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Reiserückkehrer Ökonomen plädieren für massenhafte Corona-Tests

Die Infektionszahlen steigen in Europa wieder – trotzdem werden die Test-Kapazitäten nicht ausgenutzt. Nun fordert die Wirtschaft mehr Sicherheit.
26.07.2020 - 17:17 Uhr Kommentieren
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden aktuell pro Woche rund 500.000 Tests durchgeführt. Quelle: dpa
Coronatest

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden aktuell pro Woche rund 500.000 Tests durchgeführt.

(Foto: dpa)

Berlin Reiserückkehrer sorgen für neue Infektionen in Europa – Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer wähnt Deutschland schon in der zweiten Welle. Im oberösterreichischen Touristenort St. Wolfgang gab es einen großen Ausbruch von zunächst 44 Fällen.

Die Behörden reagierten mit Hunderten von Tests. Die britische Regierung hatte am Samstagabend kurzfristig eine zweiwöchige Quarantäne für alle Spanien-Rückkehrer angeordnet. Daraufhin strich der Touristikkonzern Tui für zwei Wochen alle Reisen auf das spanische Festland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Freitag einen neuen weltweiten Höchststand der Neuinfektionen gemeldet.
All das beflügelt auch unter Ökonomen und in der Wirtschaft die Debatte um eine schnelle Ausweitung der Coronatests. Massenhaft ungenutzte Kapazitäten sind durchaus vorhanden: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden aktuell pro Woche rund 500.000 Tests durchgeführt. Möglich wären hingegen inzwischen 1,2 Millionen.

Ökonomen haben sich bereits zu einer Initiative zusammengeschlossen: Im Internet fordern sie unter „testheworld.org“ weltweit so viele Tests wie möglich. Der Mitinitiator und Wiener Ökonomieprofessor Martin Kocher führt drei Gründe für Massentests an: Sie seien nicht nur nötig, um Infektionsketten zu unterbrechen, sondern auch, „um den Leuten mehr Sicherheit zu geben, sodass sie wissen, dass die Leute, die sie treffen, auch gesund sind“. Daneben brauche die Wissenschaft Massentests, um das Virus immer besser zu verstehen und somit bekämpfen zu können.

Der Züricher Ökonom Gerhard Fehr fordert: „Wir müssen wissen, wie groß die wahre Infektionsrate und die wahre Immunitätsrate sind.“ Das wäre etwa für die Schweiz relativ günstig zu haben, nötig wären dort nur 5000 wöchentliche Tests, die sogar eine regionale Differenzierung erlauben würden.

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    Die deutsche Fußball-Bundesliga habe als „perfektes Feldexperiment gezeigt, wie mit regelmäßigen Tests die Pandemie kontrollierbar wird und einen gesunden, normalen Spielbetrieb ermöglicht“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Enttäuscht zeigte sich der Ökonom über die „flache Lernkurve“ der Politik. „Ein Tag Lockdown kostet uns mehr als ein Jahr lang regelmäßiges Testen der Bevölkerung.“

    Wirtschaft will mehr Sicherheit

    Der Ruf nach mehr Sicherheit wird auch in der Wirtschaft lauter: „Die Wirtschaft hat gezeigt, dass sie durch einen sorgfältigen Umgang mit den Gefahren des Coronavirus und klugen Regeln zum Gesundheitsschutz ihren Teil beitragen kann“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). „Wichtig ist es nun, mehr Sicherheit im Umgang mit den Gesundheitsrisiken zu erlangen.“ Um den Neustart der Wirtschaft zu verstetigen, „ist die international orientierte deutsche Wirtschaft auf Verbindungen in alle Welt angewiesen“.

    „Großflächige Tests sind der Schlüssel, um Infektionsketten schnell zu unterbrechen und eine zweite Coronawelle zu verhindern“, sagte Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die vorhandenen Kapazitäten müssten dringend effizienter genutzt und „auch dezentral in Betrieben weiter ausgebaut“ werden. Plöger forderte Bund, Länder und Kommunen auf, zügig die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für flächendeckende Tests zu schaffen, auch mithilfe mobiler Teststationen in Unternehmen.

    Die Gesundheitsminister hatten am Freitag beschlossen, dass sich Urlaubsrückkehrer umsonst testen lassen können – unabhängig davon, ob sie aus einem Risikogebiet kommen oder nicht. Für Reisende aus Risikogebieten soll es Teststellen an Flughäfen und Seehäfen geben. Können sie kein negatives Testergebnis vorweisen, müssen sie wie bisher für zwei Wochen in häusliche Quarantäne.

    Eine Testpflicht gibt es vorerst allerdings nicht. Die Gesundheitsminister wollen aber auch dafür nach grenzüberschreitenden Reisen „grundsätzlich die Möglichkeit“ schaffen und „prüfen“, ob sie eingeführt werden soll oder muss.

    An Bahnhöfen, Busbahnhöfen, Häfen und Flughäfen soll mit mehrsprachigen Flugblättern für Tests geworben werden. Die Zahl der Infektionen war Ende der Woche wieder auf mehr als 800 gestiegen. Am Sonntag waren es noch 305; das kann jedoch mit der Meldeverzögerung zusammenhängen.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum die Sorglosigkeit der Deutschen einen zweiten Lockdown provozieren könnte.

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