Autos: So schlägt sich der Audi Q3 im Fahrtest
Glasgow. Auf der IAA hatte der Audi Q3 seine Publikums-Premiere, jetzt konnten wir ihn in Schottland erstmals fahren und ein paar Innovationen erleben, darunter den Scheiben-Wurzel-Aktuator.
Vorgestellt hat Audi gleich beide Karosserievarianten, also auch den im direkten Vergleich eindeutig gefälligeren Sportback. Obwohl er nur um drei Zentimeter auf 4,53 Meter in der Länge zugelegt hat, wirkt der Q3 im Vergleich zum Vorgänger etwas eleganter und stattlicher. Der aerodynamische Feinschliff lässt ihn etwas rundlicher und weniger scharfkantig erscheinen.
Einen die Breite stärker betonenden Kühlergrill flankieren auffällig flache Leuchten, die dem Q3 einen schärferen Blick verleihen. Man könnte meinen, es handele sich um Scheinwerfer. Doch hier steckt das dank einzeln ansteuerbarer Elemente grafisch variable LED-Tagfahrlicht. Die eigentlichen Frontscheinwerfer befinden sich weiter unten und bleiben optisch unauffällig.
Das Gegenteil von unauffällig ist der mehrteilige Rückleuchten-Komplex mit seinen OLED-Elementen, der eine edle Techniknote mit ebenfalls grafischer Funktion bietet. Hinzu kommt eine sich über die gesamte Breite des Hecks erstreckende Lichtleiste, in die auch die dynamischen Blinker integriert sind.
Ein fragwürdiges i-Tüpfelchen sind die vier roten Ringe, die aus sich herausleuchten. Sie überfrachten unserer Meinung nach das Heckleuchten-Arrangement zumindest während der Nachtfahrt.
Innenraum des Audi Q3: Übersichtliches Cockpit
Das Cockpit präsentiert sich hingegen schön aufgeräumt. Es gibt zwei große Displayanzeigen, die in einem Rahmen zusammengefasst sind. Der rund 12 Zoll große Screen hinter dem Lenkrad zeigt in erster Linie fahrrelevante Informationen, von denen die wichtigsten zusätzlich in die Windschutzscheibe projiziert werden.
Mittig im Armaturenbrett befindet sich der große 13-Zoll-Touchscreen für das vielseitig talentierte Infotainment-System samt „Application Store“. Gegen Geld kann man sich einen größeren Blumenstrauß an Funktionen freischalten. Wichtiger ist allerdings die einfache und leicht nachvollziehbare Bedienlogik, zumal alles sehr schnell und flüssig reagiert.
Und anders als bei so manchem Newcomer aus Fernost wird man hier nicht fortwährend vor Rätsel gestellt. Der Q3 ist das erste Modell im VW-Konzern mit dem neuen Android-Automotive-Infotainmentsystem, das eine sehr gelungene, eigene Audi-Handschrift erhalten hat.
In der aufgeräumten Mittelkonsole befindet sich kein Schalthebel mehr. Dieser wird allerdings nicht durch einen alternativen Lenkstockhebel für die Getriebebedienung ersetzt, wie er sonst üblich ist. Der Q3 ist das erste Modell im VW-Konzern, das einen Querträger hinter dem Lenkrad bietet.
An dessen Enden befinden sich für die am Lenkrad anliegenden Fahrerhände leicht erreichbare Bedienelemente. Dazu gehören Schaltelemente für die Fahrstufe, die Blinker- und die Scheibenwischerbedienung. Wir dachten zunächst, dies wäre eine Verschlimmbesserung. Doch nach wenigen Minuten hat man sich an die Logik gewöhnt, die schnell in Fleisch und Blut übergeht.
Ansprechend in Szene gesetzt
Ebenfalls gelungen sind die Verarbeitungsqualität und die Materialwahl. Zumindest die uns zur Verfügung gestellten Exemplare mit hochwertiger Ausstattung bieten viele unterschiedliche, für Auge und Tastsinn angenehme Oberflächen, die geschmackvoll kombiniert werden. Bei Dunkelheit wird das Ganze noch durch farblich variables Ambientelicht schick in Szene gesetzt.
Hinzu kommt ein üppiges Platzangebot. Das gilt sowohl für die Vordersitze als auch für die Rückbank. Allerdings bleibt es beim Q3 bei einer wuchtigen Mittelkonsole, an der das rechte Knie des Fahrers oft reiben kann. Ansonsten sind die Bein-, Knie- und Kopffreiheit großzügig bemessen, sofern man nicht unter dem nach hinten abfallenden Dach des Sportbacks sitzt und größer als 1,80 Meter ist.
Für die schickere Form muss ein wenig Alltagstauglichkeit geopfert werden. Das trifft auch auf den Kofferraum zu. Dieser variiert dank einer verschiebbaren Rückbank zwischen 488 und 575 Liter. Wird die im Verhältnis 40:20:40 umklappbare Rückbank flachgelegt, beträgt das Volumen 1.386 Liter bzw. 1.289 Liter beim Sportback.
