Interview: Pandemie-Pannen: „Wir sind ein Land, das kollektiv zahlenblind ist“
Gigerenzer ist Psychologe und Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz an der Universität Potsdam, sowie Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.
Foto: Georg MoritzBerlin. Wie sollen das RKI und die BZgA künftig ausgerichtet sein? Der Risikoforscher Gerd Gigerenzer hat eine klare Meinung: Wissenschaftler, die von der Bundesregierung bezahlt werden, müssen die Freiheit haben, Sachlagen offen benennen zu können, auch wenn es politisch nicht erwünscht ist. Den Deutschen wünscht Gigerenzer derweil mehr statistische Kompetenz.
Herr Gigerenzer, nach dem Rücktritt des RKI-Präsidenten Lothar Wieler stellt sich die Frage, wie das Robert Koch-Institut, eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums, neu ausgerichtet werden soll. Welche Tipps haben Sie für die Ampel?
Gebraucht wird eine Forschungsinstitution, die nach der besten Evidenz arbeitet und so weit wie möglich unabhängig ist von der Politik. Klar ist: Wenn diese Institution weiterhin eine dem BMG nachgeordnete Behörde ist, wird das nicht der Fall sein, denn dann ist sie politisch. Herr Wieler hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Politik in Krisen entscheiden soll und muss, aber sich bitte nicht in die Forschungsaktivitäten des RKI einmischen möge. Der Gesundheit unseres Landes täte eine Institution gut, die ohne Angst, etwas Falsches zu sagen, arbeiten kann.