Ministerpräsident von Baden-Württemberg im Interview: Winfried Kretschmann: „Das Gerede von der Deindustrialisierung ist übertrieben“
Der Grünen-Politiker ist der einzige Ministerpräsident seiner Partei. Insgesamt regieren die Grünen in zwölf Bundesländern mit.
Foto: Photothek/Getty ImagesBerlin. Winfried Kretschmann, 74, ist seit Mai 2011 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Im Mai 2021 wurde der Grünen-Politiker zum dritten Mal als Regierungschef wiedergewählt. Er regiert zusammen mit der CDU. In Studentenzeiten galt er als linksradikal, heute ist er wirtschaftsaffiner, konservativer Vorzeigepolitiker der Grünen.
Herr Kretschmann, in Ihrem Bundesland sitzen mit Autoherstellern wie Daimler, Porsche und zahlreichen Zulieferern Unternehmen mit einem hohen Energiebedarf. Wegen hoher Strompreise gibt es bereits Warnungen vor einer Deindustrialisierung. Teilen Sie die Sorge?
Das Gerede von der Deindustrialisierung ist völlig übertrieben. Es kann zu Verlagerungen von einzelnen Sparten oder Betrieben ins Ausland kommen, aber unsere Aufgabe ist es, die Transformation so zu gestalten, dass wir den Strukturwandel ohne Strukturbruch hinbekommen auch unter den erschwerten Bedingungen der aktuell hohen Energiepreise.
Müssten dafür die Kernkraftwerke nicht länger als April 2023 laufen, was Ihre Partei aber ausschließt?
Mehr als der Streckbetrieb wird da nicht kommen. Es macht keinen Sinn, Beschlüsse permanent infrage zu stellen. Entscheidend ist, dass wir unsere Energieversorgung so schnell wie möglich auf sauberen und perspektivisch auch günstigeren Strom umstellen. Darauf konzentriere ich mich.