Führerschein: Fahrsimulator und Onlinestunden sollen den Preis drücken
Berlin. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) plant die Modernisierung der Fahrausbildung – in diesem Zuge sollen die Kosten für den Führerschein „deutlich“ sinken. Derzeit müssen Fahrschüler für die Ausbildung mancherorts bis zu 4500 Euro bezahlen – mehr als in den meisten anderen Ländern der EU. Der Minister will diesen Betrag reduzieren, er kündigte eine Kostensenkung von „mehreren Hundert Euro“ an.
„Unser Ziel: weniger Kosten, aber gleiche Sicherheit“, sagte Verkehrsminister Schnieder in Berlin. Der CDU-Politiker stellte am Donnerstag die Eckpunkte einer geplanten Reform zur Modernisierung und Kostensenkung in der Fahrschulausbildung vor.
Schnieder will bei seiner Reform auf Vereinfachungen und digitale Lösungen setzen. Künftig sollen unter anderem Fahrsimulatoren in Fahrschulen zum Einsatz kommen dürfen und digitaler Unterricht gestattet werden. Mit einer „Experimentierklausel“ könnten bald auch Eltern neben den Fahrschülern am Steuer sitzen.
„Diese Reform ist kein Sparprogramm, sie ist ein Modernisierungsprogramm“, betonte Schnieder. Der Minister will seine Vorschläge nun mit der Branche und den Ländern diskutieren.
Die Preise für den Unterricht an Fahrschulen und den Führerschein sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ursachen seien unter anderem höhere Kosten für Fahrzeuge, Sprit und Personal infolge der Inflation. „Das ist eindeutig zu viel“, sagte Schnieder am Donnerstag.
Um die Kosten bei der theoretischen Prüfung zu reduzieren, plant Schnieder, die Pflicht zum Präsenzunterricht abzuschaffen. Es soll möglich sein, sich das Wissen vollständig über einen digitalen Weg, beispielsweise per App, anzueignen. Vorgaben zu Schulungsräumen und der Reihenfolge, in der Wissen vermittelt wird, sollen ebenfalls wegfallen. Fahrschulen müssen laut Schnieders Plan auch keine Schulungsräume mehr bereithalten.
Weniger Prüfungsfragen geplant
Auch bei den Prüfungsfragen will der Minister künftig aufräumen. Der entsprechende Katalog für die theoretische Fahrprüfung ist im Laufe der Jahre immer länger geworden. Derzeit enthält er 1169 Fragen. Schnieder plant jetzt, die Liste um ein Drittel zu reduzieren. Andere Länder hätten auch keine 1200 Fragen, sagte der Minister.
Neben der theoretischen Prüfung will der CDU-Politiker auch die praktische modernisieren. Künftig sollen Fahrschulen verstärkt auf Simulatoren setzen können. So soll etwa die Kompetenz zum Fahren eines Schaltwagens vollständig digital erworben werden können. Damit entfällt für Fahrschulen die Pflicht, eigene Schaltfahrzeuge vorzuhalten. Die praktische Prüfung könnte dann in einem Automatikfahrzeug abgelegt werden.
Simulatoren sollen teilweise auch bei den verpflichtenden Sonderfahrten, wie Autobahn-, Überland- oder Nachtfahrten, verwendet werden können. Die Gesamtzahl der Sonderfahrten will Schnieder ebenfalls reduzieren.
„Der Führerschein ist ein Schlüssel zur eigenen Freiheit – besonders dort, wo Bus und Bahn nicht regelmäßig fahren“, sagte der Verkehrsminister. Für viele junge Menschen auf dem Land bedeute er, zur Schule zu kommen, die Ausbildung zu beginnen, Freunde zu treffen oder zum Sport zu fahren. „Mobilität darf kein Privileg sein.“
Zudem soll die Dauer der praktischen Prüfung dem Mindeststandard der Europäischen Union angeglichen werden und künftig nur noch 25 Minuten reine Fahrzeit beinhalten. Aktuell sind es 30 Minuten reine Fahrzeit, mit Vor- und Nachbereitung kämen Fahrschulen aber oft auf knapp eine Stunde.
„Wir wollen nicht nur Entlastungen für Fahrschüler, sondern auch für Fahrschulen“, sagte Schnieder. So sollen Fortbildungen in Zukunft einfacher gestaltet und Bürokratie für Fahrschulen reduziert werden.
Mehr Transparenz für Verbraucher
Auch will der Minister die Transparenz erhöhen. Die Erfolgsquoten der Prüfungen seien zudem kaum öffentlich einsehbar. Deshalb soll es künftig möglich sein, online die Kosten und Durchfallquoten aller Fahrschulen einzusehen und damit einen realistischen Kosten- und Qualitätsvergleich durchzuführen.
Unter einer sogenannten „Experimentierklausel“ will das Verkehrsministerium prüfen, ob Angehörige oder nahestehende Personen künftig stärker in die Fahrausbildung einbezogen werden können. So sei es vorstellbar, dass bald statt des Fahrlehrers zum Teil auch Familienangehörige oder Freunde auf dem Beifahrersitz der Fahrschüler säßen. So könnten die Anfänger zusätzliche Fahrerfahrung erlangen.
Isabell Cademartori, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, begrüßte die Pläne des Verkehrsministers. Der Weg zu mehr Transparenz sei der richtige Ansatz. „Es kann nicht sein, dass es Zahlen gibt, die die Qualität und die Erfolge der Fahrschulen bei Prüfungen sichtbar machen, diese aber für die Menschen nicht einsehbar sind.“
Die Vorschläge sollen nun gemeinsam mit den Ländern und der Branche weiterentwickelt werden. Bereits im Juli hatte ein erster Dialog mit Fahrlehrerverbänden, Branchenvertretern und Verbraucherorganisationen stattgefunden, hieß es aus dem Ministerium.
Ziel sei es, die rechtlichen Änderungen im ersten Halbjahr 2026 auf den Weg zu bringen. Geprüft werden soll zudem, ob die Vorschläge auch auf andere Führerscheinklassen, etwa für Lkw, angewendet werden können.