1. Startseite
  2. Mobilität
  3. Motor
  4. Dacia Logan MCV im Handelsblatt-Test: Ein bisschen billiger geht es immer

Dacia Logan MCV im Handelsblatt-TestEin bisschen billiger geht es immer

Wer Geiz nicht geil findet, sondern zum Sparen gezwungen ist, wird Fragen nach Qualität und Sicherheit stellen: Was muss ein Billigauto wie der Dacia Logan MCV bieten? Ergebnisse aus 14 Tagen Selbsterfahrung.Frank G. Heide 19.12.2013 - 07:56 Uhr Artikel anhören

Die zweite Generation der Kombi-Version des Dacia Logan glänzt mit niedrigem Einstiegspreis, hohem Nutzwert und gutem Platzangebot. Der 4,45 Meter lange Logan MCV kostet in der Basisversion 7.990 Euro. Der Diesel-Testwagen kostet allerdings knapp über 14.000 Euro.

Foto: Sebastian Schaal

Düsseldorf. Gleichbedeutend mit "schlechter" müsse "billiger" nicht sein, will uns Dacia weismachen, und wirbt mit "das Auto für Leute, die kein Statussymbol brauchen". Und wie viel Auto bekomme ich nun für mein Geld tatsächlich, wenn ich den billigsten Kombi nehme, den man als Neuwagen hierzulande kaufen kann? So viel ist schon nach dem ersten Blick auf die Dacia-Website klar: Wer den Dacia Logan MCV nackt und mit kleinem Basisbenziner für 7.990 Euro kauft, muss ein sehr kompromissbereiter Pragmatiker sein.

Nimmt man den 90 PS Vierzylinder Common-Rail-Diesel sowie ein paar Extras, wie beim blauen Testwagen, so stehen 14.100 Euro auf der Rechnung. Man hat dann aber ein wirklich komplettes Auto für den Alltag. Ein Neuwagen, wohlgemerkt, mit Navi, Radio, Rückfahrwarner. Sparsam im Verbrauch, mit sehr viel Laderaum und Sitzfläche, - aber eben auch komplett emotionslos. Technisch funktioniert alles, wirkt aber zugleich ein bisschen altmodisch.

Was man für das Außendesign aber nicht sagen kann: Der Nachfolger des 2006 auf den Markt gebrachten Hochdach-Kombi ist nun gleich 13 Zentimeter niedriger geworden und hat hinten keine Türen mehr sondern eine Heckklappe. Der sichtbare Wandel vom Handwerker- zum Familien-Kombi beinhaltet außerdem eine moderne Front, die sich am Kleinwagen Sandero orientiert.

Fragen und Antworten zum Testwagen
Wer, wenn nicht der Logan? Einhundertprozentig: Ja!
Ein wirklich funktionales Multimedia-Navigationssystem mit Touchscreen und sehr gut erreichbarem USB-Anschluss.
Die Beschleunigungswerte des Dieselmotors ab dem mittleren Drehzahlbereich aufwärts. Beim Hochschalten sackt die Drehzahl zu heftig ab.
Und nochmal: Wer, wenn nicht der Logan? Günstigster Kombi-Neuwagen in Deutschland bei der Anschaffung, hohe Zufriedenheit bei den Käufern und gute Restwertprognose. Was will man mehr?
„Das soll ein Diesel sein?“ Die Reaktion eines Kollegen zeigt, dass der Klang des Motors nicht aufdringlich ist. Auch die Geräuschdämmung innen ist für diese Preisklasse gut. Der Logan MCV ist mehr PKW als Lieferwagen.
Schön grün. Bei sparsamer Fahrweise haben wir einen Testverbrauch um 4,2 Liter erreicht. Mehr als 6 Liter sind es bei schneller Fahrweise auch kaum geworden. Die Reichweite des 90 PS-Diesel liegt locker bei mehr als 900 Kilometer pro Tankfüllung.
Für das sichere Verstauen von Gegenständen wurden je nach Ausstattung bis zu 13 Ablagefächer eingebaut, sie nehmen bis zu 17 Liter auf. Am besten ist die gut erreichbare Versenkung oben im Armaturenbrett, für Handy, Sonnenbrille, usw..
Nichts. Er hält den Logan nicht für ein neues Auto.
Nur andere Dacia-Fahrer.
Ein bisschen langweilig, aber nicht unkomfortabel. Ein Auto, das zumindest in der Stadt alles mitmacht, was der Alltag verlangt.
In die Hände von Menschen, die ihr Geld für Wichtigeres ausgeben möchten, als für Autos.

