Soziale Marktwirtschaft: Reiche fordert „Agenda 2030“
Berlin. Wie ein Mahnmal steht die Büste die gesamte Zeit über in der Mitte der Bühne im historischen Berliner Telegrafenamt. Grimmig blickt das Konterfei von Ludwig Erhard durch den Saal, so wirkt es zumindest, wenn man nicht unmittelbar davorsteht.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich fest vorgenommen: Sie will den Geist Erhards wieder positiv stimmen. Die Büste soll jetzt wieder einen Platz im Ministerium finden, nachdem dessen inzwischen verstorbener Leihgeber sie 2023 aus Protest gegen Reiches Vorgänger Robert Habeck (Grüne) hatte entfernen lassen.
Zu diesem Anlass hatte Reiche am Montag zum ersten wirtschaftspolitischen Symposium ihres Ministeriums mit dem Titel „Soziale Marktwirtschaft in Zeiten des Umbruchs“ eingeladen und groß aufgefahren.
Da waren die Gäste: mit den Princeton-Professoren Harold James und Markus Brunnermeier zwei der derzeit größten Namen der deutschsprachigen Ökonomie sowie ihrem Beraterkreis um Veronika Grimm, Justus Haucap, Stefan Kolev und Volker Wieland vier der nahezu liberalsten Stimmen der deutschen Ökonomie.
Dann war da Reiches etwa 45-minütige Grundsatzrede. In dieser sparte die Ministerin nicht mit Ansagen, wie sie sich eine neue Ordnungspolitik im Sinne Erhards vorstellt. „Eine dauerhafte Rückkehr in die Spitzengruppe erfordert ein umfassendes Fitnessprogramm – eine Agenda 2030“, sagte sie. Eine Agenda 2030, das war eine Ansage mit Blick auf die Erwartungshaltung.