Rivian: E-Auto-Hersteller stellt billigere SUVs vor
Seattle, Laguna Beach. Das US-Elektroauto-Start-up Rivian hat am Donnerstag gleich zwei neue Automodelle vorgestellt. Nach eigenen Angaben will Rivian im ersten Halbjahr 2026 anfangen, den kleineren Geländewagen R2 mit einem Startpreis von rund 45.000 Dollar auszuliefern.
Mit diesem soll auch der Sprung auf den europäischen Markt gelingen. Einen Preis für Europa habe man noch nicht festgelegt, erklärte Rivian auf Handelsblatt-Anfrage.
Außerdem stellte Rivian-Gründer RJ Scaringe in Kalifornien das noch kleinere Crossover-Modell R3 vor – ein kompakter SUV, der entfernt an einen höhergelegten VW-Golf erinnert. Der R3 soll noch billiger angeboten werden als der R2, zu Preis und Produktionsstart hielt sich Scaringe bedeckt.
„Ich war noch nie so aufgeregt, neue Produkte auf den Markt zu bringen“, erklärte Scaringe. Die neuen Modelle starteten „mit einem Preis, der sie für viele Menschen erschwinglich macht“. Man habe die Kosten „drastisch“ gesenkt.
Die Aussicht auf die Markteinführung kostengünstigerer SUVs trieb im späten US-Handel die 2024 schwer gebeutelte Aktie an: Rivian-Papiere kletterten um mehr als 13 Prozent und legten auch nachbörslich weiter zu. Bisher bietet Rivian das mit über 71.000 Dollar teure Elektroauto R1 an, in einer SUV- und einer Pick-up-Ausführung. Zuletzt hatte sich die Nachfrage nach den Fahrzeugen jedoch deutlich verlangsamt, analog zum schwächelnden E-Auto-Markt in den USA.
Rivian verzögert milliardenschweren Fabrikbau
Um seine Finanzreserven zu schonen, pausiert Rivian den Bau seiner rund fünf Milliarden Dollar teuren neuen Fabrik in Georgia. Durch den Schritt werde Rivian zunächst 2,25 Milliarden Dollar einsparen, sagte Scaringe. Eigentlich sollte in dem neuen Werk der R2 gebaut werden. Um diesen schneller ausliefern zu können, soll er stattdessen in Normal im US-Staat Illinois produziert werden. Das dortige Stammwerk wird hierfür umgebaut.
Scaringe betonte bei der Vorstellung die kompakteren Maße des R2, den deutlich geringeren Startpreis und die starke Reichweite von bis zu 480 Kilometern. Bereits im Spätsommer 2023 hatte Scaringe im Interview mit dem Handelsblatt angekündigt, mit dem R2, der damals noch mit einem Startpreis von 40.000 Dollar geplant war, auf den europäischen Markt abzuzielen: „Die Plattform ist so konzipiert, dass sie in mehreren Märkten produziert und verkauft werden kann.“
Auch mit einer europäischen Fabrik liebäugelte Scaringe und erklärte: „Wir werden weitere Produktionskapazitäten hinzufügen, auch in Europa.“ Davon war am Donnerstag zunächst keine Rede mehr. Denn erst einmal muss Rivian sparen: Das Unternehmen beendete das vergangene Jahr laut eigenen Angaben mit liquiden Mitteln über 10,4 Milliarden Dollar. Zugleich belief sich der Nettoverlust auf 5,4 Milliarden Dollar.
„Anti-Musk“ muss liefern
Rivian galt lange als einer der stärksten Herausforderer für Tesla unter den reinen Elektroauto-Start-ups – und sein Chef Scaringe als „Anti-Musk“, der statt mit provokanten Äußerungen mit realistischen Plänen von sich reden machte.
Nach wie vor ist das vom Handelsriesen Amazon unterstützte Start-up aber sehr viel kleiner als Tesla: 2023 baute Tesla fast 1,85 Millionen Fahrzeuge, Rivian gut 57.000. Auch 2024 will Rivian in etwa genauso viele Autos bauen, statt die Produktion zu steigern. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die hohen Zinsen und den Umbau des Werks in Illinois. Die geplante Fabrik in Georgia soll in Zukunft eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 400.000 Fahrzeugen haben.
Bisher schreibt Rivian mit jedem verkauften Auto rote Zahlen. 2024 will das Start-up sein erstes Quartal mit einer positiven Bruttomarge verbuchen. Neben Pick-up-Trucks und SUVs baut Rivian Elektro-Lieferwagen. Das zeitweise rasante Wachstum des US-Elektroauto-Marktes war zuletzt merklich abgekühlt. Noch 2022 hatte der Absatz elektrischer Modelle um 65 Prozent zugelegt, zeigten Daten von Motor Intelligence. Schon 2023 war der Markt mit 46 Prozent schwächer gewachsen. Damit gewinnen Elektroautos zwar weiterhin Marktanteile, doch der große Durchbruch bleibt aus.
Selbst im Leitmarkt Kalifornien, wo die meisten Elektroautokäufer wohnen, sanken die Verkäufe laut den Analysten von Cox Automotive in den vergangenen beiden Quartalen erstmals. Und das trotz großzügiger staatlicher Förderung. Tesla kassierte zuletzt seine Absatzprognose, Fisker warnte sogar, dass ihm das Geld ausgehen könnte. Die Traditionshersteller GM und Ford meldeten, dass die Kunden eher zu günstigeren Verbrenner- und Hybrid-Versionen griffen als zu Elektromodellen. Und Präsidentschaftskandidat Donald Trump will im Fall seiner Wahl die E-Auto-Subventionen ganz streichen.
Umso wichtiger ist für Rivian, in den kommenden Jahren den Sprung über den Atlantik zu schaffen, um dort mit kleineren Elektro-SUVs einen neuen Absatzmarkt zu erschließen. Zunächst muss Gründer Scaringe jedoch den Produktionsstart des R2 meistern – und schnellstmöglich die Kosten in den Griff bekommen.
Mit Material von Nachrichtenagenturen
Erstpublikation: 07.03.2024, 21:48 Uhr