Bevor ich losfahre, habe ich mich schlau gemacht. Und werde ein bisschen enttäuscht. Wer aber beim Crashtest-Institut Euro NCAP online nach den Ergebnissen schaut, wird in puncto Logan deutlichen Nachholbedarf entdecken. Nur 3 von 5 möglichen Sternen stehen da, aber sie beziehen sich auf das alte Stufenheck-Modell, das vom Hersteller mangels Nachfrage mittlerweile nicht mehr offiziell als Neuwagen angeboten wird. Neure Ergebnisse für den Logan MCV? Fehlanzeige.

Immerhin, es scheint sich was in Sachen Sicherheit zu tun, denn als neueres Dacia-Modell, zeigt der überarbeitete Sandero (2008: 3 Sterne, 2013: 4 Sterne) einen Aufwärtstrend. Die Dacia-Modelle Lodgy und Duster haben mit drei und vier Sternen aber ebenfalls klaren Verbesserungsbedarf.

Und unlängst gab es weitere Auffälligkeiten: Der bei den deutschen Autokäufern vielbeachtete TÜV-Report wies ausgerechnet bei den 2 - 3-jährigen Autos den Dacia Logan als schlechtestes Fahrzeug aus. Was im Detail bedeutet, dass er öfter als Konkurrenzmodelle schon bei der ersten HU-Vorführung wegen Mängeln keine neue Plakette bekommt.

Viel Platz für wenig Geld

Große Sorgen macht mir das nicht, denn der Hersteller gewährt drei Jahre Garantie (oder 100.000 Kilometer) und ich hoffe auf eine Verlängerungsmöglichkeit. Da wartet aber die nächste Enttäuschung: Bis zu 6 Jahre Garantie kann man gegen maximal 760 Euro Aufpreis vertraglich vereinbaren. Aber das bietet Dacia nur für Sandero, Lodgy, Duster und Dokker. Ausgerechnet der Logan MCV fällt durchs Raster.

Außen und innen hat die rumänische Renault-Tochter ihr Billigangebot unlängst überarbeitet. Aber die Änderungen sind so dezent ausgefallen, dass ältere Dacia-Modelle nicht gleich optisch entwertet werden, um es mal positiv auszudrücken.

An der Ausstattung mag Dacia gespart haben, aber Platz für Passagiere und Gespäck bietet der Logan MCV reichlich.

Foto: Sebastian Schaal

Mich überrascht positiv wie auffällig groß der Kofferraum ist, dass der Wagen für den Fahrer ein Muster an Übersichtlichkeit darstellt. Der fünfsitzige Kombi punktet mit einem vergleichsweise riesigen Gepäckraum; ein Volumen von 573 Liter, das mit umklappen der Rückbank auf 1.518 Liter erweitert werden kann. Die Kopffreiheit fällt zudem reichlich aus.

Mir gefällt außerdem, dass er im Vergleich zu meinem ebenfalls spartanischen Alltagskombi (Ford Focus Turnier von 2007) keine Verschlechterung darstellt. Ganz im Gegenteil: Fest installiertes Navi, Bluetooth-Telefon-Anbindung, Eco-Modus, Abstandswarner und gut erreichbarer USB-Anschluss sind sogar echte Verbesserungen. Im Vergleich zu modernen Neuwagen allerdings ist der MCV ein spartanisches Sparmobil.

Nur im unteren Drehzahlbereich stimmen Drehmoment und Beschleunigung des 90 PS-Diesel. Das 5-Gang-Getriebe ist aber schlecht abgestimmt.

Foto: Sebastian Schaal

Zwischenzeitig habe ich gelesen, dass Dacia-Fahrer sich in einer Umfrage des ADAC (Kundenbarometer) selbst als sehr zufrieden, ja geradezu glücklich mit ihrem Fahrzeug outen. Ich frage mich, ob das damit zu tun hat, dass man automatisch seine Erwartungen senkt, wenn man den Markennamen hört, und deswegen das Enttäuschungspotenzial nicht so groß sein kann wie bei einem Mercedes oder Audi? Studien scheinen genau das zu bestätigen: Ein Kleinwagen macht langfristig so glücklich wie ein Bentley, sagen Wissenschaftler der Uni Michigan.

