Technologie: Wirtschaftskrieg des 21. Jahrhunderts: Wie China den deutschen DIN-Standard verdrängt
In vielen Bereichen, auch dem Bahnverkehr, setzt China eigene Standards und exportiert sie in die ganze Welt.
Foto: dpaBerlin, Brüssel. Was im Jahr 1999 in Bonn geschah, liest sich wie ein Agententhriller. Der Bundesbeamte Ulrich Sandl war mit einer sensiblen Angelegenheit betraut, als er aus dem Fenster seiner Wohnung stürzte. Er kam fast ums Leben, lag mehrere Tage im Koma. Ein Mordversuch? Das ist bis heute ungeklärt.
Zur Zeit des mysteriösen Unglücks stemmte sich Sandl gegen Pläne der US-Regierung: Präsident Bill Clinton wollte einen Verschlüsselungsstandard für das noch junge Internet durchsetzen, der besondere Zugänge für amerikanische Sicherheitsbehörden reserviert hätte.
Sandls Minister, Günter Rexrodt von der FDP, bezichtigte die USA offen, „Wirtschaftsspionage“ betreiben zu wollen. Auch wenn am Ende ein Kompromiss stand: Sandl weiß seither, wie hart Staaten um die Vormacht in der Welt der Standards und Patente kämpfen.
Der unscheinbar wirkende Mann war viele Jahre Referatsleiter im Wirtschaftsministerium. Seit ein paar Monaten ist er im Ruhestand und nutzt die neu gewonnene Freiheit, um Klartext zu sprechen: Die Standardisierungswelt sei mit der Digitalisierung „aus den Fugen geraten“, warnt Sandl. Leider werde in der deutschen Wirtschaft und Politik nicht verstanden, „was es braucht, um auf diesem Schlachtfeld heute erfolgreich zu sein“.