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Ifo-BeraterklimaGeschäfte boomen – Krisen treiben die Umsätze der Berater

Krieg, Inflation und Wachstumsschwäche perlen an der Beraterbranche ab. In kaum einem anderen Wirtschaftszweig gelingt solch eine Abkoppelung von der Gesamtwirtschaft.Heike Anger, Axel Schrinner 04.01.2024 - 12:33 Uhr

Berlin, Düsseldorf. Für die deutsche Volkswirtschaft ist 2023 kein gutes Jahr gewesen, und die Aussichten für das neue Jahr sind kaum besser. Das Münchener Ifo-Institut vertritt mit einer Prognose von 0,9 Prozent Wachstum noch die optimistische Seite, während das IW Köln ein erneutes Schrumpfen der Wirtschaftsleistung erwartet.

Eine Branche scheint jedoch vollkommen immun gegen Inflation, Energiepreisexplosion und geopolitische Verwerfungen – die der „Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung“. Das signalisiert das Ifo-Beraterklima, das die Münchener Wirtschaftsforscher exklusiv für das Handelsblatt berechnet haben. Mit 37,17 Punkten notiert der Index derzeit auf dem höchsten Stand seit 22 Monaten.

Geschäftslage und -erwartungen liegen weit über den langjährigen Mittelwerten.  „Mehr als jedes zweite Unternehmen berichtet aktuell von einer guten Geschäftslage“, sagt Ifo-Experte Klaus Wohlrabe; lediglich ein Prozent sei unzufrieden. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft seien die Berater „sehr gut aufgestellt“. Der Abstand zur Stimmung in der Gesamtwirtschaft sei so groß wie seit fast 19 Jahren nicht mehr.

„Bei vielen der aktuellen Themen wird die Expertise der Wirtschaftsprüfer gebraucht“, bestätigte Melanie Sack, Vorstandssprecherin des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). Die Zunft sehe „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft. Die vier großen deutschen Prüfungs- und Beratungsunternehmen PwC, EY, KPMG und Deloitte verzeichneten zuletzt zweistellige Wachstumsraten beim Umsatz.

Die Umsätze der gesamten Beraterbranche entwickelten sich zuletzt sehr dynamisch. Im Jahresverlauf berichtete in der monatlichen Ifo-Erhebung oft mehr als jedes zweite befragte Unternehmen von Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr; von Umsatzrückgängen war hingegen kaum die Rede, zuletzt bei lediglich 8,5 Prozent der Beraterfirmen.

Zwischen Corona und Krieg

Der Ausblick auf die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr 2024 ist sehr gut. Rund die Hälfte der Unternehmen rechnet mit einem weiteren Anstieg – trotz des sehr guten Vorjahres. Mit einem Umsatzrückgang rechnet laut Ifo-Erhebung nahezu kein Unternehmen.

„Eines ist klar: Tagesgeschäft und vielfältige Zusatzthemen werden Steuerberater und Steuerberaterinnen sowie deren Mitarbeitende auch 2024 fordern“, sagte der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbands (DStV), Torsten Lüth. Dazu zählten weiterhin die Schlussabrechnungen der Corona-Wirtschaftshilfen mit all ihren „Zipperlein“ – und samt den unterschiedlichen Handhabungen in den einzelnen Bundesländern.

Die Wirtschaftsprüfer sind laut IDW-Vorständin Sack weiterhin mit den Auswirkungen „der beiden furchtbaren Kriege in der Ukraine und Nahost auf die Bilanzen“ beschäftigt. Die Auseinandersetzungen wirkten sich insbesondere auf Lieferketten und Exportkontrollen, Waren- und Kapitalbeschränkungen sowie Bewertungsrisiken aus.

Ein Teil der Umsatzsteigerungen speist sich indes aus Preiserhöhungen. Die Anzahl der Beraterfirmen, die die Preise erhöhen wollen oder können, war zuletzt zwar rückläufig. Gleichwohl berichtet gegenwärtig noch immer rund ein Drittel der vom Ifo-Institut befragten Unternehmen von entsprechenden Plänen. Zum Vergleich: In anderen Branchen sind teils schon wieder Preissenkungen zu beobachten. „Die skeptischen Stimmen für das erste Halbjahr 2024 sind klar in der Minderheit“, resümiert Ifo-Experte Wohlrabe.

KI als Potenzial für die Branche

Als Thema mit „einer Menge Potenzial“ sehen die Berater die Künstliche Intelligenz (KI). „Zum einen geht es darum, inwiefern die Wirtschaftsprüfer selbst KI-Systeme zur Prüfung einsetzen werden“, sagte IDW-Vorständin Sack. „Zum anderen werden wir den Einsatz von KI-Systemen in den Unternehmen prüfen.“ Dazu hat das IDW bereits einen ersten Prüfungsstandard entwickelt.

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Anwaltvereins (DAV), Sylvia Ruge, berichtet, die Mandanten würden mehr und mehr auf KI und digitale Tools setzen, auch um dadurch Kosten für externe Beratung zu reduzieren. Damit stiegen die Ansprüche an externe Berater, jenseits der Beratung pro abgerechneter Stunde rechtssichere smarte Produkte auf den Markt zu bringen.

„Aber auch für Kanzleien selbst nimmt das Thema KI an Relevanz zu, da der Markt an digitalen Anwendungen für Anwaltskanzleien immer größer wird“, erklärte Ruge.

Fachkräfte dringend gesucht

Größtes Problem der Branche bleibt der Fachkräftemangel, der sich im abgelaufenen Jahr noch verstärkt hat. Zuletzt berichteten laut Ifo drei von vier Beraterfirmen von derartigen Problemen. Immerhin ein Drittel der Berater plant, den Personalbestand aufzustocken; Entlassungen sind in der Branche hingegen kein Thema.

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DAV-Hauptgeschäftsführerin Ruge bestätigt: „Für die kleinen Einheiten steht das Thema Recruiting ganz oben.“ Dies gelte sowohl für die anwaltliche Nachwuchsgewinnung und Nachfolgeregelung in der Kanzlei als auch für Kanzleimitarbeitende. Es werde schwieriger, Kräfte zu finden.

„Fehlende Fachkräfte bremsen den Berufsstand aus“, sagt auch Steuerberaterpräsident Lüth. Aus diesem Grund beteiligt sich der DStV an einer Initiative, um das Image des Berufs zu verbessern und Kanzleien bei der Fachkräftegewinnung zu unterstützen. Die bundesweite Kampagne soll in der ersten Jahreshälfte 2024 starten.

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