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Pandemie RKI empfiehlt regional differenzierte Lockerung der Corona-Maßnahmen

RKI-Chef Lothar Wieler plädiert dafür, die Corona-Maßnahmen in Deutschland je nach Ort unterschiedlich zu lockern. Entscheidend sei das Infektionsgeschehen.
05.05.2020 - 12:50 Uhr 2 Kommentare

RKI: „Die Zahl der übermittelten Infektionsfälle sinkt weiter“

Berlin An diesem Mittwoch treffen sich die Länderchefs mit der Bundeskanzlerin, um über weitere Lockerungen zu entscheiden. Der zentrale Satz des obersten deutschen Seuchenbekämpfers dazu lautet: „Die Entscheidungen über Lockerungen müssen von den Playern vor Ort lokal getroffen werden.“

Damit stützt der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, all die Politiker, die sich nicht mehr an eine zentrale nationale Linie halten wollen.

Wieler untermauert dies mit dem Hinweis auf die nach wie vor enormen Unterschiede im Infektionsgeschehen: So gibt es deutschlandweit aktuell knapp 200 Infizierte pro 100.000 Einwohner. In Bayern sind es jedoch 333 – in Mecklenburg-Vorpommern nur 44. 

Für die Entscheidung in den Regionen empfiehlt Wieler aber ein ganzes Bündel von Parametern: Neben der Gesamtzahl der Fälle sei vor allem die Dynamik und die regionale Ansteckungsrate entscheidend, also der sogenannte R-Faktor. Daneben müsse einbezogen werden, wie schwer die Menschen im Schnitt erkrankten. Entscheidend sei darüber hinaus die Kapazität der regionalen Intensivabteilungen der Krankenhäuser, der Tests und vor allem die Auslastung der Gesundheitsämter, die die Infektionsketten nachvollziehen müssen. 

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    Es könne einen großen Unterschied machen, ob die gleiche Zahl an Neuinfizierten in einem Kreis vor allem in einem einzelnen Alten- oder Pflegeheim auftrete, oder sich aus vielen Quellen zusammensetze, die zudem schwer zu identifizieren sind, erläuterte Wieler.  Im ersten Fall sei das gut zu bekämpfen, im zweiten weitaus schwieriger. Deshalb seien auch klare Grenzwerte nicht sinnvoll, sie würden die Entscheider womöglich „in falscher Sicherheit wiegen“. Diese müssten bei den Lockerungen der Kontaktbeschränkungen alle Faktoren im Blick haben. 

    „Zweite Welle“ gilt als wahrscheinlich

    Wieler betonte erneut, dass Deutschland die Pandemie bisher sehr gut in den Griff bekommen habe. Dem RKI wurden in den vergangenen Tagen nur rund 700 bis 1600 neue Coronavirus-Fälle pro Tag gemeldet, „die Zahl sinkt weiter, das ist eine sehr gute Nachricht“. Die Ansteckungsrate werde derzeit auf 0,71 geschätzt. Die Zahl lag bereits in den vergangenen Tagen zwischen 0,7 und 0,8.

    Allerdings sei die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle weiterhin hoch, sie liege zwischen 40 und 200. Und der Anteil der Verstorbenen unter den bestätigten Fällen sei in den vergangenen Wochen kontinuierlich gestiegen und liege nun bei 4,2 Prozent.

    Zudem halte die Mehrheit der Virologen „eine zweite Welle für sehr wahrscheinlich“. Einige erwarteten sogar eine dritte Welle. Deshalb komme auch die geplante App zur Verfolgung der Kontakte von Infizierten, die schon Anfang Mai vorliegen sollte, keinesfalls zu spät. Auch in einer zweiten Welle könne diese von größtem Nutzen sein, so Wieler.

    Keine Entscheidungshilfe liefert das RKI für die Frage, ob und in welchem Umfang Schulen und Kitas wieder geöffnet werden können. Die bisher vorliegenden Studien, etwa aus Schweden, deuteten zwar an, dass Kinder eine geringere Rolle bei der Verbreitung spielten. Alle Studien seien aber „sehr schnell gemacht“ worden, hätten „Designschwächen“ und gäben daher noch „keine eindeutige Antwort“ auf die Frage, welche Rolle Kinder in der Pandemie spielen. Klar sei nur, dass Ältere besser in der Lage seien, sich disziplinierter zu verhalten.

    Mehr: Was der Corona-Schock für den Arbeitsmarkt bedeutet

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    2 Kommentare zu "Pandemie: RKI empfiehlt regional differenzierte Lockerung der Corona-Maßnahmen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Zitat aus dem Artikel:..Zudem halte die Mehrheit der Virologen „eine zweite Welle für sehr wahrscheinlich“. ..

      Wäre doch wünschenswert, wenn der Prof. Wieler hier mal einige Virologen aufzählt, die dies für wahrscheinlich halten.
      Wenn man von einer Mehrheit spricht, sollte man auch mal auf die Gegenseite schauen, die eben die zweite oder dritte Welle für nicht wahrscheinlich halten.
      Da gibt es nämlich auch eine ganze Menge Wissenschaftler (Epidemiologen, Virologen,...) aus der ganzen Welt (u.a. Prof. J. Ioannidis).

      Aber die Gegenseite hat vermutlich weniger Ahnung oder die Reputation wird in Frage gestellt.



    • Es ist wirklich erstaunlich wie sehr in westlichen Ländern dem Staat in Sachen Daten misstraut wird. Da kommen Facebook & Co. viel besser weg - ziemlich erstaunlich! Im Namen des Datenschutzes nehmen ganze Volkswirtschaften implizit Milliardenschäden in Kauf. Innerhalb weniger Wochen könnten Schulen überall in Europa den Präsenzunterricht im 'vollen Umfang' trotz Corona wieder aufnehmen. Eine der zwingenden Voraussetzung (neben verschärfter Hygiene) wäre eine verpflichtende Tracking App mit folgenden Features:
      1. GPS Tracking aller Bewegungen (präventive Vermeidung der räumlichen Nähe zu bekannten infizierten Personen)
      2. Eine Bluetooth Aufzeichnung und Tracking aller Kontakte (Prävention in geschlossenen Räumen und Rückverfolgung im Infektionsfall)
      3. Bei allen Einrichtungen (Schulen, Unternehmen, usw. . .) App-Einlasskontrollen mit verpflichtender Temperaturmessung und berührungslose Übertragung des Messwertes in die App (z.B. über Auslesen eines QR Code in App)
      Mit einem vergleichbar einfachen Auswertealgorithmus können anhand der täglichen Temperaturentwicklung potentiell asymptomatische Infektionen aktiv geprüft werden.

      Zusammenfassend heißt dies, die App würde selbst in Innenräumen oder im ÖPNV einem mitteilen, worum man besser einem größeren Bogen macht und mit den erfassten Temperaturkurven würden potentiell entstehende Infektionsherde selbst bei fehlenden Symptomen früh identifiziert werden. Dem Datenschutz Rechnung tragend müssten ALLE erfasste persönliche Daten nach einer gesetzlich festgelegten Zeit gelöscht werden. Bloß man müsste zuvor die Bereitschaft aufbringen, dem Staat diese sicher sensiblen Daten per App anzuvertrauen. Ist dieser Preis für eine Wiederaufnahme des normalen Schulunterrichts wirklich zu hoch?

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