Arbeitszeit: IG-Metall-Forderung sorgt für Wirbel
Oktober 2023: Demonstrationszug zum Stahl-Aktionstag in Dillingen. Am Montag beginnen die Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie.
Foto: dpaBerlin. Selten hat eine Tarifrunde schon vor dem offiziellen Auftakt für so viel Wirbel gesorgt wie jene, die jetzt in der Stahlindustrie ansteht. Nicht so sehr, weil die IG Metall 8,5 Prozent mehr Geld für die rund 80.000 Beschäftigten verlangt. Sondern weil sie dies auch mit der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung von 35 auf 32 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich verknüpft, was eine Viertagewoche möglich machen würde.
Die Gewerkschaft trifft damit den Nerv vieler Beschäftigter, die sich nach einer besseren Work-Life-Balance sehnen – aber auch auf entschiedenen Widerstand der Arbeitgeber: „Eine pauschale Arbeitszeitverkürzung auf 32 Stunden für alle werden wir nicht machen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Gerhard Erdmann, vor der am Montag beginnenden ersten Verhandlungsrunde.
Addiere man die verlangten Lohnprozente und die Kosten der Arbeitszeitverkürzung, summiere sich die Forderung auf insgesamt 18 Prozent. Und das, obwohl die Stahlindustrie mitten in der Transformation hin zur klimafreundlichen Produktion steckt und dabei auf Milliardenhilfen vom Staat hofft. „Jetzt, wo wir die ersten Förderbescheide erhalten, können wir schlecht mit Work-Life-Balance kommen“, warnt Erdmann. „Das geht nach hinten los.“