Chemie: Zähes Ringen um Tarifabschluss für die Chemieindustrie
Frankfurt. In den Tarifverhandlungen für die 585.000 Beschäftigten der Chemieindustrie ringen Gewerkschaft und Arbeitgeber weiter um eine Lösung. „Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass wir ein Angebot sehen, aber kann noch gar nicht einschätzen, wie weit wir hier in Wiesbaden kommen werden“, sagte der Verhandlungsführer der Chemiegewerkschaft IGBCE, Oliver Heinrich, am Dienstag.
Bei der geforderten Modernisierung des Bundesentgelttarifvertrags (BETV) sei eine Lösung jetzt schon absehbar. „Die anderen beiden Punkte werden die großen Entscheidenden sein“, sagte Heinrich mit Blick auf die Forderung der IGBCE nach sieben Prozent mehr Einkommen für die Beschäftigten und einer tariflichen Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern.
Die Tarifverhandlungen sind am Dienstag in Wiesbaden in die zweite Runde gegangen. Die Gespräche sind für zwei Tage angesetzt. Die erste Tarifrunde für Deutschlands drittgrößte Industriebranche hatten IGBCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) Mitte Mai ergebnislos vertagt. Der BAVC rechnet mit weiter schwierigen Verhandlungen. „Zwar haben zwischenzeitlich Gespräche stattgefunden und gerade beim Thema BETV sind wir vorangekommen“, sagte BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk.
Aber über das schwierigste Thema sei noch gar nicht verhandelt worden: „In welchem Umfang sind Entgeltsteigerungen möglich angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage? Unser Ziel ist ein krisengerechter Tarifabschluss mit möglichst niedriger Belastung, langer Laufzeit und großer Flexibilität“, betonte Bürk. Die IGBCE beurteilt die Lage anders: „Die chemische Industrie zieht an. Das Jammertal, das die Arbeitgeber beschreiben, ist aus unserer Sicht zu Ende.“
Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Chemie hatten sich zuletzt im Oktober 2022 auf einen Tarifabschluss verständigt, der Sonderzahlungen und tabellenwirksame Entgelterhöhungen von je 3,25 Prozent in zwei Schritten vorsah. Der Vertrag läuft Ende Juni aus.