Fünf Antriebsvarianten
Mit fünf Antriebsoptionen geht der Q3 an den Start. Allesamt setzen sie auf Verbrennungsmotoren. Die Bezeichnung „E-Hybrid“ steht für eine Plug-in-Hybridversion, mit der man deutlich über 100 Kilometer weit rein elektrisch fahren kann. Dies ermöglicht eine rund 26 kWh große Batterie, die über mehr Kapazität als die des rein batterieelektrisch angetriebenen Fiat 500e in der schwächeren Antriebsvariante verfügt.
Das dem E-Antrieb geschuldete Mehrgewicht von rund 250 Kilogramm macht den Q3 zum 1,9-Tonner, der dank einer Systemleistung von 200 kW/272 PS den Sprint auf 100 km/h in unter sieben Sekunden absolviert. 130 kW/177 PS steuert der 1,5-Liter-Benziner bei.
Verwaltet wird die Kraft von einem Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Stufen. Für die meisten Fahrprofile bietet der Q3 E-Hybrid das Rüstzeug, um ihn vornehmlich elektrisch zu fahren. Zumal man mit bis zu 50 kW nachladen kann. Geht es auf eine lange Tour, kann man wie gewohnt vor allem mit Benzin fahren. Insofern vereint der E-Hybrid die Vorteile beider Antriebswelten.
Ein Wermutstropfen ist das Mehrgewicht, das den Kurvenspaß trübt. Zudem sorgt das Antriebssystem beim Anfahren gelegentlich für durchdrehende Vorderräder. Auf unserer Testfahrt sind wir häufig elektrisch gefahren, wodurch sich der Benzinverbrauch auf rund drei Liter reduzierte. Allerdings wurde zusätzlich rund 18 kWh Strom pro 100 Kilometer verbraucht.
Der 2.0 TFSI-Benziner in der stärksten Ausbaustufe mit 195 kW/265 PS dürfte vor allem dynamisch orientierte Fahrer ansprechen, da er ohne Gewichtsprobleme sowie mit Allradtraktion überzeugt. In Kombination mit dem beim Q3 obligatorischen Doppelkupplungsgetriebe (hier mit sieben Gängen) beschleunigt er in unter 6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.
Dynamisch über 10 Liter Verbrauch
Als Fahrer kann man auch hier zwischen einem Komfort- und einem Dynamik-Modus wählen. Letzterer vermittelt im Zusammenspiel mit der spürbar verhärtenden Progressivlenkung einen sehr sportlichen Eindruck. Das SUV bietet darüber hinaus einen vermeintlich sportlichen Motorsound.
Heute kann ein solcher angesichts der Abgasreinigungstechnik allerdings nicht mehr aus dem Auspuff kommen. Beim Q3 hilft jedoch nicht das Audiosystem nach, sondern der bereits erwähnte Scheiben-Wurzel-Aktuator, der am unteren Rand der Windschutzscheibe sitzt und dort Vibrationen erzeugt, die einen nach innen gerichteten, sportlichen Motorklang vermitteln.
Verblüffend ist außerdem die sehr deutlich spürbare Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit, welche die optionale Zweiventil-Dämpferregelung möglich macht. Wer es lieber gemütlich mag, versetzt den Unterbau auf Knopfdruck in einen Komfortmodus, der diesen Namen durchaus verdient. Wir bevorzugten den dynamischen Fahrmodus, was dann allerdings auch zu einem Verbrauch von 11 Litern führte.
Genügsamer war es mit der Einstiegsmotorisierung 1.5 TFSI mit 110 kW/150 PS. Die reicht bereits. Der Sprint lässt sich in rund neun Sekunden abhaken, maximal sind 209 km/h drin. Untermotorisiert fühlt sich das nicht an. Und obwohl wir auch hier etwas zügiger unterwegs waren, blieb der Verbrauch mit acht Litern auf einem moderaten Niveau.
Zurückhaltende Assistenten
Abstandstempomat oder Spurhalteassistent arbeiten sehr feinfühlig statt übergriffig, wie das bei den neuen Mitbewerbern aus Fernost oft der Fall ist. Auch das Warngeräusch für eine Überschreitung aktuell geltender Tempolimits bleibt so unterschwellig, dass man nicht das Bedürfnis entwickelt, dieses abstellen zu müssen.
Zum weiterentwickelten Assistentenkomplex gehören auch weitere Funktionen der neuen digitalen Matrix-LED-Scheinwerfer. Sie projizieren dank neuer Micro-LEDs einen Lichtteppich auf die vorausliegende Fahrbahn, der dem Fahrer als Orientierungshilfe dient.
Zudem können Warnhinweise, beispielsweise zu sich im toten Winkel befindlichen Fahrzeugen, angezeigt werden. Den vollen Funktionsumfang bietet das umfangreichste der drei verfügbaren Lichtpakete. Es kostet 1.240 Euro Aufpreis, was sich angesichts des Audi-typischen Preisgefüges verschmerzen lässt.
Los geht es bei 44.600 Euro. Wer sich für die Topmotorisierung und die zur Wahl stehenden Pakete entscheidet, kann den Preis um rund 30.000 Euro steigern. Wie in früheren Zeiten lässt sich Audi seinen Vorsprung durch Technik auch fürstlich entlohnen.
Erstpublikation: 30.09.2025, 06:37 Uhr.