Klimawandel: Feuer wie in Los Angeles? Was in Dürrezeiten auf Europa zukommt
Berlin. Es waren ähnlich apokalyptische Bilder wie in Los Angeles: verkohlte Baumstämme, niedergebrannte Häuser, rauchende Autowracks. Im Juli 2018 verwüstete ein Waldbrand den Athener Küstenvorort Mati.104 Menschen kamen ums Leben. Auch im vergangenen Jahr erreichte eine Feuerfront Vororte der griechischen Hauptstadt und trieb Tausende Menschen in die Flucht.
Beispiele wie diese könnten sich künftig verstärken. „Ein Hitzerekord nach dem anderen, die Folgen sind verheerend“, sagte Tobias Grimm, Chefklimatologe beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re, dem Handelsblatt. „Die zerstörerischen Kräfte, die der Klimawandel mit sich bringt, werden immer offensichtlicher.“ Diese Tatsache werde von der Wissenschaft untermauert.
Grimm verweist auf 2024. Kaum ein anderes Jahr habe die erwartbaren Folgen der Erderwärmung bisher so deutlich gemacht. „2024 übertraf die Durchschnittstemperatur des bisher wärmsten Jahres 2023 beträchtlich. Die Temperatur liegt erstmals um etwa 1,5 Grad Celsius über dem Durchschnitt der vorindustriellen Zeit.“ Die vergangenen elf Jahre seien die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen.
Der Klimawandel schaffe Bedingungen, die „erheblich zum erhöhten Risiko und zur Ausbreitung von Waldbränden beitragen“, sagte Grimm weiter. Es werde heißer und trockener.
„Diese Bedingungen nennt man Feuerwetter.“ Steigende Temperaturen und anhaltende Dürreperioden trockneten die Vegetation aus. Dadurch werde sie leicht entflammbar und besonders anfällig für Brände.
Das gilt vor allem auch für südeuropäische Regionen, in denen es ohnehin wenig regnet, sagt Grimm. Allerdings: Großflächige Waldbrandschäden, wie Kalifornien sie derzeit erlebe, „sind dennoch in Südeuropa weniger wahrscheinlich“. Die topografischen Bedingungen dort seien für Brände nicht so ideal wie in Kalifornien, wo mit den heftigen Santa-Ana-Winden ein warmer, trockener Fallwind die Feuer anfache. „Das kennen wir so aus Europa nicht.“
Gefahr von Waldbränden nimmt auch in Europa zu
Laut Kirsten Thonicke, Forscherin beim Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), ist Europa nach Asien „der sich am schnellsten erwärmende Kontinent“. Für den Mittelmeerraum als auch für andere Teile Europas erwartet sie „eine Zunahme von Bränden und Waldbrandflächen“.
Und doch sei die geografische Konstellation um Los Angeles nach Darstellung von Thonicke „besonders“. Im Hinterland liege die Wüste, Los Angeles selbst sei von Gebirgszügen umgeben, die mit leicht brennbarer Strauch- und Trockenwaldvegetation bewachsen ist. In dieser Größenordnung sei das nicht in Athen oder etwa der spanischen Hauptstadt Madrid zu finden.
Die Winde aus dem Landesinneren, die Santa-Ana-Winde, seien gegenwärtig ungewöhnlich stark und hätten die Feuer in der ausgetrockneten Vegetation im Gebirge um Los Angeles herum sehr schnell angefacht. Das gebirgige Gelände wirke „wie ein Schlot, die Flammen werden sehr schnell sehr stark“. Das erkläre, warum die Brände innerhalb von nur wenigen Stunden zu solcher Größe anwachsen konnten.
Die Feuer hätten dann die von viel Grün umgebenen Wohnviertel erreicht, „dies wurde zur Feuerfalle“, sagte Thonicke. Jedes brennende Haus liefere weiteres Brennmaterial, was die Energie der Flammen weiter anfache.
Auch Thonicke erinnert an das Feuer im griechischen Mati, „wo starke Winde aus für die Jahreszeit ungewöhnlicher Richtung eine Flammenfront schnell anfachten und hangabwärts Menschen in einem Ferienhausgebiet unter schattigen Bäumen in eine Feuerfalle trieben“.
Es sei nicht auszuschließen, „dass sich Faktoren wieder zu solchen unglücklichen Umständen kombinieren“. Mit zunehmender Hitze würden auch die Winde stärker und trockener werden. Daraus könnten sich Situationen entwickeln, die „das bisherige Erfahrungswissen übertreffen“.
Mehr Waldbrandschäden in Deutschland
Extreme Witterungsverhältnisse sorgen auch hierzulande für steigende Waldbrandgefahren und schon heute für Schäden in Milliardenhöhe. Im extrem trockenen Jahr 2018 wurden die meisten und umfassendsten Waldbrände seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1977 verzeichnet, so das Umweltbundesamt (UBA). Bundesweit gab es in jenem Jahr 1708 Waldbrände.
Die Schäden in der Forstwirtschaft, die durch Dürre – also nicht nur durch Waldbrände – jährlich entstanden sind, liegen nach UBA-Angaben in den Jahren 2020 bis 2023 zwischen 2,5 und knapp vier Milliarden Euro. „Investitionen zur Waldbrandverhütung und Waldbrandbekämpfung sind also gut angelegtes Geld“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner dem Handelsblatt.
Waldbrände zählen in vielen Regionen der Welt zu den ganz natürlichen Prozessen, erläutert die Umweltorganisation WWF, die derzeit an einer neuen Studie zu Ursachen und Folgen von Bränden arbeitet. Mitunter nähmen sie positiven Einfluss auf das betroffene Waldgebiet – zum Beispiel dann, wenn Zapfen erst nach der extremen Hitze eines Brandes ihre Samen freisetzen, aus denen neue Bäume entstehen.
Doch es gebe eine äußerst bedenkliche Kehrseite von Waldbränden: Immer dann, wenn Waldbrände zu heftig, am falschen Ort, zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt oder zu häufig auftreten, sei das ein sicheres Zeichen dafür, dass das Ökosystem durch menschliche Eingriffe aus den Fugen geraten ist.
Die Wechselwirkungen sind zudem enorm. So verändern meteorologische Bedingungen das Waldbrandgeschehen, erklärt PIK-Forscherin Thonicke: Rein statistisch betreffe ein fahrlässig gelegtes Feuer unter den heutigen extremeren Klimabedingungen mehr Fläche als vor 20 Jahren.