Grundlage dieser besorgniserregenden Entwicklung sogar die Frage: „Stehen wir am Rande des zweiten Kalten Krieges?“

Eine positive Meldung kommt aus der Welt der Start-ups. Im ersten Quartal 2024 wurden in Deutschland wieder mehr Unternehmen neu gegründet. Das geht aus einem dem Handelsblatt exklusiv vorliegenden Bericht des Datendienstes Startupdetector und des Finanzinvestors Hightech Gründerfonds hervor. Demnach entstanden von Januar bis März 658 Jungfirmen. Im Vergleich zum Vorquartal entspricht das einem Plus von 17 Prozent.

Nach 2021, als Start-ups von einem Finanzierungsboom und günstigen Zinsbedingungen profitiert hatten, war die Zahl der Neugründungen zuletzt stark gefallen. Die Finanzierungssituation bleibt allerdings auch 2024 weiterhin schwierig. Laut dem Datenanalysten Pitchbook fielen die Investitionen im ersten Quartal in Deutschland um elf Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Im innerdeutschen Wettbewerb tut sich Sachsen als neuer aufstrebender Hotspot für Neugründungen hervor. Dort entstanden im vergangenen Jahr 35 Prozent mehr Start-ups als noch 2022, vor allem in den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz.

Zum Abschluss noch einen Blick auf die Werbetricks deutscher Unternehmen. Gestern verhandelte der Bundesgerichtshof (BGH) über das Versprechen des Fruchtgummiherstellers Katjes, seine Hasen mit grünen Ohren seien „klimaneutral“ in der Herstellung. Dabei unterstützt das Unternehmen lediglich internationale Klimaschutzprojekte, um Emissionen zu kompensieren. Das sei nicht gleichzustellen mit klimaneutraler Produktion, monieren Kritiker. Die Kunden würden in die Irre geführt.

Katjes hatte damit geworben, alle Produkte des Unternehmens würden klimaneutral produziert. Foto: Handelsblatt

Ich halte es für notwendig, Unternehmen für ihre Werbung in die Verantwortung zu ziehen. Mir würden da noch einige andere Produkte einfallen, von deren Versprechen ich bitter enttäuscht wurde. Bisher hat mir der Konsum eines Energydrinks noch nie Flügel verliehen. Keine Genossenschaftsbank hat mir je den Weg frei gemacht und ob ein gewisser Klebstoff aus der Tube im Falle eines Falles wirklich alles klebt, lasse ich auch mal dahingestellt.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag ohne falsche Versprechen.

Es grüßt Sie herzliche
Ihre

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Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

PS: In dieser Woche haben wir Sie gefragt, wie wichtig eine gute Beziehung zur Volksrepublik China für Deutschland ist. Die Antworten der Handelsblatt-Leserschaft finden Sie hier.

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