Interview: Ex-Generalinspekteur Naumann: „Man muss aufhören, gebannt auf die Schlange Putin zu starren“
Der Kremlchef zeigt sich unbeeindruckt von westlichen Sanktionen.
Foto: IMAGO/ITAR-TASSBerlin. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, sieht einen russischen Übergriff auf Nato-Territorium als rote Linie, ab der die Militärallianz zum Handeln gezwungen würde: „Sollte Putin dort bombardieren oder Konvois angreifen, wird die Nato auf eine Antwort nicht verzichten können, wenn sie glaubwürdig bleiben will“, sagte der ehemalige Heeresgeneral und Vorsitzende des Nato-Militärausschusses im Interview mit dem Handelsblatt.
Natürlich müsse man sich bei einem Übergriff auf Nato-Territorium jeden Einzelfall genau ansehen. „Aber wir dürfen Putin auch nicht sagen, nur wenn du das und das tust, dann greifen wir ein.“ Und: „Man muss aufhören, gebannt auf die Schlange Putin zu starren.“
Die Nato müsse die Initiative zurückgewinnen und dem russischen Präsidenten die Gewissheit geben, dass er empfindlich getroffen werde, aber nicht sagen, wann, wo und wie. „Diese Ungewissheit in seinem Kalkül verhindert Krieg und erlaubt es, den Konflikt zu beenden“, sagte Naumann vor dem Nato-Gipfeltreffen an diesem Donnerstag.
Der politischen Führung in Deutschland warf der General a. D. vor, „unser Land schutzlos gemacht“ zu haben. Dass ein Brigadekommandeur heute 40 verschiedene Kontakte anrufen müsse, um sich überall das nötige Material für eine Übung auszuleihen, sei doch lächerlich: „Damit kann man nicht abschrecken“, betonte Naumann.