Bundeswehr: Goldbeck und Adapteo bekunden Interesse an Pistorius’ Bauoffensive
Berlin. Erste Bauunternehmen haben ihr Interesse an der von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) geplanten Offensive zum Bau neuer Kasernen bekundet. Wie das Handelsblatt von den Unternehmen erfuhr, wollen sich Goldbeck und Adapteo an der Ausschreibung beteiligen.
„Sobald das Vergabeverfahren veröffentlicht wird, werden wir die Projektdetails prüfen“, sagte Jörg-Uwe Goldbeck, geschäftsführender Gesellschafter des familiengeführten Bielefelder Bauunternehmens, dem Handelsblatt. Auch Adapteo-Deutschland-Chef Benjamin Schretter von Wohlgemuthheim kündigte an, Angebote vorzubereiten.
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Die aktive Truppe der Bundeswehr soll von knapp 183.000 auf 260.000 Soldatinnen und Soldaten vergrößert werden. Außerdem soll eine Reserve von 200.000 Personen aufgebaut werden. Um den steigenden Raumbedarf der Bundeswehr möglichst schnell zu decken, plant das Bundesverteidigungsministerium (BMVg), ab 2027 insgesamt 270 Kompaniegebäude in Modulbauweise auf bestehenden Liegenschaften der Bundeswehr zu errichten.
Das Vergabeverfahren über einen Rahmenvertrag im Gesamtvolumen von rund 3,5 Milliarden Euro wird derzeit vorbereitet. Die Aufträge sollen ab Sommer 2026 in mehreren regionalen Losen vergeben werden.
Goldbeck ist spezialisiert auf serielles Bauen
Goldbeck ist am Umsatz gemessen das drittgrößte Bauunternehmen Deutschlands, nach Hochtief und Strabag, und spezialisiert auf serielles, systematisiertes Bauen. Dabei werden Fertigteile industriell vorproduziert und vor Ort zu Logistikhallen, Parkhäusern und zunehmend auch Wohngebäuden oder Schulen montiert.
Das Bielefelder Unternehmen gehört zu den Vorreitern beim seriellen Bauen. Inzwischen nimmt die Vorfertigung in Serie aber in der gesamten Branche zu, um die Prozesse schneller und effizienter zu gestalten.
Auch die Politik hat das Thema als Möglichkeit erkannt, um den Wohnungsbau zu beschleunigen. Sollte es der Politik gelingen, die 16 Bauordnungen der Bundesländer zu vereinheitlichen, könnte dies dem seriellen Bauen zusätzliche Dynamik verleihen.
Goldbeck, das von den Brüdern Jörg-Uwe und Jan-Hendrik Goldbeck geführt wird, hat bereits viel Erfahrung mit öffentlichen Auftraggebern, einschließlich der Bundeswehr. Derzeit errichtet das Unternehmen am größten deutschen Marinestützpunkt in Wilhelmshaven elf Unterkünfte mit insgesamt 1185 Zimmern und in der Bundeswehrkaserne Walldürn in Baden-Württemberg vier Unterkunftsgebäude mit insgesamt 300 Zimmern.
Obwohl das Verteidigungsministerium die Ausschreibungsunterlagen für die 270 Kompaniegebäude noch nicht vorgelegt hat, plant Goldbeck bereits voraus. „Unsere Systemelemente würden wir dabei in eigenen Werken vorfertigen“, kündigte Jörg-Uwe Goldbeck an. „Das ermöglicht eine schnelle Lieferung auf die Baustelle, bei gleichbleibend hoher Qualität.“
Adapteo bietet modulare Lösungen
Auch der Modulbauer Adapteo steht bereit. Das Unternehmen ist auf Containeranlagen und modulare Gebäude spezialisiert, die für Schulen, Kitas, Büros oder Unterkünfte für Arbeiter bei großen Infrastrukturprojekten genutzt werden.
Adapteo mit Hauptsitz in Neu-Isenburg beschäftigt nach eigenen Angaben rund 180 Mitarbeiter und gehört zur skandinavischen Adapteo-Group, die in neun Ländern vertreten ist, darunter Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark und Litauen.
Wie Goldbeck verfügt auch Adapteo über Erfahrung mit militärischen Bauprojekten. Zuletzt hat die Gruppe innerhalb von drei Monaten ein modulares, zweigeschossiges Schulgebäude für die Kinder der in Vilnius stationierten deutschen Soldatinnen und Soldaten bereitgestellt.
Deutschland stationiert in Litauen erstmals Bundeswehrsoldaten permanent im Ausland. Im Mai hatte die deutsche Brigade ihren Dienst aufgenommen, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Pistorius reisten nach Vilnius.
Adapteo erhebt nicht den Anspruch, die nun in Deutschland geplanten Kompaniegebäude im Alleingang errichten zu können. „Die Umsetzung durch ein einzelnes Unternehmen wäre bei dem Volumen kritisch zu bewerten“, sagt Deutschland-Chef von Schretter. „Die verschiedenen Marktbegleiter haben unterschiedliche Schwerpunkte, die bei den vielfältigen Projekten Berücksichtigung finden.“
Sicherheitsrelevante Aspekte seien kein Problem. Neue, bislang nicht relevante Aspekte könnten bei Modulbauten unproblematisch konstruiert und umgesetzt werden, sagt der Adapteo-Chef. „Einmal entwickelt, kommen die Module von der Stange, sind aber immer noch individuell veränderbar.“