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Coronakrise RKI-Chef Wieler dämpft Aufregung über R-Faktor – aber mahnt dennoch zur Vorsicht

Der Anstieg des R-Faktors geht laut Robert Koch-Institut vor allem auf lokale Ausbrüche zurück. Vorsicht sei dennoch angebracht – vor allem ab Herbst.
23.06.2020 - 11:52 Uhr Kommentieren

RKI gibt vorsichtige Entwarnung zu steigendem R-Faktor

Berlin Die Aufregung um den deutlich gestiegenen R-Faktor ist in den vergangenen Tagen groß gewesen. Doch Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), hat nun versucht, diese Nervosität etwas zu dämpfen: Die lokalen Ausbrüche in Gütersloh, Göttingen, Magdeburg und Berlin-Neukölln seien der entscheidende Grund, weshalb der Faktor, der ein Maß für die Ansteckungshäufigkeit bei Covid-19 ist, zuletzt gestiegen sei.

Es könne zwar auch noch andere Gründe geben, diese seien aber derzeit noch unklar, sagte Wieler an diesem Dienstag auf einer Pressekonferenz des RKI.

Mehrere Wochen hatte der R-Faktor unter eins gelegen: Danach steckten zehn Infizierte im Schnitt weniger als zehn weitere an, das Virus verbreitete sich also deutlich langsamer als noch zuvor. Doch nach den Ausbrüchen stieg der kurzfristige R-Wert auf 2,76, und auch der stabilere, der auf den letzten sieben Tagen basiert, erreichte einen Wert von 1,83.

Wegen der vergleichsweise geringen Zahl an in Deutschland gemeldeten Fälle müsse man aber vorsichtig bei der Interpretation des R-Faktors sein, so Wieler. Dieser schwanke derzeit stark. Am Dienstag meldete das RKI 503 Neuinfektionen in Deutschland.

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    Obwohl der R-Faktor nur bedingt aussagefähig ist, gelte es weiterhin generell, enorm vorsichtig zu sein, denn „wenn wir dem Virus die Chance dazu geben, sich auszubreiten, wird es diese Chance auch nutzen“, so Wieler.

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    Auch gehe er davon aus, dass „die Lockerungen nicht ohne Folgen bleiben werden“. Die Vorsichtsmaßnahmen, zu denen Abstand, Hygiene und Masken zählen, müssten daher noch viele Monate der Normalfall bleiben. 

    Bei den Ausbrüchen in Fleischfabriken, wie etwa zuletzt in Gütersloh, gehen die Virologen Wieler zufolge davon aus, dass nicht nur die Enge in der Fabrik und in den Wohnungen der Arbeiter die Ausbreitung des Coronavirus begünstigt haben. Auch Aerosole, also mit Viren geschwängerte feuchte Luft, und die niedrige Temperatur in den Hallen, bei der sich das Virus besonders wohl fühlt, seien für Ausbrüche mitverantwortlich.

    Dieser Umstand trübt auch die Aussicht auf Herbst und Winter: Wenn es wieder kälter wird, müsse man besonders aufmerksam sein, so der RKI-Chef. Wenn sich die Erkältungskrankheiten dann wieder generell häufen, gelte es, schnell herauszufinden, welche Erreger jeweils für die Erkrankungen verantwortlich sind.

    Er hoffe jedoch, dass sich in diesem Corona-Jahr zumindest weit mehr Menschen gegen die normale Gruppe impfen lassen würden als in den Jahren zuvor.

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