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Medienbericht Bund will angeblich bald Anteil an Netzbetreiber Tennet kaufen

Tennet sucht einen neuen Gesellschafter und der Bund will mehr Kontrolle über die deutschen Stromnetze. Deren Ausbau hinkt wegen Planänderungen und Corona hinterher.
08.05.2020 Update: 08.05.2020 - 17:58 Uhr 1 Kommentar
Der niederländische Staat als Haupteigner von Tennet lehnt es ab, die milliardenschweren Investitionen zu finanzieren, die auf der deutschen Seite des Netzes nötig wären. Quelle: dpa
Netzbetreiber

Der niederländische Staat als Haupteigner von Tennet lehnt es ab, die milliardenschweren Investitionen zu finanzieren, die auf der deutschen Seite des Netzes nötig wären.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Bundesregierung will sich einem Medienbericht zufolge schon bald am Netzbetreiber Tennet beteiligen. Geplant ist, dass der Bund im deutschen Sektor der niederländischen Gesellschaft einsteigt, wie das Magazin „Der Spiegel“ berichtet. Offen ist, wie groß der Anteil werden soll. Während Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) auf eine Mehrheit dränge, favorisierten Beamte des CDU-geführten Wirtschaftsministeriums eine Beteiligung unter 50 Prozent.

Der niederländische Staat als Haupteigner von Tennet lehnt es ab, die milliardenschweren Investitionen zu finanzieren, die auf der deutschen Seite des Netzes nötig wären. Laut dem Magazin gehe es um mindestens 35 Milliarden Euro bis 2028.

Die Bundesregierung wies den Bericht allerdings als Spekulation zurück. „Weder das ob noch das wie eines etwaigen Anteilserwerbs des Bundes an Tennet ist entschieden“, erklärte das Wirtschaftsministerium. Vielmehr gebe es aktuell einen Austausch zwischen der Bundesregierung und der niederländischen Regierung über Fragen der Zusammenarbeit beider Länder im Bereich Stromnetze. „Wie und in welcher Form eine solche Zusammenarbeit ausgestaltet werden kann, ist aktuell nicht entschieden. Wir beteiligen uns daher nicht an Spekulationen.“

Tennet sucht seit Monaten einen neuen Gesellschafter, die Bundesregierung wiederum strebt nach mehr Kontrolle über die deutschen Stromnetze. Sollte sie den Zuschlag erhalten, wäre das die zweite Beteiligung an einem Übertragungsnetzbetreiber.

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    2018 hatte der Bund 20 Prozent am Unternehmen 50Hertz gekauft, um den Einstieg eines chinesischen Investors zu vereiteln. Tennet hatte Teile des Netzes 2010 für rund 885 Millionen Euro von Eon übernommen.

    2018 führte das Unternehmen rund 120 Millionen Euro Dividende ab. Ein Großteil stammte aus deutschem Geschäft. Auch die Opposition signalisiert daher Zustimmung: Eine Beteiligung an Tennet sei gut investiertes Geld und sollte so hoch wie möglich ausfallen, sagt Grünen-Energieexperte Oliver Krischer.

    Verzögern könnte sich durch die Coronakrise auch der weitere Ausbau der Stromnetze, der wegen Planänderungen ohnehin bereits teilweise hinter dem ursprünglichen Zeitplan hängt. In den laufenden Genehmigungsverfahren könnten Anhörungen und Erörterungstermine gegenwärtig nicht stattfinden, sagte Tim Meyerjürgens, Vorstand von Tennet. Die Beteiligten seien auf der Suche nach Ersatzlösungen. Gegenwärtig sind 7600 Kilometer neue Sromtrassen geplant. Davon sind rund 2000 Kilometer fertiggestellt oder im Bau.

    Der Stillstand in vielen Industriebtrieben wegen Corona habe bislang den Stromverbrauch im Netzgebiet von Tennet nur wenig gedämpft. „Die großen Verbraucher sind die Chemie- und Stahlwerke und die sind weiter am Netz“, sagte Meyerjürgens. Für die sichere Regelung des Netzbetriebs sei das unproblematisch. Hier komme es eher auf die Treffsicherheit der Prognosen für das Angebot der Stromerzeuger an. Das hänge wegen des hohen Anteils von Wind- und Solarenergie stark von der Witterung ab. Für den Netzbetrieb habe sich insofern nichts geändert.

    Mehr: Die Bundesregierung hat keine Eile beim Verkauf ihres Anteils am Stromnetzbetreibers 50Hertz. Auch andere Beteiligungen hält sie für „nicht ausgeschlossen“.

    • cls
    • dpa
    • rtr
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    1 Kommentar zu "Medienbericht: Bund will angeblich bald Anteil an Netzbetreiber Tennet kaufen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Vielleicht wäre es ja keine schlechte Idee, die Grundversorgung in D grundsätzlich wieder in die öffentlichen Hände zurück zu überführen (wo sie hingehört).

      Dass es "die Privaten" besser können, ist ein immer wieder kolportierter, aber deswegen kaum klügerer und richtiger Einwurf.

      Besser können sie vielleicht Geld verdienen. Aber sobald es etwas kostet, sind die Künstler vom Acker.
      Siehe Telekommunikation: Die unattraktiven ländlichen Gebiete werden außen vor gelassen - und der Staat oder die Kunden selbst dürfen dann die Flächenversorgung selber leisten (also bezahlen oder anderweitig zukaufen). Die einfache Ballungsraumversorgung mit ordentlich Gewinnpotential und geringen Investitionen wird hingegen gern erledigt.
      Dass solche Konzepte überhaupt Fuß fassen konnten, war schon himmelschreiend genug (man hätte ja auch mal den Verstand einschalten können, anstatt nur einer Ideologie hinterherzulaufen!).

      Und wenn man denn mal endlich aus Schaden klug werden würde.....

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