Interview: Bundeswehr-Professor Masala: „Nur Putin kann Putin noch stoppen“
Destabilisierung des Westens als Ziel.
Foto: imago images/ZUMA WireBerlin. Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Carlo Masala werden härtere Sanktionen den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht zum Einlenken bewegen. Sanktionen seien von Russland bereits „eingepreist“ worden. „Und die seitens Russlands zu erwartenden Gewinne bei diesem Angriffskrieg übersteigen die zu erwartenden Kosten“, sagte der Professor an der Münchener Bundeswehr-Universität dem Handelsblatt. „Deshalb werden Sanktionen zu keiner Verhaltensänderung führen.“
Masala ist überzeugt: „Nur Putin kann Putin noch stoppen.“ Er besitze die „Eskalationsdominanz“ und könne somit entscheiden, wann er deeskaliere. „Von außen gibt es keinerlei Einflussmöglichkeiten“, sagte der Experte.
Kritisch sieht Masala Forderungen nach Waffenlieferungen für die Ukraine. „Jetzt ist es zu spät. Man muss ja auch die Soldaten, die solche Waffen bedienen sollen, daran ausbilden“, sagte er. Stattdessen sollte der Schwerpunkt seitens Deutschlands auf der Unterstützung der zivilen Katastrophenhilfe liegen, „um das unnötige Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung zu lindern“.
Dessen ungeachtet erwartet Masala eine Flüchtlingswelle aus der Ukraine. Dies sei Teil der hybriden Kriegsführung. „Putin will über Flüchtlingsströme die europäischen Gesellschaften destabilisieren“, sagte er.