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Morning BriefingWird Boris Pistorius zur „Loose Cannon“ der Koalition?

Christian Rickens 15.10.2025 - 06:24 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!

Alle Jahre wieder erstellt die Marketingberatung Interbrand ein Ranking der wertvollsten Marken der Welt. Laut Interbrand hat es in diesem Jahr so viele Veränderungen gegeben wie nie zuvor in der über 25-jährigen Geschichte des Rankings. Vor allem durch Künstliche Intelligenz (KI) werde der Wert globaler Marken neu bestimmt, schreibt meine Kollegin Anna Westkämper. Konkret bedeutet das:

  1. Der auf KI-Anwendungen spezialisierte Chiphersteller Nvidia konnte seinen Markenwert gegenüber dem Vorjahr um 116 Prozent steigern, die höchste jemals erfasste Zunahme. Laut Interbrand ist die Marke nun 43,2 Milliarden US-Dollar wert.
  2. Apple ist mit 470,9 Milliarden Dollar zwar noch immer die wertvollste Marke der Welt, hat aber vier Prozent verloren.
  3. Auf den Verfolgerplätzen dahinter liegen mit Microsoft, Amazon und Google. Drei Tech-Marken, die ihren Wert allesamt steigern konnten – auch, weil die dahinterstehenden Unternehmen es besser als Apple verstehen, KI in ihre Produkte zu integrieren.
  4. Die wertvollste Marke außerhalb des Tech-Segments ist Toyota auf Platz sechs, vor Coca-Cola auf der Sieben.
  5. Mercedes-Benz liegt als wertvollste deutsche Marke auf Rang zehn, verliert aber 15 Prozent Markenwert und zwei Plätze im Ranking.

Als ich in unserer Grafik die drei Namen mit dem größten prozentualen Verlust beim Markenwert gesehen habe, musste ich kurz schmunzeln. Klar, dass Tesla und Intel kein gutes Jahr hatten, wird jeder mitbekommen haben, der in den vergangenen zwölf Monaten mal ins Handelsblatt geschaut hat.

Aber Gucci? Wahrscheinlich passen die in gewissen Milieus so beliebten Bauchtaschen der italienischen Luxusmarke einfach nicht zum „Old Money Style“, der derzeit die Modewelt beherrscht.

Chaostag ums Wehrpflichtgesetz

Die Einladung für die Pressekonferenz war schon verschickt – da platzte der Wehrdienstkompromiss am Dienstagabend doch noch. Die Frage, unter welchen Umständen junge Menschen künftig zum Wehrdienst eingezogen werden können, entwickelt sich zum Dauerstreit zwischen Union und SPD.

Gestern war es vor allem die Intervention von Verteidigungsminister Boris Pistorius, die den Koalitionskompromiss stoppte. Der SPD-Politiker sei über das Verhalten der Verhandlungsführer im Bundestag äußerst irritiert gewesen, hieß es aus seinem Umfeld. Der Grund für seinen Ärger: Die Abgeordneten hatten den vom Kabinett bereits verabschiedeten Gesetzentwurf in entscheidenden Punkten verändert.

So landete ein Losverfahren im Gesetz. Das sollte künftig greifen, falls es nicht gelingt, die Personallücken bei der Bundeswehr mit Freiwilligen aufzufüllen. Pistorius hält dieses Modell für ungeeignet, da es nicht berücksichtigt, welche Anforderungen die Armee an ihre Rekruten hat.

Boris Pistorius im Bundestag (Archiv): Der Verteidigungsminister wollte den Kompromiss nicht mittragen. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Das Losverfahren sei nicht seine Idee gewesen, stellte ein sichtlich angefressener Pistorius am Abend klar – sondern „eine Idee der Union“. Der Verteidigungsminister störte sich zudem daran, dass die verpflichtende Musterung, die sein vom Kabinett schon verabschiedeter Gesetzentwurf noch vorsah, bei den Gesprächen zwischen den Koalitionsspitzen gestrichen worden war.

Pistorius erwartet nun, dass der Bundestag wie geplant am Donnerstag mit der Beratung über das Wehrdienstgesetz beginnt – aber nicht auf Grundlage des Koalitionskompromisses, sondern auf Basis des ursprünglichen Entwurfs aus dem Verteidigungsministerium.

Der sieht vor, dass die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundestags die Wehrpflicht reaktivieren kann, wenn die Sicherheitslage es erfordert oder die erforderliche Personalstärke der Bundeswehr nicht benötigt wird. Der Union ist diese Regelung zu wenig. Sie vermisst vor allem klare Kriterien, ab wann die Freiwilligkeit nicht mehr als ausreichend erachtet wird.