Einfache Materialien und Verarbeitung: Ein bisschen Chrom als Zierrat im grauen Kunststoff, viel mehr darf man auch in der teuersten Ausstattungsvariante Prestige nicht erwarten.

Foto: Sebastian Schaal

Aber das ist kein Grund, über die Ausstattung des Logan MCV euphorisch werden. Wer es positiv ausdrücken möchte, wird sie pflegeleicht nennen, abwaschbar. Lenkrad und Armaturenbrett aus mausgrauem Kunststoff. Sitze, wie geschaffen für Tierfreunde. Der ansonsten ärgerliche, permanente Hunde-Haarverlust hat auf dem glänzenden Kunstleder gar keine Chance, sich untrennbar mit der Rückbank zu verbinden.

Tier und Besitzer freut überdies, dass die Heckklappe so groß und die Ladekante so niedrig ist. Die Rücksitze sind sehr leicht umlegbar und schaffen eine fast ebene Fläche. Wird zusätzlich die Rückenlehne des Beifahrersitzes nach vorn geneigt, passen Gegenstände bis 2,74 Meter in den Innenraum.

Fünf Gänge, schlecht abgestimmt

Sind Passagiere und Einkäufe verstaut, dann kann es flott losgehen mit dem Diesel-Dacia. Der sparsame 90 PS-Motor, für den der Hersteller einen offiziellen Normverbrauch von nur 3,8 Liter pro 100 Kilometer ausweist, beeindruckt beim Anfahren mit sattem Drehmoment. Dieser Eindruck hält sich bis 1.700 Touren, dann werden Leistungszuwachs und Tempogewinn zäh, oben raus kommt gar nichts mehr.

Das ist noch in Ordnung, wenn man ihn überwiegend in der Stadt bewegt. Selbst hier kann man dank Eco-Hinweis und frühem Hochschalten Praxisverbräuche um die vier Liter erzielen, was sehr anständig ist. Mehr Ersparnis wäre mit einem modernen Sechsganggetriebe und Start-Stop-Automatik drin, aber beides gibts nicht für den Testwagen.

Nerven kann die fehlende Power auf Landstraße und Autobahn, wenn statt Durchzug ein Leistungsloch klafft und statt Überholvorgang zwangsweise Warteschleife angesagt ist. Mir erschien der ansonsten eher unaufdringlich leise Motor vor allem im Bereich zwischen 90 und 130 km/h Beschleunigungswerte zu erreichen, die diesen Namen schlichtweg nicht verdienen. Das liegt auch an der verbesserungswürdigen Getriebeabstufung. Die Drehzahl sackt unglaublich schnell in den Keller, auch wenn man sich um bewusst schnelles Hochschalten bemüht. Man sollte also geduldig mit dem MCV umgehen, dann lebt man entspannter und bestimmt länger.

Auch deshalb, weil man nicht dem Fahrwerks-Stress ausgesetzt ist, wenn es mit hohen Geschwindigkeiten konfrontiert wird. Der Geradeauslauf ist dank des großen Radstandes sehr gut, die Seitenwindanfälligkeit sogar erstaunlich gering. Aber die Kurven. Das sind die großen Abenteuer im Logan. In guter alter französischer Tradition neigt er zu übertriebenem Komfort. Das macht ihn besonders geeignet für schlechte Straßen, die er gut wegsteckt.

Optimistisch angesteuerte Tempokurven allerdings erzeugen Angstschweiß auf der Beifahrerseite, denn Wankanfälligkeit und Seitenneigung sind leider sehr stark ausgeprägt. Was sich in dem unguten Gefühl äußert, der Wagen könnte jederzeit die gedachte Ideallinie verlassen. Dazu trägt auch bei, dass die einfachen Sitze keinerlei Seitenhalt bieten.

Also: Mit dem Logan bitte nicht in Kurven hineinbrettern und hoffen, er werde einen da irgenwie wieder herausbringen. Im Zweifelsfall schreit er nämlich selber um Hilfe. Mit diesem Wagen fährt nur zur Nordschleife, wer dort eine Palette Grillwürste anzuliefern hat.

