Russland und Deutschland: „So ein Straßenschläger-Typ wie Putin riecht Angst“
Berlin. Wer versuchen möchte, ein wenig Orientierung angesichts einer zunehmend chaotisch anmutenden Weltlage zu erlangen, der sollte mit Herfried Münkler sprechen. Kaum ein anderer Wissenschaftler hat sich so mit der Frage beschäftigt, wie eine Weltordnung beschaffen sein muss, damit sie zumindest ein gewisses Maß an Stabilität gewährleistet.
Münkler neigt dabei dazu, seine Analysen in Klartext vorzutragen. Wo andere bis zur Unkenntlichkeit relativieren, sieht der Berliner Politologe die Dinge sehr klar - und spricht es auch so aus. Das wirkt an keiner Stelle im Gespräch undifferenziert und hilft so, die komplexe Weltenlage zu begreifen.
Europa sieht Münkler wegen des russischen Imperialismus völlig überfordert. Symptom dieser Überforderung: Der offene Streit zwischen Frankreich und Deutschland und die Zögerlichkeit bei den Waffenlieferungen für die Ukraine. „Wir Europäer haben den Ukrainern eine Hand auf den Rücken gebunden,“ klagt Münkler. Die jüngste Spitzelattacke auf die Bundeswehr zeige zudem, dass Wladimir Putin „Deutschland als Schwachpunkt ausgemacht hat“. Er nennt aber auch Punkte, wie die Welt das Chaos hinter sich und zu einer neuen Ordnung kommen könnte.