Migration: „Weniger Zuwanderung nach Europa wird es nicht geben“
Düsseldorf. Nur weil der größte anzunehmende Unfall nicht eingetreten ist, gibt es kaum Grund zur Entwarnung. Der rechtsextreme Rassemblement National in Frankreich hat die Parlamentswahlen nicht gewonnen, dennoch aber in großem Stil Stimmen hinzugewonnen. Auch in den anderen großen EU-Staaten erreichen rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien immer neue Höchstwerte.
Und nichts triggert ausweislich Umfragen deren Wählerinnen und Wähler so wie die Migrationspolitik.
In Deutschland war das Thema für die Mehrheit ausschlaggebend für die Europawahlentscheidung. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat diese Woche auf die Frage nach den Prioritäten der CDU im Wahlkampf geantwortet: „Migration, Migration, Migration.“
Dieser politische Aktionismus steht in einem seltsamen Verhältnis zur Wirklichkeit: Zum einen passiert migrationspolitisch wenig, was reale Auswirkungen hätte. Und zum anderen sorgt dieser Daueralarm dafür, dass die zweite Facette des Themas gar nicht mehr diskutiert wird: Deutschland braucht Zuwanderung, wenn es nicht massiv schrumpfen will. Kaum einer kennt sich in diesem Zwiespalt so aus, wie Ruud Koopmans. Die einen halten ihn für zu rechts, die anderen für zu unbequem.
Vermutlich ist der gebürtige Niederländer und Professor am Wissenschaftszentrum Berlin genau der richtige Gesprächspartner. Was sich im Verlauf des Gesprächs auch daran zeigen wird, dass er für das linke wie das rechte Lager dieser Debatte gleichermaßen unbequeme Botschaften formuliert.