Das Logan-Fahrtenbuch
Es gibt insgesamt vier Knöpfe im Lenkrad, das ist übersichtlich. Sie sind für die Regelung des Tempomats, und auch gut und leicht bedienbar. Was in diesem Zusammenhang unsinnig erscheint, ist der Hauptschalter für diese Funktion: Man aktiviert den Tempomaten über einen Schalter tief unten und mehr als eine Armlänge entfernt in der Mittelkonsole. Seine Betätigung lenkt vom Verkehrsgeschehen ab und ist deutlich verbesserungsbedürftig.
Auch beim billigsten Auto lässt sich nach was sparen, z.B. bei den wenigen Extras, die es überhaupt für den Logan gibt. Die Mittelarmlehne zählt dazu. So entspannend ihre Funktion während der Fahrt auch ist: Wer sich angurtet oder im Dunkel tastend das Stellrad zur Rückenlehnenneigung sucht, wird sie als fehlkonstruiert empfinden, weil sie total im Weg ist.
Ich habe in anderen Tests gelesen, die Fünfgangschaltung sei hakelig, das kann ich nicht bestätigen. Mich hat mehr gestört, dass ich für mein rechtes Bein keine Anlehnung finde, weil es keine Mittelkonsole gibt, und dass Gas- und Bremspedal auffällig nah zusammen gruppiert wurden. Da kann man mit dem Schuh schon einmal hängen bleiben.
Das Drehmoment beim Anfahren ist überzeugend, die Beschleunigungswerte ab der Drehzahlmitte sind es schon nicht mehr. Unweigerlich kommt einem der Begriff Wanderdüne wieder in den Sinn, mit dem alte Mercedes W123 200D gern bezeichnet wurden. Bis 130 km/h ist auch auf der Autobahn im Berufsverkehr alles in Ordnung. Die gefühlten Beschleunigungswerte in den beiden obersten Gängen im Bereich typischer Überholmanöver sind allerdings am besten mit "zäh" beschrieben.
Die Musikanlage samt Navigation, MediaNav genannt, ist vernünftig, und mit 180 Euro ein echtes Schnäppchen. Leider ist der Klang aus den vorderen Boxen eher mäßig. Verlangt man Bässe, so swingen und brummen die Türinnenverkleidungen locker mit. Sie spielen manchmal sogar ihre eigene Melodie, was schnell kontraproduktiv wirkt.

Gut gefallen hat mir der ehrliche Charakter des Wagens, der sagt: "Ich mache alles mit, außer Sport." Natürlich gibt es Punkte, die mir aufgestoßen sind. Die Lackqualität war auffallend rauh und pickelig, die Mittelkonsole mehr als eine Armeslänge entfernt, und die Sitze viel zu weich. Die Bluetooth-Anbindung des Smartphones dauert eine kleine Ewigkeit, einige Knöpfe und Schalter sind recht eigenwillig und unlogisch platziert. Das Radio im Media-Nav überfordert oft die Türlautsprecher, die rasch anfangen zu vibrieren.

Aber das Wesentliche stimmt bei diesem Auto: Anschaffungspreis, Lenkung, Bremsen, Übersicht und Laderaum sind voll in Ordnung. Und dazu kommt noch der Bonus, dass ausgerechnet ein so preiswertes Auto mehr von seinem Wert erhält, als viele Wettbewerber. Der Restwerte-Spezialist Bär & Fess prognostiziert, dass ein 2013 gekaufter Dacia Logan MCV bis 2017 bei durchschnittlicher Nutzung noch 3.875 Euro wert sein soll. Das ist der in seiner Klasse geringste Verlust in Euro.

Verwandte Themen
Deutschland

Die Sorgen, die man angesichts des schlechten Abschneidens im TÜV Report haben könnte, stelle ich hinten an. Erstens ist ausgerechnet Dacia in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern nie durch Rückrufe negativ aufgefallen. Zweitens bewerte ich die Kundenzufriedenheit anderer Dacia-Fahrer höher, als den Report. Drittens gab es mit dem neuen MCV in allen Vergleichs- und Langstreckentest, die ich gelesen habe, keine negativen Auffälligkeiten.

Fazit: Ein Auto für Besitzer großer Hunde und Transporteure großer Familien sowie sperriger Güter: Man muss einen Dacia nicht ständig auf Hochglanz polieren. Die Materialien innen sind außerdem robust und pflegeleicht. Dass der Vorgänger Schwächen im TÜV-Report zeigt, trübt das Bild ein bisschen. Aber er ist sicher und sehr übersichtlich. Und trotz niedrigem Anschaffungspreis hält sich sogar der Wertverlust in Grenzen. Für mich ist der größte Konkurrent dieses Logan MCV kein anderer Neuwagen, sondern ein gepflegter, gebrauchter Golf Variant.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt