Total und EnBW: Energiekonzerne zahlen Milliarden für Offshore-Wind-Lizenzen
Berlin. Der Mineralölkonzern Total Energies und der Energiekonzern EnBW haben sich bei der jüngsten Auktion von Offshore-Windpark-Flächen durchgesetzt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur vom Freitag zahlten sie insgesamt 3,02 Milliarden Euro.
Gegenstand der Ausschreibungen waren zwei Flächen mit einem Ausschreibungsvolumen von insgesamt 2,5 Gigawatt (GW). Die beiden Flächen für Offshore-Windparks mit einer Leistung von 1,5 Gigawatt und einem Gigawatt liegen in der Nordsee etwa 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland. Die Inbetriebnahme der Windparks ist für das Jahr 2031 vorgesehen.
Total Energies hatte zunächst gemeinsam mit dem Essener RWE-Konzern geboten. RWE teilte aber am Freitag unmittelbar nach Bekanntgabe der Auktionsergebnisse mit, man werde das gemeinsame Bieterkonsortium kurzfristig verlassen, Total Energies werde das Projekt allein realisieren. Die Gebotshöhen seien „nicht mit unseren Kriterien für wirtschaftliche Investitionen vereinbar“, hieß es bei RWE.
Das Auktionsdesign ist seit langem in der Kritik. Teile der Windenergiebranche fordern eine Obergrenze für die Gebote. Eine solche Grenze gibt es aktuell nicht. Das führt dazu, dass sich insbesondere die sehr kapitalkräftigen Mineralölunternehmen in den Auktionen durchsetzen.
Die Erlöse aus den Ausschreibungen fließen primär in die Senkung der Stromkosten und zu einem kleinen Teil in den Meeresnaturschutz und die Förderung der umweltschonenden Fischerei.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, sagte, die Ergebnisse zeigten die Attraktivität von Investitionen in Offshore-Windenergie in Deutschland. „Sie sind ein weiterer wichtiger Schritt zur Erreichung der Offshore-Ausbauziele.“
Der rasche Ausbau der Windkraft in der Nord- und Ostsee soll entscheidenden Anteil am Gelingen der Energiewende haben, die Ampelkoalition setzt große Hoffnung in die Stromerzeugung auf dem Meer.
Ergebnis bleibt hinter der Auktion des vergangenen Jahres zurück
Nach den Plänen der Ampelkoalition sollen sich 2030 Windräder mit einer installierten Leistung von 30 Gigawatt (GW) drehen. Dabei wird der mit Abstand größere Teil der Parks in der Nordsee stehen. 2035 sollen es mindestens 40 GW und bis 2045 sogar 70 GW sein. Aktuell sind es nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 8,5 GW.
Das Auktionsergebnis bleibt hinter dem Resultat der Auktion des vergangenen Jahres zurück. Mitte Juli vergangenen Jahres hatten BP und Total Energies den Zuschlag für 12,6 Milliarden Euro bekommen. Damals ging es allerdings auch um größere Flächen, die ein Potenzial von insgesamt sieben Gigawatt installierter Leistung hatten, also fast dreimal mehr als bei der aktuellen Runde.
Mineralölbranche hat hohes Interesse an Offshore-Windkraft
Dass sich auch diesmal ein Mineralölunternehmen unter den Bietern mit der höchsten Zahlungsbereitschaft befindet, überrascht nicht. Die Unternehmen der Branche haben aus zwei Gründen ein besonders großes Interesse daran, Zugriff auf günstigen Strom aus erneuerbaren Quellen in großen Mengen zu bekommen: Einerseits wollen sie ihre Ladenetze für E-Autos mit Grünstrom betreiben. Andererseits investieren sie massiv in die Produktion von grünem Wasserstoff. Für die Herstellung des klimaneutralen Energieträgers sind große Mengen Strom aus erneuerbaren Quellen erforderlich.
Wasserstoff ist im Raffinerieprozess, bei der Herstellung von Heizöl, Benzin und Diesel etwa, unverzichtbar. Bislang wird in den Raffinerien allerdings ausschließlich sogenannter grauer Wasserstoff eingesetzt, der auf der Basis von Erdgas hergestellt wird. Dabei werden erhebliche Mengen Kohlendioxid (CO2) frei. Grüner Wasserstoff kann die CO2-Bilanz der Raffinerien und der dort produzierten Kraftstoffe erheblich verbessern.
Für die Mineralölwirtschaft ist der Einsatz von grünem Wasserstoff besonders attraktiv, weil er dreifach auf die Treibhausgasminderungsquote angerechnet wird. Die Mineralölwirtschaft ist dazu verpflichtet, gesetzlich definierte Treibhausgas-Minderungsquoten zu erfüllen, die bis 2030 kontinuierlich steigen.
Um dies zu erreichen, haben die Unternehmen verschiedene Optionen, etwa das Beimischen von Biokraftstoffen – aber eben auch den Wechsel von grauem Wasserstoff auf grünen Wasserstoff im Raffineriebetrieb.