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Coronakrise NRW früher, Bayern später: Wie geht es weiter an den Schulen?

Eigentlich soll der Unterricht bundesweit parallel wieder anlaufen. Davon kann keine Rede sein. Das größte Problem sind offenbar die Hygienebedingungen.
16.04.2020 - 17:55 Uhr Kommentieren
Die Bundesländer sind sich uneins, wann sie ihre Schulen wieder öffnen. Quelle: dpa
Leeres Klassenzimmer

Die Bundesländer sind sich uneins, wann sie ihre Schulen wieder öffnen.

(Foto: dpa)

Berlin Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sich besonders für eine rasche Wiederöffnung der Schulen starkgemacht. Nun dürfen die Schüler des Landes, die vor Abschlussprüfungen stehen, schon ab nächste Woche Donnerstag wieder zur Schule gehen – müssen aber nicht.

Das betrifft in NRW von insgesamt 2,5 Millionen Schülern 148.000 der Jahrgangsstufen 10, 12 und 13. Die Schulen sollten gezielte Angebote in den Prüfungsfächern machen, erläuterte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Es gehe dabei nicht um klassischen Unterricht nach Stundenplan wie vor der Corona-Pandemie. Und sie wisse auch, dass es Schüler gebe, die sich lieber zu Hause auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten wollten, sagte die Ministerin. Das bleibe weiter möglich.

Damit hält sich NRW nicht wirklich an das Vorgehen, auf das sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten eigentlich geeinigt hatten. In ihrem Beschluss heißt es, dass zunächst nur die Prüfungen und die Prüfungsvorbereitungen stattfinden sollen. Regulär soll der Unterricht der Abschlussklassen in den allgemeinbildenden- und den Berufsschulen und auch der letzten Klasse der Grundschulen nach dem Beschluss jedoch erst ab dem 4. Mai wieder losgehen. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa elf Millionen Schüler, davon gut eine Million in den Abschlussklassen.

Von der zuvor beschworenen Einheitlichkeit ist keine Rede mehr. „Wir brauchen einen Konsens der 16 Länder. Gerade in der Schulpolitik darf es keine Alleingänge geben“, hatte Laschet vor der Videoschalte noch gemahnt. Auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), versprach: „Unser Ziel ist es, bundesweit möglichst einheitlich vorzugehen.“ Zugleich öffnete sie das Tor für Sonderwege. Natürlich müsse man „länderspezifische Fragen“ berücksichtigen.

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    Eilig hat es auch Sachsen: Im Freistaat sollen die Abschlussklassen ab 22. April wieder unterrichtet werden. Die allermeisten Länder hingegen starten erst am 27. April mit den Abschlussklassen. In einigen ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Besonders viel Zeit lässt sich Bayern. Auch dort sollen zwar am 27. April die Prüfungsvorbereitungen beginnen.

    Der allgemeine Schulbetrieb soll jedoch erst am 11. Mai wieder anlaufen. Die FDP im Bundestag warf den Kultusministern vor, bei der Vorbereitung der Schulöffnungen Zeit vergeudet zu haben. „Die Kultusministerkonferenz hätte viel früher tagen müssen, um Kriterien für Schulöffnungen festzulegen“, sagte ihr Bildungspolitiker Thomas Sattelberger.

    Mangelnde Hygiene an deutschen Schulen

    Die Eile mancher Länder passt auch nicht ganz zum Auftrag der Regierungschefs an die Kultusminister: Diese sollen bis zum 29. April ein Konzept vorlegen, „wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen insgesamt wieder aufgenommen werden“ kann. Dabei soll das Abstandsgebot vor allem durch verkleinerte Klassengruppen und gestaffelten Unterricht gewährleistet werden. Neben dem Unterricht muss auch das Pausengeschehen und der Schulbusbetrieb entsprechend organisiert werden. Jede Schule braucht einen Hygieneplan, heißt es im gemeinsamen Papier.

    „Die Prüfungsvorbereitungen können ab kommender Woche wieder stattfinden“

    Mangelnde Hygiene war schon vor Corona immer wieder ein Thema an Deutschlands Schulen – nun wird diese Frage womöglich zentral für die weitere Bekämpfung der Pandemie. Bei Missachtung von Sauberkeitsstandards müssten Schulen geschlossen bleiben, mahnte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe. Toiletten müssten saniert werden. Zudem würden Flüssigseife, warmes Wasser, Einmalhandtücher, Desinfektionsmittel und „hochwertige Atemschutzmasken“ benötigt. „Das darf nicht am Geld scheitern“, sagte Tepe.

    Der Präsident des Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, verlangte die „Nachrüstung von Toiletten- und Waschanlagen, Desinfektionsspendern und enger getaktete Reinigungszyklen“. Zudem forderte er zusätzliche Schulbuslinien und die Bereitstellung von Atemschutzmasken. Risikopersonen unter Lehrern und Schülern müssten identifiziert und vom Unterricht ausgenommen werden. „Je mehr Klassen zurückkehren, desto schwieriger wird es.“ Eventuell müsse das Unterrichtsvolumen halbiert werden.

    „Die große Mehrzahl der Schüler wird noch lange darauf warten müssen, wieder in die Schule zu gehen“, sagte Meidinger. Die Homeschooling-Phase werde teilweise bis fast ans Schuljahresende reichen, prophezeite er.

    Der Grundschulverband forderte, in den Schulen müssten mehrmals täglich Toiletten, Türklinken und Treppengeländer gereinigt und desinfiziert werden. Nach Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes muss gegebenenfalls kurzfristig renoviert werden. Dessen Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg drängte darauf, dass Länder, Schulaufsicht und Schulleitungen die Zeit bis zum 4. Mai konsequent nutzen.

    Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, glaubt nicht, dass das reicht: „Es ist ausgeschlossen, dass die Schulen ihre oft maroden sanitären Einrichtungen bis zum 4. Mai so in Ordnung bringen, wie es in der Pandemie nötig wäre“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

    Mehr: Statt Corona-Notabitur könnten Uni-Eingangsprüfungen zählen.

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