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Coronakrise Indiens Konjunktur bricht ein wie nie zuvor – Virus breitet sich in Rekordgeschwindigkeit aus

Durch den Corona-Lockdown erleidet Indiens Wirtschaft einen historischen Konjunktureinbruch. Regierungschef Modi lockert nun die Beschränkungen – trotz der grassierenden Pandemie.
31.08.2020 - 16:17 Uhr 2 Kommentare
Die Corona-Pandemie entwickelt sich zur Krise der Superlative für Indien. Quelle: dpa
Regenerisches Wetter in Indien

Die Corona-Pandemie entwickelt sich zur Krise der Superlative für Indien.

(Foto: dpa)

Bangkok Die Corona-Pandemie entwickelt sich für Indien zu einer Krise der Superlative: Am Wochenende meldete das Land mit knapp 80.000 bestätigten Neuinfektionen innerhalb eines Tages einen globalen Rekord – im Schnitt wird damit jede Sekunde ein Inder positiv auf das Virus getestet.

Gleichzeitig erlebt Asiens drittgrößte Volkswirtschaft einen bisher beispiellosen Konjunktureinbruch, wie die Statistikbehörde des Landes an diesem Montag mitteilte. Auch das ist eine Konsequenz aus einem der härtesten Corona-Lockdowns der Welt.

Im zweiten Quartal des Kalenderjahrs, in dem die Anti-Corona-Politik von Regierungschef Narendra Modi das öffentliche Leben fast vollständig zum Erliegen brachte, sackte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr demnach um 23,9 Prozent ab – und lag damit deutlich unter den ohnehin bereits pessimistischen Erwartungen. Ein so großes Minus hat Indien noch nie verzeichnet, seit es vor einem Vierteljahrhundert mit der Veröffentlichung von Quartalsdaten zur Wirtschaftsleistung begann.

Für das knapp 1,4 Milliarden Einwohner große Land markieren die Zahlen einen rasanten Abschwung: Noch 2018 galt Indien als die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Nun gehören die Inder zu den Schlusslichtern. In Asien schrumpfte zuletzt keine andere Volkswirtschaft so stark.

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    Und auch unter den G-20-Staaten meldete kein anderes Land einen noch stärkeren Konjunktureinbruch. Für das gesamte Finanzjahr, das im März endet, prognostiziert die State Bank of India einen BIP-Rückgang von knapp sieben Prozent. Damit würde Indien das wirtschaftlich schlechteste Jahr in vier Jahrzehnten erleben.

    Deutsche Investoren rechnen damit, dass die Flaute Indien noch lange belasten wird. Der Daimler-Konzern, der in einem Vorort der südindischen Industriestadt Chennai Nutzfahrzeuge produziert, erwartet, dass es mindestens drei Jahre dauern wird, bis die Lastwagenverkäufe wieder das Niveau vor der Coronakrise erreichen werden.

    „Unsere Kunden sorgen sich über die deutlich verschlechtere Wirtschaftslage“, sagte Satyakam Arya, der Daimlers Nutzfahrzeuggeschäft in Indien leitet, Mitte August. „Die meisten Flotten stehen derzeit still.“

    Mehr als 100 Millionen Inder verloren ihren Job

    Die prekäre wirtschaftliche Lage ist die Folge der Anti-Corona-Maßnahmen, mit denen Modis Regierung im Frühjahr erfolglos versucht hat, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Im April verloren laut der unabhängigen Forschungseinrichtung Centre for Monitoring Indian Economy (CMIE) 121 Millionen Inder wegen der landesweiten Ausgangssperren ihren Job. Nur etwas mehr als die Hälfte davon hat seither wieder Arbeit gefunden.

    Um die Wirtschaft wiederzubeleben, nimmt Modi seine Corona-Auflagen nun weiter zurück – obwohl die Infektionszahlen stark steigen und zuletzt bei insgesamt mehr als 3,6 Millionen lagen. Am 1. September zündet er die vierte Stufe der Corona-Lockerungen: Öffentliche und private Veranstaltungen dürfen dann wieder stattfinden, wenn sie weniger als 100 Teilnehmer haben.