Unionsfraktionsvize Norbert Röttgen attackierte gestern Pistorius frontal. Der CDU-Politiker sagte der „Süddeutschen Zeitung“:

Ich habe es in über 30 Jahren Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag noch nie erlebt, dass ein Bundesminister in seinem eigenen Verantwortungsbereich ein wichtiges Gesetzgebungsverfahren frontal torpediert und die eigene Fraktion ins Chaos stürzt.

Doppelte Produktionskapazität für Eurofighter

Noch in dieser Woche soll Airbus Defence and Space den Auftrag für zwanzig neue Eurofighter-Maschinen für die Bundeswehr erhalten. Für den zuständigen Airbus-Spartenchef ist das nur der Anfang. „Wir haben in der Vergangenheit dafür gekämpft, die notwendige Produktionsrate von zehn Maschinen pro Jahr zu halten“, sagte Michael Schöllhorn unserem Rüstungs-Reporter Markus Fasse.

Nun verdoppeln wir die Rate in Erwartung von weiteren Aufträgen.

Mit 46 Prozent ist Airbus der wichtigste Partner im Eurofighter-Konsortium, 33 Prozent hält die britische BAE Systems, 21 Prozent die italienische Leonardo. Ein Abfall der Produktion unter zehn Maschinen pro Jahr wäre kritisch geworden, weil sich die Fertigung für viele Zulieferer kaum noch gelohnt hätte.

Grünes Licht für 20 neue Kampfjets im Wert von 3,75 Milliarden Euro. (Archivbild) Foto: Christoph Reichwein/dpa

Stellantis investiert Milliarden in den USA

Der Opel-Mutterkonzern Stellantis hat eine Rekordinvestition von 13 Milliarden Dollar in den USA angekündigt. Mit dem Geld sollen in den kommenden vier Jahren fünf neue Modelle auf den Markt gebracht und 5000 Arbeitsplätze in den Werken im Mittleren Westen geschaffen werden.

Der französisch-italienische Autobauer ist in Nordamerika mit den US-Marken Chrysler, Dodge und Ram vertreten. Dort legten die Verkäufe im vergangenen dritten Quartal um 35 Prozent auf 403.000 Fahrzeuge zu. Das liegt unter anderem am neuen Pick-up Ram 1500, einem Koloss mit Acht-Zylinder-Verbrennungsmotor, der wahrscheinlich perfekt zum momentanen Zeitgeist in den USA passt.

Militär übernimmt Macht in Madagaskar

In Madagaskar hat das Militär nach wochenlangen Protesten gegen Präsident Andry Rajoelina die Kontrolle übernommen. Das Parlament setzte den zuvor aus Madagaskar geflohenen Rajoelina als Präsidenten ab. Das Oberste Gericht ernannte Armeechef Michael Randrianirina zum neuen Staatsoberhaupt des südostafrikanischen Inselstaates und forderte ihn auf, binnen 60 Tagen eine Neuwahl zu organisieren. „Die Umbauphase wird maximal zwei Jahre dauern“, erklärte Randrianirina hingegen vor der Presse. Er versprach:

In dieser Zeit wird ein Referendum zur Einführung einer neuen Verfassung abgehalten, gefolgt von Wahlen, um die neuen Institutionen schrittweise aufzubauen.

Randrianirina hatte eine Meuterei des Militärs angeführt und in den vergangenen Wochen die Proteste der Bevölkerung unterstützt. Auslöser der von jungen Leuten angeführten Kundgebungen waren Wasser- und Stromknappheit. Die Demonstrationen weiteten sich aber rasch zu einer Protestbewegung gegen Korruption und schlechte Regierungsführung aus.

Truppen machen sich auf den Weg zur Präsidentschaft, um zu verkünden, dass die Streitkräfte die Kontrolle über das Land übernehmen. Foto: Brian Inganga/AP/dpa

Kürbis mit Wachstumsprogramm

Ein kalifornischer Ingenieur und Gartenliebhaber hat den Hauptpreis beim jährlichen Kürbiswettbewerb in Half Moon Bay südlich von San Francisco gewonnen. Brandon Dawson aus Santa Rosa züchtete einen Riesenkürbis mit einem Gewicht von 1064 Kilogramm – und sicherte sich damit 20.000 US-Dollar Preisgeld.

„Wir verbringen gerne Zeit auf dem Feld und beobachten, wie die Dinger wachsen“, sagte Dawson über sich und seine Familie. Auch seine vierjährige Tochter verfolge den Wachstumsprozess mittlerweile aufmerksam, zumal die Riesenkürbisse täglich 23 bis 32 Kilogramm zulegen könnten.

Angesichts solcher Wachstumsraten sollte der Siegerkürbis dringend in den wissenschaftlichen Beraterkreis des Bundeswirtschaftsministeriums berufen werden. Vielleicht weiß er, wie man Deutschland aus der Stagnation holen kann.

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Ich wünsche Ihnen einen rundum gelungenen Mittwoch.

Herzliche Grüße,
Ihr

Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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