GKV: „Ich rechne damit, dass viele Kassen ihre Zusatzbeiträge anheben müssen“
Berlin. Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen ist prekär: Steigende Ausgaben sowie hohe Tarifabschlüsse und die Verpflichtung, Rücklagen wieder aufzufüllen, setzen sie unter Druck.
Um kurzfristig gegenzusteuern, hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ein Sparpaket mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Parallel dazu soll eine Expertenkommission bis zum Frühjahr 2026 Vorschläge für eine nachhaltige Finanzreform des Gesundheitssystems vorlegen.
Für Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse (TK), reichen die Sparmaßnahmen allerdings nicht aus. Im Gespräch mit dem Handelsblatt warnt der Vorstandsvorsitzende der größten deutschen Krankenkasse, dass die Beitragssätze im kommenden Jahr de facto steigen werden – trotz anderslautender Versprechen aus dem Ministerium. „Das Sparpaket ist zu klein, und ob es überhaupt vollständig greift, ist fraglich“, sagt Baas. Den Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent hält er für einen „Kommunikationskniff“.
Er wirft der Ministerin vor, die Lage der Kassen schönzureden, und warnt vor Denkfehlern, die gut wirtschaftende Kassen benachteiligen könnten. Baas sieht bei der Digitalisierung beispielsweise mit einer Digital-ID statt der elektronischen Gesundheitskarte die bessere Möglichkeit zur Kostensenkung. Außerdem kritisiert er die enge Verbindung von Politik und Pharmaindustrie, die Preisreformen seit Jahren blockiere.