China: Deutsche Firmen in der Volksrepublik werden chinesischer
Peking. Ungeachtet der politischen Appelle an deutsche Unternehmen, sich unabhängiger von China zu machen, setzten diese in der Volksrepublik verstärkt auf Kooperationen mit chinesischen Partnern. Das geht aus der jüngsten Geschäftsklimaumfrage der deutschen Außenhandelskammer in China (AHK) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde.
Auf diese Weise wollen die deutschen Firmen nicht nur im härter werdenden Wettbewerb auf dem wichtigen chinesischen Markt bestehen, sondern auch von der globalen Expansion chinesischer Unternehmen profitieren. Die deutschen Firmen in der Volksrepublik blicken dabei etwas optimistischer auf die Geschäftschancen im laufenden und kommenden Jahr als 2024. Damals war die Stimmung auf dem tiefsten Stand seit 2018.
AHK-Vertreter sehen darin noch keine echte Trendwende. Allerdings gebe es bei den deutschen Firmen die Hoffnung, dass Chinas Staatsführung Maßnahmen ergreift, um dem ruinösen Preiswettbewerb auf dem chinesischen Markt entgegenzuwirken, sagte Martin Hofmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Handelskammer in China.
Offiziellen Zahlen zufolge hat sich Chinas Wirtschaftswachstum zuletzt verlangsamt. Im dritten Quartal betrug es demnach 4,8 Prozent. Dennoch erwarten 31 Prozent der deutschen Firmen in China im kommenden Jahr eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. 23 Prozent gehen davon aus, dass sich die Lage verschlechtert.
Die Geschäftsklimaumfrage, die die AHK China jährlich durchführt, gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer für die Lage der deutschen Unternehmen in der Volksrepublik. An der zwischen September und Mitte Oktober durchgeführten Befragung nahmen 627 der rund 2000 Mitgliedsunternehmen teil.
Ein Großteil der Mitglieder sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus den Bereichen Maschinenbau und Automobil, in denen der Wettbewerb mit der chinesischen Konkurrenz immer stärker wird.
Unternehmen setzen trotz Herausforderungen weiter auf China
Die mit Abstand größte Herausforderung auf dem chinesischen Markt ist für die deutschen Unternehmen der wachsende Preisdruck (60 Prozent), gefolgt von der schwachen Binnennachfrage (52 Prozent). Der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt droht eine Negativspirale aus sinkenden Preisen und sinkender Nachfrage.
Die Staatsführung versucht, die Deflation mit verschiedenen Maßnahmen zu bekämpfen – bisher ohne nachhaltigen Erfolg. Nach einer vorübergehenden Erholung im August und September schrumpften die Industriegewinne im Oktober um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Umso erstaunlicher ist die Stimmungsaufhellung unter den deutschen Unternehmen.
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Allen Herausforderungen zum Trotz will die große Mehrheit der befragten Unternehmen (93 Prozent) weiter in China bleiben. 53 Prozent planen, die Investitionen in der Volksrepublik zu erhöhen, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Ein Drittel gab an, die Investitionen in China reduzieren zu wollen.
Vor Ort produzieren, forschen und entwickeln
Diejenigen Unternehmen, die mehr in China investieren wollen, setzen auf eine stärkere Lokalisierung ihres China-Geschäfts. Martin Hofmann sprach von einer dritten Welle der Lokalisierung. Im Unterschied zu früher, als in China für China produziert wurde, werde nun auch vor Ort geforscht und entwickelt, um die Produkte besser und schneller an die lokalen Kundenwünsche anzupassen.
Zudem hoffen die Unternehmen auf diese Weise, bei öffentlichen Ausschreibungen in China besser zum Zuge zu kommen. Denn schon lange beklagen nicht-chinesische Firmen, bei diesen benachteiligt zu werden.
Deutsche Firmen nehmen chinesische Wettbewerber zunehmend als innovativ wahr: 60 Prozent der Befragten erwarten, dass chinesische Unternehmen in ihrer Branche innerhalb der nächsten fünf Jahre zum Innovationsführer werden.
Auch deshalb wollen 56 Prozent die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern vertiefen. Allerdings geben 55 Prozent der Befragten an, dass der Wissenstransfer bislang noch eher von der Firmenzentrale in Deutschland an die chinesische Tochter erfolge. Immerhin ein Drittel konstatierte einen Know-how-Transfer von China nach Deutschland.
Von der Bundesregierung fordern die deutschen Unternehmen, sich für eine positivere China-Wahrnehmung in Deutschland einzusetzen. Denn eine gute bilaterale Beziehung sei wichtig für ihr Geschäft. Aus den Unternehmen hatte es scharfe Kritik an der verschobenen Reise von Außenminister Johann Wadephul (CDU) gegeben. Diese soll kommende Woche nachgeholt werden.
