Käuferstreik: Stecken deutsche Autohändler bald in der Krise?
Das Center auf dem Gleisgelände von DB Cargo wird für den Transport der Antriebsbatterien und Fahrzeugkomponenten für Elektrofahrzeuge von Mercedes-Benz genutzt.
Foto: dpaMünchen. Die Lage der deutschen Autoindustrie ist trügerisch. Die Bestellbücher von Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Opel sind zwar gut gefüllt. Aber das Volumen an Neuaufträgen sinkt hierzulande spürbar. Und es ist noch schlimmer, sagt Antje Woltermann, Geschäftsführerin des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), dem Handelsblatt: „Es ist so, dass wir erste Stornierungen sehen.“
Angesichts des Ukrainekriegs, rasant gestiegener Gas- und Strompreise, immer teurerer Neuwagen und höherer Lebenshaltungskosten würden viele Verbraucher ihr Konsumverhalten ändern. „Wir hören seit mehr als vier Wochen aus dem Handel, dass die Kunden zurückhaltender werden“, konstatiert Woltermann. Die Branche ist verunsichert.
Noch hoffen die 37.000 Autohäuser und Kfz-Werkstätten aber, dass viele potenzielle Pkw-Käufer ihr Vorhaben nur verschieben, etwa ins Frühjahr 2023. Zugleich sinkt die Nachfrage, warnt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR). „Der deutsche Automarkt steht vor einem Kipppunkt“, schreibt er in einer neuen Analyse, die das Handelsblatt vorab einsehen konnte.
Krise am Kfz-Markt: Eigenzulassungen auf Allzeittief
Bis vor Kurzem waren noch fehlende Halbleiter das Kernproblem der Branche. Die gestörten Lieferketten hatten zur Folge, dass viele Interessierte ihr Wunschauto gar nicht bekommen konnten oder nur mit langen Lieferzeiten, teils jenseits von zwölf Monaten. Ausgestanden ist der Chipmangel noch nicht.