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EinwohnerDeutschland hat bald 800.000 Bürger mehr – Wo wächst die Bevölkerung?

Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen wird sich bis 2045 auf 85,5 Millionen Menschen erhöhen. Die Unterschiede sind regional jedoch groß.Silke Kersting 20.06.2024 - 10:14 Uhr
Gut besuchte Bonner Innenstadt: Deutschland wird nach einer Prognose wachsen. Foto: NurPhoto/Getty Images

Berlin. Deutschland wächst: Bis zum Jahr 2045 dürften etwa 85,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik leben – ein Plus von rund 800.000 Menschen im Vergleich zu 2023. Das prognostiziert das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in seiner an diesem Mittwoch veröffentlichten zehnten Bevölkerungsprognose.

Die Unterschiede sind laut der Studie jedoch regional groß. Während wirtschaftsstarke Großstädte und ihr Umland sowie zahlreiche ländliche Regionen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg zulegen, verringert sich laut BBSR die Bevölkerungszahl in strukturschwachen Gegenden abseits der Metropolen weiter.

Das betrifft sowohl den Westen als auch den Osten der Republik:

  • Die Landkreise Erzgebirgskreis (Sachsen), Greiz (Thüringen) und Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt) büßen laut Prognose bis 2045 mehr als ein Fünftel ihrer Bevölkerung ein.
  • Auch Nordhessen, die angrenzenden Gebiete im östlichen Teil Nordrhein-Westfalens und Gebiete im Saarland werden Einwohner verlieren.

Das stärkste Wachstum prognostiziert das BBSR für den Landkreis Ebersberg (Bayern) sowie die kreisfreien Städte Freiburg, Potsdam und Leipzig. Berlin und weite Teile seines Umlands bleiben auch in Zukunft auf Wachstumskurs.

Die regional differenzierte Prognose des BBSR trifft nach eigener Aussage ihre Annahmen auf Basis langjähriger demografischer Entwicklungen. Dazu zählen unter anderem Außen- und Binnenwanderungen sowie das Geburtenniveau und die Sterblichkeit.

Laut Peter Jakubowski, Leiter der Abteilung Raum- und Stadtentwicklung im BBSR, wächst Deutschlands Bevölkerungszahl durch Zuwanderung aus dem Ausland. Viele Menschen würden weiterhin aus verschiedensten Gründen aus vielen Teilen der Welt nach Deutschland kommen, sagte Jakubowski: „Ohne Zuwanderung aus dem Ausland würde die Bevölkerungszahl Deutschlands im Jahr 2045 bereits deutlich niedriger liegen, weil die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten bei Weitem übersteigen wird.

Unterm Strich geht das BBSR davon aus, dass in den Jahren von 2021 bis 2045 insgesamt 9,2 Millionen Menschen zuwandern. Weil die Zahl der gesamten Sterbefälle in der Bevölkerung aber höher ausfällt als die Zahl der Geburten, bleibt 2045 doch nur das Plus bei der Bevölkerung von 800.000 stehen.

Prognosen zur Zu- und Abwanderung sind jedoch mit großen Unsicherheiten behaftet. Hohe Zuwanderungszahlen durch Kriege wie etwa in der Ukraine lassen sich schwer vorhersagen.

Durchschnittsalter teilweise bei über 50 Jahren

Das Durchschnittsalter wird vor allem in Regionen mit sinkenden Bevölkerungszahlen überdurchschnittlich stark ansteigen, sagt das BBSR voraus. 2045 werden die Menschen in den Landkreisen Vorpommern-Rügen (Mecklenburg-Vorpommern), Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt), Altenburger Land (Thüringen), Greiz (Thüringen) und Spree-Neiße (Brandenburg) im Schnitt älter als 50 Jahre alt sein.

Am anderen Ende der Liste stehen Universitätsstädte wie Frankfurt am Main, München oder Heidelberg. Hier wird die Bevölkerung 2045 im Schnitt jünger als 41 Jahre alt sein. Die kreisfreie Stadt Leipzig weist unter den ostdeutschen Kreisen mit 42 Jahren den niedrigsten Wert auf, gefolgt von Berlin (ebenfalls 42 Jahre) und Jena mit knapp 43 Jahren.

Die Zahl der Menschen im Rentenalter (67-Jährige und Ältere) erhöht sich dem BBSR zufolge bis 2045 bundesweit um 2,2 Millionen (+13,6 Prozent).

Große regionale Unterschiede gibt es auch in der Bevölkerungsgruppe der erwerbsfähigen Bevölkerung (20- bis unter 67-Jährige). Deutschlandweit nimmt ihre Zahl laut BBSR bis 2045 um zwei Prozent ab.

Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt in den Landkreisen Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt), Greiz (Thüringen), Spree-Neiße (Brandenburg), Stendal (Sachsen-Anhalt) um 30 Prozent – für die kreisfreien Städte München, Leipzig, Berlin und Potsdam prognostiziert das BBSR ein Plus von mindestens zehn Prozent.

Das Ergebnis der Bevölkerungsprognose zeige: „Deutschland wächst, wird älter und vielfältiger“, sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz. Das wiederum stelle die Politik vor Herausforderungen: Fachkräftesicherung, Integration, mehr altersgerechte Wohnungen, Digitalisierung in der Fläche und die Anpassung der sozialen Infrastrukturen.

Für die alternde Gesellschaft würden unter anderem neue Wohnkonzepte gebraucht, bei denen Gemeinschaft und Rückzug möglich seien, sagte die SPD-Politikerin.

Die Prognose zeigt zum Teil völlig konträre Herausforderungen.
Peter Jakubowski
BBSR

Die Prognose zeige aber auch „zum Teil völlig konträre Herausforderungen, die sich für die Regionen aus dem demografischen Wandel ergeben“, sagte BBSR-Experte Jakubowski.

In den strukturstarken Städten und Kreisen mit anhaltendem Bevölkerungszuwachs, die meist auch Wachstumsmotoren der deutschen Wirtschaft sind, werde es vor allem um die Befriedigung einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum und sozialen Dienstleistungen wie beispielsweise Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung oder Pflege gehen.

Für Akteure in den strukturschwächeren Städten und Kreisen mit anhaltenden Bevölkerungsverlusten werde es dagegen immer schwieriger, eine vielfältige und leistungsfähige Daseinsvorsorge sowie attraktive Arbeits- und Wohnungsmärkte abzusichern, sagte Jakubowski. „Mehr denn je wird deutlich, dass wir passfähige Instrumente zur Linderung von Wachstumsschmerzen benötigen und zugleich die Daseinsvorsorge in weiter schrumpfenden Räumen auf einem angemessenen Niveau sichern müssen.“

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Erstpublikation: 19.06.2024, 11:02 Uhr.

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