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Coronakrise Spaniens Autobranche feiert das fast vier Milliarden Euro schwere Hilfspaket

Die Autoindustrie des Landes lobt die Wirtschaftshilfen. Geplant sind eine Abwrackprämie, aber vor allem Vorzugskredite für Investitionen von Herstellern.
16.06.2020 - 15:49 Uhr Kommentieren
Die Marke gehört zum VW-Konzern. Quelle: Reuters
Seat-Werk in der Nähe von Barcelona

Die Marke gehört zum VW-Konzern.

(Foto: Reuters)

Madrid Es passiert nicht oft, dass Unternehmen die spanische Regierung in der Coronakrise für ihre Wirtschaftshilfen loben. Insofern lässt der Applaus aufhorchen, den die Branche Ministerpräsident Pedro Sánchez für die Unterstützung spendet, die er ihnen in Aussicht gestellt hat.

Sein Plan „enthält einen guten Teil des Bedarfs, den die Branche kurzfristig hat, um die Krise zu überwinden (...), aber auch eine klare Strategie mit Blick auf die Transformation der Branche in Richtung Mobilität der Zukunft, in der die Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes und die Digitalisierung sehr wichtig sind“, sagte etwa José Vicente de los Mozos, Chef des spanischen Verbands der Autohersteller, Anfac.

Was die Unternehmen so zufrieden macht, sind Hilfen von insgesamt 3,75 Milliarden Euro. Neben einer Abwrackprämie und Kaufanreizen für emissionsarme Wagen stammt der Großteil in Höhe von 2,6 Milliarden Euro aus Vorzugskrediten für Investitionen, die Hersteller bis 2022 in Spanien tätigen. Der Branche war dieser Teil wichtig, um im Subventionswettbewerb, der in der Coronakrise eingesetzt hat, den Abzug ausländischer Hersteller zu verhindern.

Umweltschützer sehen in dem Plan dagegen einen Sündenfall, denn die spanischen Kaufanreize gelten anders als etwa die deutschen nicht nur für den Kauf von E-Autos, sondern auch für abgasarme Verbrenner-Motoren.

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    Die Autobranche ist nach dem Tourismus der zweitgrößte Wirtschaftszweig in Spanien. Sie erzielt zehn Prozent der Wirtschaftsleistung, 19 Prozent der Exporte und sichert zwei Millionen direkte und indirekte Jobs.

    Das Land ist zwar der zweitgrößte Autoproduzent in Europa, hat aber keine eigenen Hersteller. Die spanische Marke Seat gehört zum Volkswagen-Konzern, mehrere internationale Hersteller wie PSA, Renault oder Ford produzieren in Spanien. Das Land selbst hat eine große nationale Zulieferindustrie mit Konzernen wie Gestamp und Antolín, die weltweit zu den größten ihrer Branche zählen.

    Spanien hat die zweitälteste Flotte Europas

    Ihre große Sorge war, dass vor allem die französischen Subventionen von acht Milliarden Euro für die Autobranche dafür sorgen, dass französische Hersteller neue Modelle statt in Spanien künftig in Frankreich produzieren werden.

    Der Branche war deshalb wichtig, dass die spanischen Hilfen nicht nur Subventionen für den Autokauf, sondern auch Anreize für die Hersteller enthalten, in Spanien zu produzieren. „Die Hilfen der Regierung sind ausreichend, um diese Anreize zu bieten“, meint Pedro Nueno von der spanischen Business School IESE.

    Daneben enthält der Plan eine Abwrackprämie in Höhe von 250 Millionen Euro für Wagen, die älter als zehn Jahre sind. Spaniens Autos sind mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren hinter den griechischen die ältesten in Europa.

    Der Verkehr verursacht in Spanien 27 Prozent der Treibhausgase, davon wiederum stammen 60 Prozent von Autos. Städte wie Madrid und Barcelona überschreiten regelmäßig die europäischen Grenzwerte für Luftverschmutzung.

    Die spanische Regierung argumentiert, Neuwagen seien schadstoffärmer als alte. Umweltschützer bemängeln dagegen, die Förderung von Verbrennern schiebe den nötigen Wandel der Branche zu emissionsfreien Wagen auf. „Greenpeace kritisiert, dass dieser Hilfsplan unter dem Diktat der Automobillobby entworfen wurde“, heißt es etwa von der Umweltorganisation.

    Grafik

    Àngel Saz-Carranza von der Business School Esade verteidigt das Vorgehen dagegen als wichtige Konjunkturhilfe in der Coronakrise. „In Spanien werden sehr wenig Autos mit null Emissionen produziert. Das nun beschlossene Paket bietet Anreize für den Kauf von Autos, die nicht aus der Premiumklasse stammen, aber in Spanien stark gefragt sind und hier produziert werden“, sagt er.

    „Kurzfristig ist das sinnvoll, langfristig könnte Spanien schon ehrgeiziger sein, was die Entwicklung hin zu mehr Hybriden und E-Autos angeht.“ Die Pandemie hat die Autobranche weltweit stark getroffen.

    Die 17 spanischen Fabriken standen weitgehend still. Ende Mai kündigte der japanische Produzent Nissan an, seine Fabrik in Barcelona im Zuge eines Sanierungsplans zu schließen. „Die Regierung musste schnell handeln“, sagt Saz-Carranza.

    Spanien stellt zudem 300 Millionen Euro für die Erneuerung der Flotte von staatlichen Fahrzeugen sowie für den Bau von Ladestationen für Elektroautos bereit. 415 Millionen sollen in Forschung und Entwicklung fließen. Mit dem Geld soll auch ein Fokus auf die Digitalisierung und auf neue Lösungen für eine nachhaltige Mobilität gelegt werden. Mit weiteren 95 Millionen soll die Ausbildung von Mitarbeitern gefördert werden, unter anderem nach dem deutschen dualen Modell.

    Mehr: Der spanische Arbeitsmarkt erholt sich – doch für die wichtigsten Branchen bleibt die Lage kritisch.

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