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E-RezeptWie gut klappt die Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bringt erste Erfolge für die Patienten, zeigt eine McKinsey-Studie. Zudem könnten durch neue Anwendungen Kosten im Milliardenbereich gesenkt werden.Jürgen Klöckner, Britta Rybicki 26.01.2024 - 12:41 Uhr
Gesundheits-Apps können in Deutschland vom Arzt verschrieben werden. Foto: dpa

Berlin, Düsseldorf. Die Digitalisierung kommt 2024 tatsächlich im Gesundheitswesen an. Seit Januar müssen Rezepte elektronisch ausgestellt werden. Das funktioniert zwar noch nicht überall reibungslos, aber fast jedes zweite Rezept wird derzeit elektronisch ausgestellt, insgesamt 22 Millionen in diesem Jahr. Das zeigt der „E-Health-Monitor“ der Beratungsgesellschaft McKinsey, der am Mittwoch vorgestellt wurde. 

Die Studie misst die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland anhand von 30 Indikatoren. Diese „kommt nur langsam voran, aber sie kommt voran“, sagt Studienautor und McKinsey-Partner Tobias Silberzahn. Neben großen Verbesserungen für den Patienten sollen mit der Digitalisierung auch Milliarden eingespart werden. 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) versprach zu Beginn seiner Amtszeit einen „Neustart in der Digitalisierung“. Neben dem E-Rezept spielt dafür auch die Neuauflage der elektronischen Patientenakte (ePA) eine zentrale Rolle, die im kommenden Jahr eingeführt wird.

Der „durchaus starke Start“ des elektronischen Rezepts zeige, dass Lauterbachs Digitalstrategie ein wichtiger Schritt sei, sagte Silberzahn. Der Experte geht davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte die allermeisten Rezepte digital ausgestellt werden. 

E-Rezept: Technikprobleme legen Praxen lahm

Grund für die Startschwierigkeiten sind auch technische Probleme in Hausarztpraxen. 69 Prozent klagen dem Report zufolge über wöchentliche oder sogar tägliche Probleme mit der Telematik-Infrastruktur (TI) – eine Art digitale Anbindung für die Praxen –, um Daten austauschen zu können.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Foto: dpa

Die Vorsitzende des Hausärzteverbands, Nicola Buhlinger-Göpfarth, klagt, dass ein Update der nötigen Hardware „schnell mal einen großen Teil der Digitalstruktur der Praxis lahmlegen“ könne. Dann bleibe nichts anderes übrig, als auf Zettel zurückzugreifen. Bei „rappelvollen Wartezimmern“ aber müsse man sich auf effiziente Abläufe verlassen können.

Der Start des E-Rezepts ist nach Ansicht von Buhlinger-Göpfarth deswegen auch kein Erfolg, sondern zeige, was in der Digitalisierung des Gesundheitswesens schiefläuft. 15 Sekunden dauert es beispielsweise, das E-Rezept elektronisch zu unterschreiben – das sei „bei einer Massenanwendung einfach ein Unding“, sagt sie. Die Ärzteschaft fordert deswegen unter anderem, die Hersteller von Hard- und Software für die Telematik-Infrastruktur stärker in die Pflicht zu nehmen.

Telemonitoring: Einsparungen in Milliardenhöhe möglich

Großes Einsparpotenzial sehen die Autoren des E-Health-Monitors vor allem in der Überwachung von Patienten per Telemonitoring. Dabei wird die Behandlung von chronisch Erkrankten mithilfe von Software und speziellen Geräten vom Krankenhaus in die eigenen vier Wände verlagert.

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Nach der Entlassung aus der Klinik erhalten die Patienten zum Beispiel Messgeräte, um Vitalwerte wie Herzrhythmus oder Blutdruck zu erfassen. Das medizinische Personal kann die Werte dann mit einer App überprüfen. Silberzahn und sein Team gehen davon aus, dass dadurch 4,3 Milliarden Euro eingespart werden können.

Der Studienautor nennt ein Beispiel: Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen würden hierzulande mehrere Wochen im Krankenhaus bleiben. „Durch Telemonitoring könnte man dies – laut verschiedenen Studien – auf ein bis zwei Wochen reduzieren“, sagt Silberzahn.

Schon 22 Millionen E-Rezepte wurden seit Jahresbeginn ausgestellt. Foto: picture alliance/dpa

Diese neuen Möglichkeiten hat auch die Politik erkannt. Durch das verabschiedete Digitalgesetz sollen Daten aus Fitnessuhren und anderen Trackern künftig in der elektronischen Patientenakte gespeichert werden können. Die Digitalstrategie der Bundesregierung sieht vor, dass Telemonitoring in spezielle Programme der Krankenkassen für chronisch kranke Menschen integriert wird. Bisher zahlen die Kassen diese Behandlung nur für Patienten mit Herzinsuffizienz. 

Apps auf Rezept werden immer gefragter

Lichtblicke gibt es laut dem E-Health-Report bei Apps und Software auf Rezept. Die Kosten können von den Krankenkassen übernommen werden. Die Programme decken ein breites Spektrum ab: von Wirbelsäulen- und Stoffwechselerkrankungen über Krebs bis zu Burn-out.

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2023 dürfte sich die Zahl dieser digitalen Gesundheitsanwendungen laut dem Report auf rund 235.000 belaufen haben – mehr als doppelt so viele wie 2022. Das Marktvolumen lag laut dem Report bei rund 125 Millionen Euro. 

Erstpublikation: 24.01.2024, 04:09 Uhr.

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