Union in der Krise: Die Gründe für den Abstieg der CDU – und warum die große Zerreißprobe erst noch folgen könnte
Schäuble gehört zu den treibenden Kräften der Union.
Foto: dpaBerlin. Wolfgang Schäuble macht keinen Hehl daraus, wen er für den Niedergang der Union verantwortlich macht: Angela Merkel. Das „enge Rennen“ zwischen CDU/CSU und SPD habe seine Ursache in Merkels Entscheidung im Oktober 2018, den CDU-Vorsitz abzugeben, als Regierungschefin aber bis zum Ende der Wahlperiode im Amt zu bleiben, sagte der Bundestagspräsident eine Woche vor dem Wahlsonntag. „Ich bin fest davon überzeugt, dass beides in eine Hand gehört: Parteivorsitz und Kanzleramt. Das war jetzt über fast drei Jahre nicht der Fall, und deshalb gibt es auch keinen Amtsbonus. Im Gegenteil.“
Der Niedergang der Union hat viele Ursachen, von denen die meisten weit zurückreichen. Immer gab es eine zentrale Figur: Schäuble. Er gehört zu den treibenden Kräften, die in den vergangenen Jahren an Merkels Nachfolge gearbeitet haben.
Der Vollblutpolitiker war schon Kronprinz von Altkanzler Helmut Kohl und kam dann im entscheidenden Wahljahr 1998 doch nicht zum Zuge. In der Flüchtlingskrise von 2015 nannten sie ihn „Kanzler der Reserve“. Er protegierte zunächst den heutigen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und 2018 wie 2020 Wirtschaftsexperte Friedrich Merz, der nach dem schlechten CDU-Ergebnis bei der Landtagswahl in Hessen maßgeblich zum Angriff auf Merkel blies.