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Lehrstellen Furcht vor „Corona-Generation“: Regierung will Ausbildung mit Prämien sichern

Betriebe, die trotz Krise ihr Ausbildungsengagement beibehalten oder steigern, sollen belohnt werden. Auch gegenseitige Hilfe wird gefördert.
17.06.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
In der Coronakrise sollen möglichst viele Lehrstellen erhalten bleiben. Dafür gibt es Boni – erst recht, wenn die Ausbildungsplätze noch ausgebaut werden. Quelle: dpa
Auszubildende an der Werbank

In der Coronakrise sollen möglichst viele Lehrstellen erhalten bleiben. Dafür gibt es Boni – erst recht, wenn die Ausbildungsplätze noch ausgebaut werden.

(Foto: dpa)

Berlin Die Erinnerung an die Finanz- und Euro-Krise ist noch frisch: Die wirtschaftlichen Folgen trafen die junge Generation mit voller Härte, in Griechenland, Spanien und Italien schnellte die Jugendarbeitslosigkeit in die Höhe. So etwas soll sich nicht wiederholen, jetzt, da angesichts der Viruspandemie eine beispiellose Rezession droht.
„Wir dürfen keine Coronageneration haben“, warnte SPD-Vizefraktionschefin Bärbel Bas, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Katja Mast am Dienstag die Arbeit einer Taskforce ihrer Partei zur Bewältigung der sozialen Folgen der Pandemie präsentierte.

Vor allem die Sorge, dass Schulabgänger keine Perspektive haben, weil Unternehmen wegen der Krise ihr Ausbildungsengagement zurückfahren, treibt die Große Koalition um. Union und SPD hatten deshalb in ihr Konjunkturpaket auch Hilfen für Ausbildungsbetriebe gepackt.

Auch wenn bis zuletzt über Details wie Förderhöhe und -mechanismus gerungen wurde, geht Bas davon aus, dass das Bundeskabinett an diesem Mittwoch die Eckpunkte beschließen wird, auf die sich das Arbeits-, das Bildungs- und das Wirtschaftsministerium verständigt hatten. Ein Zusatzwunsch des Bundesgesundheitsministeriums, der die schulische Ausbildung betraf, musste am Dienstag noch verhandelt werden.

„Wichtige Wertschätzung“

Den Plänen zufolge sollen Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten, die die Zahl ihrer Lehrstellen im Vergleich zu den Vorjahren konstant halten, eine Prämie von 2000 Euro für jeden neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag erhalten, wie Bas erläuterte. Betriebe, die die Zahl der Lehrstellen trotz Krise sogar aufstocken, bekommen für jeden Vertrag über das bisherige Niveau hinaus 3000 Euro.

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    Auch Unternehmen, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen, können diese Summe erhalten. Unterstützt werden darüber hinaus Firmen, die Lehrlinge nicht in Kurzarbeit schicken oder im Auftrag anderer Betriebe ausbilden.

    Für die Unternehmen kann das durchaus ein Anreiz sein. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hatte im Herbst 2019 in der Debatte über den „Azubi-Mindestlohn“ die Kosten für eine dreijährige Ausbildung mit durchschnittlich 16.500 Euro beziffert.

    ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer begrüßte die Pläne, für die sich das Handwerk starkgemacht hatte: „Die Ausbildungsprämie ist eine wichtige Wertschätzung genau der Betriebe, die sich weiter in der Ausbildung engagieren“, sagte er dem Handelsblatt. „Denn Ausbildungsbetriebe leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung, sondern übernehmen auch einen gesellschaftlichen Bildungsauftrag.“

    Die geplante Prämie sei zudem ein Motivationssignal. Denn, weiter auf Ausbildung zu setzen sei dringend geboten, wenn man sich die aktuellen Ausbildungsmarktzahlen ansehe. „Die sind nicht so, wie wir es aus den Vorjahren gewohnt sind.“

    Weniger offene Lehrstellen

    So wurden zwischen Januar und Mai in die Lehrlingsrollen der Handwerkskammern 41.160 Ausbildungsverträge neu eingetragen – 18,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Rezessionsjahr 2009 war bis Mai nur ein Rückgang von 10,4 Prozent zu verzeichnen. Wollseifer führt das starke Minus aber auch darauf zurück, dass keine Ausbildungsmessen, Tage der offenen Tür oder Praktika mehr stattgefunden haben.

    Bei den Handwerkskammern sind gut 32.312 offene Lehrstellen registriert, knapp elf Prozent weniger als im Vorjahr. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurden von Oktober 2019 bis Mai 2020 knapp 466.000 Ausbildungsplätze gemeldet – 46.500 weniger als im Vorjahr. Davon gehen nach Einschätzung der Nürnberger Behörde etwa 17.000 Plätze auf den „Corona-Effekt“ zurück.

    Nicht nur das Handwerk, auch der Chemie-Arbeitgeberverband BAVC mahnt die Betriebe, in ihrem Ausbildungsengagement nicht nachzulassen – aus „wohlverstandenem Eigeninteresse“. BAVC-Präsident Kai Beckmann ist aber Realist genug zu wissen, dass es angesichts der Coronakrise nicht für jeden Auszubildenden auch eine Übernahmegarantie geben wird.

    In einem Positionspapier macht sich der Verband aber auch dafür stark, die richtigen Lehren aus der Coronakrise zu ziehen, um die Ausbildung insgesamt zu stärken. So müsse das „Digitalisierungsmomentum“ genutzt werden, um selbstorganisiertes Lernen und Arbeiten sowie Formate virtueller Zusammenarbeit weiter zu fördern“.

    Der BAVC fordert jedoch auch, dass die Erklärung der Allianz für Aus- und Weiterbildung vom 26. Mai mit Leben gefüllt wird. So müssten die Berufsschulen angemessen an den zusätzlich im Digitalpakt bereitgestellten 500 Millionen Euro beteiligt werden, denn die Beschaffung von Endgeräten sowie die Erstellung von digitalen Inhalten seien auch für Berufsschulen essenziell.

    Mehr: Arbeitgeberpräsident fordert Betriebe zum Festhalten an Ausbildungen auf.

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