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Angst vor zweiter Coronawelle Gesundheitsminister Spahn: „Wir sollten nicht übermütig werden – das gilt gerade im Urlaub“

Urlaub in Zeiten von Corona – bringt das die zweite Infektionswelle? Minister Spahn mahnt zur Vorsicht. Die Reisewirtschaft appelliert an die Eigenverantwortung der Urlauber.
13.07.2020 - 14:33 Uhr Kommentieren
Strand von Nizza. Quelle: The Image Bank/Getty Images
Sonnenschirme am Meer

Strand von Nizza.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

Berlin Deutschland hat das Infektionsgeschehen seit Wochen im Griff, derzeit sind rund 5000 akute Coronafälle bundesweit bestätigt. „Wir haben unser Land bisher gemeinsam gut durch die Krise geführt“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an diesem Montag in Berlin. Doch dann gibt es auch Bilder, die dem CDU-Politiker Sorgen bereiten – und zwar die, „die wir am Wochenende von der Deutschen liebsten Insel gesehen haben“.

Der Minister meint Fotos von Mallorca: Darauf zu sehen sind deutsche Urlauber, die sich im Feiermodus vor Kneipen drängeln, Biergläser in den Händen halten. „Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird“, warnt Spahn.

Der österreichische Skiort Ischgl gilt als europäischer Ausgangspunkt des Coronavirus, der in den Wintermonaten auch zu einer stärkeren Ausbreitung in Deutschland führte. Wie groß ist also die Gefahr, dass deutsche Touristen als Virenschleudern aus dem Sommerurlaub heimkehren und die Pandemie wieder verschärfen?

Spahn jedenfalls hält es für angebracht, das Thema Corona in Urlaubszeiten auf einer Pressekonferenz zu behandeln. „Die Gefahr einer zweiten Welle ist real“, sagte der Minister. „Wir sollten nicht übermütig werden. Das gilt auch und gerade im Urlaub.“

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    Seit die Bundesregierung entschieden hat, die Reisewarnung für Mitgliedstaaten der Europäischen Union ab dem 15. Juni aufzuheben, nehmen die Buchungszahlen für Urlaube am Mittelmeer zu. Zuvor buchten die Deutschen für die Ferienmonate Juli und August fast ausschließlich Ziele in der Bundesrepublik und nur vereinzelt Unterkünfte im europäischen Ausland.

    Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) steigt seit der Entscheidung der Bundesregierung Anfang Juni der Anteil der Pauschalreisen ans Mittelmeer wieder deutlich. Die meisten Neubuchungen gingen demnach für Spanien und dort vor allem für die Balearen und Kanaren ein.

    Das zweitbeliebteste europäische Ziel sei Griechenland. Für den Zeitraum der deutschen Sommerferien hätten auch Buchungen für Österreich, Italien und Kroatien zugelegt. 

    Die Gesamtzahl der Buchungen liegt laut DRV aber weiterhin nur bei einem Viertel des Vorjahres. Auch wenn sich Deutsche in den nächsten Wochen noch kurzfristig für eine Reise entscheiden sollten: Der Verband glaubt, dass man allenfalls auf ein Drittel der Pauschalreise-Buchungen des vergangenen Sommers kommen werde.

    Bei Fernreisen, etwa nach Südostasien, würden aber immerhin schon die ersten Buchungen für 2021 eingehen – die Zuversicht, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch Urlaub außerhalb Europas möglich sein wird, ist also da.

    Verantwortungsbewusstsein gefragt

    Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte die Aufhebung der Reisewarnung mit einem Aufruf an Urlauber verbunden: „Es kommt jetzt auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen an: Jeder kann dazu beitragen, mit unserer wiedergewonnenen Freiheit verantwortungsvoll umzugehen.“ Eine erneute Rückholaktion für deutsche Urlauber werde es nicht geben.

    Auch der Reiseverband setzt auf verantwortungsbewusstes Verhalten: „Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen müssen beachtet und eingehalten werden. Corona hat unser gesamtes Leben verändert – das betrifft nicht nur den Urlaub, sondern auch unseren Alltag“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig dem Handelsblatt. „Um eine zweite Coronawelle zu vermeiden, ist es schlicht notwendig, sich konsequent an diese vorgegebenen Maßnahmen zu halten.“

    Spahn hat aber die Befürchtung, dass Menschen gerade im Urlaub nachlässig werden könnten. „Ich bin jetzt wirklich kein Spielverderber oder Spaßverderber oder Feierverächter, aber es ist halt grad nicht die Zeit dafür“, sagte er. 

    Während der Rückreise im Flugzeug und dann zu Hause erhöhten diese Menschen dann auch das Risiko für viele andere. Auch der Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, mahnte bei der Pressekonferenz: „Unachtsamkeit nutzt dieses Virus aus.“

    Spahn: „Müssen aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird“

    Dennoch machte Spahn deutlich, dass nicht automatisch mit einer zweiten Welle im Herbst oder Winter gerechnet werden müsse. „Die meisten wissen, dass Gruppenreisen zum Ballermann, dass Großveranstaltungen, dass Umarmen zur Begrüßung oder das Einkaufen ohne Maske momentan keine guten Ideen sind“, sagte der Minister. „Wir haben besser gelernt, mit dem Virus zu leben, und wir wissen auch mehr über dieses Virus.“

    DRV-Präsident Fiebig sagte, dass Reiseveranstalter in Kooperation mit den Hotels und Zielgebieten Hygienemaßnahmen umgesetzt hätten. „Auf den Flughäfen, an Bord der Flugzeuge, beim Bustransfer sowie im Hotel gibt es verschiedenste Maßnahmen, die helfen, das Infektionsrisiko auf das Mindestmaß zu reduzieren“, sagte er. Spahn sagte dagegen, er habe Hinweise darauf, dass das Tragen von Masken während einer Flugreise nicht immer durchgesetzt werde.

    „Diese Pandemie ist noch nicht vorbei“

    Die Reisebranche fordert vom Auswärtigen Amt, die noch bestehenden Reisewarnungen für Ziele außerhalb Europas zu überarbeiten. „Da derzeit lediglich Veranstalterreisen innerhalb Europas möglich sind, fehlen noch viele beliebte Reiseziele für diesen Sommer – so sind zum Beispiel Flugpauschalreisen in so beliebte Ferienländer wie die Türkei, Tunesien, Ägypten oder Marokko noch nicht möglich, ebenso wenig wie für sämtliche Fernreiseziele“, sagte Fiebig dem Handelsblatt.

    „Wir wünschen uns eine Rückkehr zu differenzierten Betrachtungen, in denen die Länder und die individuelle Faktenlage vor Ort dezidiert angeschaut werden.“ Es gebe touristische Zielgebiete mit nachweislich weniger Infizierten als in Deutschland.

    „Wo Coronazahlen niedrig sind und das Gesundheitssystem leistungsfähig ist, muss die Reisewarnung durch individuelle Reisehinweise ersetzt werden“, sagte Fiebig. Oberste Priorität müsse natürlich die Gesundheit von Reisenden und Mitarbeitern haben. „Niemand möchte eine erneute Ausbreitung von Covid-19.“

    Spahn wies darauf hin, dass die Infektionszahlen auf der Welt zuletzt stark gestiegen seien. Das gelte auch für Länder wie Israel, Japan und Südkorea, die noch vor kurzer Zeit das Coronavirus scheinbar unter Kontrolle gehabt hätten. „Diese Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagte der Minister. „Wir sollten uns nicht in falscher Sicherheit wiegen.“

    Mehr: Was über Folgeerkrankungen einer Corona-Infektion bekannt ist.

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