    Beschränkungen von Reisen und dem Güterverkehr zwischen den einzelnen Bundesstaaten werden aufgehoben. Ab kommender Woche dürfen auch Stadtbahnen in Metropolen wie Delhi und Mumbai wieder ihren Betrieb aufnehmen – sie waren seit 22. März außer Betrieb.

    Mit der weitgehenden Rückkehr zu einem normalen Alltagsleben dürfte sich die Wirtschaft zwar erholen – allerdings nur in kleinen Schritten. „Der Tiefpunkt der Wirtschaftsleistung liegt wohl hinter uns, nachdem die Einschränkungen nun nicht mehr so stark sind wie in der Zeit des landesweiten Lockdowns“, kommentierte der Volkswirt Shilan Shah, Indienexperte bei dem Analysehaus Capital Economics.

    Mehrere Indikatoren würden aber zeigen, dass die Erholung nach dem Lockdown langsam zum Stillstand komme. „Das unterstreicht, wie lang und schwierig der weitere Weg für Indiens Wirtschaft sein wird.“

    Grafik

    Wirtschaftsschwäche schon vor Viruskrise

    Modis Regierung sieht kaum Möglichkeiten, um die Krise abzumildern: Um ein umfangreiches neues Konjunkturpaket auf den Weg zu bringen, fehlen ihr die Finanzmittel. Die Steuereinnahmen brachen im zweiten Quartal um ein Drittel ein. Das Defizit im laufenden Finanzjahr dürfte laut mehreren Ratingagenturen wegen der Coronakrise mit rund sieben Prozent in etwa doppelt so hoch ausfallen wie geplant.

    Die Pandemie ist aber nicht der einzige Grund für die Misere: Indien hatte schon vor dem Virusausbruch mit einer Wachstumsschwäche zu kämpfen, die zum Teil selbst verschuldet war: So sorgte Modi mit einer umstrittenen Bargeldreform für monatelanges Chaos und überforderte Unternehmen mit der unausgegorenen Einführung einer landesweiten Mehrwertsteuer.

    Der prominente Oppositionspolitiker Rahul Gandhi warf Modi am Wochenende vor, mit seiner Wirtschaftspolitik den in Indien sehr wichtigen informellen Sektor zerstört zu haben. Auch Ökonomen schließen sich der Kritik an: „Modi hat regelmäßig die Hoffnung geweckt, er würde Indiens Wirtschaft reparieren“, kommentierte Ritesh Kumar Singh, Chef des Beratungsunternehmens Indonomics. „Aber nach sechs Jahren Amtszeit ist Indiens Wirtschaft nun ein absolutes Fiasko.“

    Mehr: Wirtschaftliche Folgen sorgen in Indien für mehr Tote als Corona selbst

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    2 Kommentare zu "Coronakrise: Indiens Konjunktur bricht ein wie nie zuvor – Virus breitet sich in Rekordgeschwindigkeit aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist unglaublich komisch, dass der Handelsblatt-Korrespondent in Bangkok sitzt und über Indien schreibt und dabei wahrscheinlich von Berichten Dritter abschreibt, während er eine Thai-Massage bekommt.
      Ja, dieses Quartal ist schlecht, und die Zukunft ist auch ein wenig düster. Aber die Regierung ist dabei, ein Wiederbelebungspaket umzusetzen, das bis zum 1. Quartal nächsten Jahres positive Ergebnisse bringen wird. Die Modi-Regierung hat während dieser Krise auch wichtige Reformen in Gang gesetzt, darunter schwierige Reformen in der Landwirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt, die sich sehr positiv auf die Wirtschaft auswirken werden.

    • Für Länder wie Indien eignet sich ein Lockdown nicht. Solche Länder sollten über die Medien mehrfach täglich mit viel viel Werbung auf den Selbstschutz setzen. Eigenverantwortung ist das Zauberwort für dieses Thema.

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