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Afghanistan-FotosUS-Soldaten posieren mit Leichenteilen

Ein weiterer Skandal bei den US-Truppen in Afghanistan: Eine US-Zeitung veröffentlichte Fotos von Soldaten, die mit Körperteilen toter Attentäter posieren. Verteidigungsminister Leon Panetta befürchtet Racheaktionen. 18.04.2012 - 21:02 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Washington/Kabul/Brüssel. Ein neuer Skandal erschüttert die US-Truppen in Afghanistan: Die „Los Angeles Times“ veröffentlichte am Mittwoch Bilder, auf denen US-Soldaten mit blutigen Körperteilen toter Selbstmordattentäter posieren. Die Fotos sollen aus dem Jahr 2010 stammen. Das Pentagon leitete eine Untersuchung ein.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta fürchtet, dass die Fotos von US-Soldaten mit Leichen getöteter Aufständischer zu Racheaktionen gegen US-Soldaten in Afghanistan führen können. „Ich verurteile schärfstens, was man auf diesen Fotos sieht“, sagte Panetta am Mittwoch in Brüssel am Rande einer Nato-Konferenz.

„Ich möchte auch dies sagen: Dies ist Krieg. Und ich weiß, dass Krieg schmutzig und gewalttätig ist“, sagte der Verteidigungsminister. „Und ich weiß, dass junge Leute manchmal in der Hitze des Augenblicks sehr dumme Entscheidungen treffen.“ Panetta fuhrt fort: „Ich entschuldige sie nicht, ich entschuldige dieses Verhalten nicht. Aber ich möchte nicht, dass diese Fotos unseren Leuten und unserer Beziehung zum afghanischen Volk weiteren Schaden zufügen.“ „Dieses Betragen verstößt gegen unsere Vorschriften und vor allem gegen unsere wichtigsten Werte. Es steht auch nicht für das Verhalten der großen Mehrheit unserer Männer und Frauen in Uniform“, sagte der Minister.

US-Soldaten bei einer Patrouille in der afghanischen Provinz Helmand.

Foto: dpa

Panetta bedauerte, dass die „Los Angeles Times“ die Fotos trotz aller Bitten seines Ministeriums veröffentlicht hatte. „Diese Art von Fotos ist in der Vergangenheit vom Feind benutzt worden, um zur Gewalt anzustacheln. Und Menschen sind als Folge der Veröffentlichung von Fotos dieser Art in der Vergangenheit gestorben.“ Panetta sagte, er entschuldige sich bei der afghanischen Bevölkerung „im Namen des Verteidigungsministeriums und im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten“.

Panetta nahm am Mittwoch zusammen mit Außenministerin Hillary Clinton an einer Nato-Konferenz in Brüssel teil, bei der die Bündnispartner ihre bisherige Strategie in Afghanistan bekräftigen wollen. Von der Ankündigung Australiens, ein Jahr früher als geplant abzuziehen, zeigten sich die Außen- und Verteidigungsminister unbeeindruckt. Der Zeitplan, nach dem der Kampfeinsatz Ende 2014 beendet werden soll, bleibe unverändert, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière reagierte dagegen verärgert „Mein australischer Kollege hat im Februar anders vorgetragen. Aber das kann uns nicht in unserer Strategie beirren, bis Ende 2014 den Abzug zu organisieren“, sagte er.

Die Nato-Minister berieten am Nachmittag über den Afghanistan-Einsatz, der nun schon durch den vierten Skandal bei den US-Truppen innerhalb von vier Monaten belastet wird. Im Januar tauchte ein Video auf, auf dem amerikanische Soldaten auf tote Taliban-Kämpfer urinierten. Im Februar wurden auf einer US-Basis Koranexemplare verbrannt. Ein US-Soldat ist derzeit angeklagt, bei einem Massaker im März 17 afghanische Zivilisten ermordet zu haben. Und jetzt die Skandal-Bilder in der „Los Angeles Times“.

Auf einem der Fotos ist ein lächelnder junger US-Soldat zu sehen, hinter dem ein toter Aufständischer mit geöffneten Augen liegt, den ein zweiter Soldat zu halten scheint. Die Zeitung schreibt, auf einem weiteren Bild - das im Internet nicht zu sehen war - würden zwei Soldaten die Hand eines Toten halten, deren Mittelfinger ausgestreckt sei. Neben der Leiche liege ein inoffizieller Aufnäher der Einheit, auf dem „Zombie Hunter“ (Zombie-Jäger) aufgedruckt sei.

Die Bilder stammen laut der Zeitung aus Einsätzen im Jahr 2010. Wenige Monate später wurde die Einheit dem Bericht zufolge entsandt, um die sterblichen Überreste von drei mutmaßlichen Aufständischen zu untersuchen, die sich wohl versehentlich selbst in die Luft gesprengt hatten. Auch in diesem Fall hätten die Soldaten sich mit Leichenteilen fotografieren lassen, berichtete die Zeitung.

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Die Zeitung erhielt die Fotos nach eigenen Angaben von einem US-Soldaten, der anonym bleiben und eine Wiederholung derartiger Vorfälle verhindern wolle. Nach Angaben dieses Soldaten zeugten die Fotos von einem „Verfall der Führung und Disziplin“, der die Sicherheit der Truppen gefährden könne.

Die „Los Angeles Times“ schrieb, die US-Armee habe die Zeitung darum gebeten, die Fotos nicht zu veröffentlichen. Man habe sich aber nach vorsichtiger Abwägung dazu entschieden, eine kleine Auswahl zu veröffentlichen, um unabhängig und unparteiisch über „alle Aspekte der amerikanischen Mission in Afghanistan“ zu berichten.

Der Kommandeur der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General John Allen, und der US-Botschafter in Kabul, Ryan Crocker, verurteilten den jüngsten Vorfall am Mittwoch. In einer Mitteilung Allens hieß es: „Die Handlungen der fotografierten Personen vertreten nicht die Politik der Isaf oder der US-Armee.“ Nach Isaf-Vorgaben müsse mit sterblichen Überresten von Feinden „so menschenwürdig wie möglich“ umgegangen werden. Crocker teilte mit, solche Taten „entehren die Opfer von Hunderttausenden US-Soldaten und Zivilisten“, die in Afghanistan gedient hätten

dpa, dapd
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