China-Strategie: Deutsche Unternehmen setzen in Asien verstärkt auf De-Risking
Berlin. Weniger als die Hälfte der deutschen Firmen in China ist einer Umfrage zufolge mit Blick auf das von der Bundesregierung angestrebte De-Risking aktiv geworden. Hinter dieser Strategie der Ampel-Koalition steckt die Absicht, sich angesichts geopolitischer Risiken in kritischen Bereichen nicht zu abhängig von der Volksrepublik zu machen.
Insgesamt 566 Mitgliedsunternehmen der Deutschen Handelskammer in China nahmen an einer Umfrage zu dem Thema teil, die zwischen dem 5. September und dem 6. Oktober lief und am Dienstag in Auszügen veröffentlicht wurde. 44 Prozent der befragten Unternehmen geben darin an, Maßnahmen zur Risikominimierung im Zusammenhang mit ihrem China-Geschäft zu ergreifen. Diesen stehen jedoch 45 Prozent gegenüber, die sagen, keine solchen Schritte zu unternehmen. 54 Prozent wollen ihre Investitionen in den kommenden beiden Jahren weiter ausbauen.
83 Prozent jener Unternehmen, die Maßnahmen zur Risikominderung ergreifen, tun dies aufgrund von geopolitischen Spannungen. 45 Prozent geben an, damit auf die wirtschaftliche Entwicklung Chinas zu reagieren. Hauptsächlich minimieren deutsche Firmen in China ihr Risiko durch den Aufbau einer von China unabhängigen Lieferkette (45 Prozent).
Südostasien als Gewinner
Auch der Aufbau zusätzlicher Geschäftstätigkeiten in anderen Ländern (40 Prozent), das Ansiedeln von Forschung und Entwicklung in der Volksrepublik (34 Prozent) sowie die Verlagerung von Geschäft in andere Länder (25 Prozent) spielen eine wichtige Rolle. Dabei profitiert laut der deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Peking insbesondere Südostasien, worauf die Wahl von 75 Prozent der Unternehmen fällt.
Die politische Diskussion habe dazu beigetragen, dass Unternehmen ihr auf das Chinageschäft bezogenes Risiko genauer unter die Lupe nähmen. „Dass auch verstärkte Investitionen in China als Mittel zur Risikostreuung zur Anwendung kommen, war wohl nicht im Sinne des Erfinders“, lautet das Fazit der AHK. „Südostasien entpuppt sich als Gewinner des Risikomanagements deutscher Firmen, wobei diese dem chinesischen Markt weiter treu bleiben.“
Die Bundesregierung hatte im Juli eine Strategie für den Umgang mit China vorgelegt. Diese betont sowohl den Willen zur Zusammenarbeit als auch über die vergangenen Jahre gewachsenen Differenzen mit der kommunistischen Führung in Peking.
Deutsche Firmen werden aufgefordert, ihre Risiken im China-Geschäft abzubauen und sogenannte Klumpenrisiken beim Fokussieren auf einen großen Markt stärker intern einzupreisen. Investitions- und Exportkreditgarantien sollen schärfer geprüft werden.
Erstpublikation: 05.12.2023, 15:01 Uhr.