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Streitgespräch„Ich frage mich, ob Sie eine Vorstellung haben, was Massenmigration mit der Bevölkerung macht“

Der CDU-Politiker Jens Spahn und Moritz Schularick, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, diskutieren über Fluch und Segen der Migration – fürs Land und die Wirtschaft.Daniel Delhaes, Julian Olk 04.01.2024 - 10:21 Uhr

Berlin. 2023 zog es so viele Menschen nach Deutschland wie zuletzt während der Migrationskrise 2015/16, mehr als 300.000 stellten einen Antrag auf Asyl. Als Jens Spahn (CDU) im Oktober forderte, illegal Einreisende an den Grenzen zurückzuweisen, war der Wirbel groß. Der ehemalige Bundesgesundheitsminister beschäftigt sich schon lange mit dem Thema, hatte 2015 bereits ein Buch dazu mit dem Titel „Ins Offene“ veröffentlicht und schrieb darin von einer „Bewährungsprobe" fürs Land, deren Ausgang sich erst in zehn bis 20 Jahren zeigen werde.

Grund genug, sich dem Thema acht Jahre später zu stellen – in einer Zeit, in der Deutschland wieder Grenzkontrollen zu Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz eingeführt hat, gleichzeitig aber auf den Weg in einen nie dagewesenen Arbeitskräftemangel ist. Der 43-Jährige CDU-Politiker verabredete sich dazu mit Moritz Schularick. Der Volkswirt und Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel sieht als Wirtschaftsliberaler vor allem das Potenzial, wenn Menschen zuwandern. Entsprechend kontrovers verlief das Gespräch – und endete doch versöhnlich.

Lesen Sie hier das vollständige Streitgespräch zwischen Jens Spahn und Moritz Schularick:

Herr Schularick, inwieweit kann uns Zuwanderung gegen den grassierenden Arbeitskräftemangel helfen?

Schularick: Wenn wir unser Arbeitskräfteangebot nicht steigern, wird das deutsche Wirtschaftswachstum erheblich fallen. Das Potenzial liegt dann deutlich unter einem Prozent pro Jahr. Zuwanderung kann uns helfen, das Wachstum wieder auf ein bis zwei Prozent zu bringen. Dafür brauchen wir bis zu 400.000 Personen Netto-Zuwanderung pro Jahr. In den vergangenen beiden Jahrzehnten waren es im Durchschnitt schon etwa gut 300.000. Es ist also nichts, was wir nicht leisten könnten. Es bräuchte aber eine andere Politik dafür.

Herr Spahn, sind Sie bereit zu einer anderen Politik?

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