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Coronakrise Weg aus dem Shutdown: Frankreich lockert Beschränkungen

Mehrere Etappen sollen Frankreich zurück ins normale Leben führen. Der Plan kann jedoch jederzeit unterbrochen werden – sollte sich das Virus wieder zu stark ausbreiten.
28.04.2020 - 18:38 Uhr Kommentieren
Der Weg aus dem Shutdown soll sich in mehreren Etappen vollziehen. Quelle: Reuters
Passanten mit Atemschutzmasken in Paris

Der Weg aus dem Shutdown soll sich in mehreren Etappen vollziehen.

(Foto: Reuters)

Paris Frankreich wird vom 11. Mai an vorsichtig den seit dem 16. März geltenden Lockdown abmildern. Der Übergang von den strikten Ausgangsbeschränkungen zu einem „Leben in Freiheit, aber mit Ausnahmen“ soll sich in mehreren Etappen vollziehen, wie Premierminister Edouard Philippe am Dienstagnachmittag in der Nationalversammlung darstellte.

Als Erstes sollen die Geschäfte wieder öffnen, mit Ausnahme von Cafés und Restaurants. Die Menschen sollen an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, und es wird wieder erlaubt sein, sich frei zu bewegen. Auf gestaffelte Weise sollen Schulen und Kindergärten wieder öffnen.

Erst am 2. Juni wird entschieden, wann und unter welchen Umständen die Gaststätten wieder öffnen dürfen und unter welchen Bedingungen die Franzosen die Sommerferien verbringen können.

„Wir werden mit dem Virus leben müssen“, sagte der Premier am Nachmittag, weil Impfungen und zuverlässige Behandlungen noch ausstünden, die Fortsetzung des Lockdowns aber „zum Zusammenbruch des wirtschaftlichen Lebens“ führen würde.

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    „Nie hat das Land einen solchen Stillstand erlebt wie in den vergangenen Wochen, nicht einmal während des Kriegs und der Besatzungszeit“, ordnete der Premier die noch geltenden Beschränkungen ein. Die Regierung rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um acht Prozent, weil große Teile der Industrie und der Dienstleistungen völlig pausieren mussten.

    Mehrere Tausend neue Coronafällen pro Tag erwartet

    Der Lockdown sei ein „effektives Element gewesen, um das Voranschreiten des Virus zu verlangsamen“, sagte Philippe. Ohne die Beschränkungen hätte es 60.000 Tote mehr gegeben, hätten 105.000 Betten für die Intensivversorgung von Coronakranken gefehlt.

    Ob das Land am 11. Mai tatsächlich in die erste Phase der Öffnung geht, hängt vom Stand der Pandemie ab. Derzeit rechnet man mit 3.000 bis 4 .000 neuen Coronafällen pro Tag. Sollte sich bis zum 11. Mai diese Hypothese als zu optimistisch erweisen, werde nicht gelockert, so Philippe.

    Zunächst sollen Kindergärten, Vor- und Grundschulen wieder öffnen, weil hier der dringendste pädagogische Bedarf bestehe. Unternehmen können die Arbeit wieder aufnehmen – mit zahlreichen Ausnahmen: Die bereits genannten Gaststätten sowie Kinos, Konzertsäle, große Museen, Sportstätten und Versammlungssäle bleiben geschlossen.

    Betriebe, die wieder die Arbeit aufnehmen, müssen ihre Beschäftigen mit Masken ausstatten und gewährleisten, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Die Fußball-Liga wird nicht wieder starten.

    Zum 11. Mai sollen 20 Millionen waschbare Masken zur Verfügung stehen, unter anderem über eine neue E-Commerce-Plattform der Post verteilt. Das Tragen von Schutzmasken wird am Arbeitsplatz, in der Schule – für die Erzieher, nicht für Kinder – und in den öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend sein, das ist das erste Standbein der Öffnung.

    Stop-Covid-App auf freiwilliger Basis

    Das zweite ist ein breit angelegtes Testen auf das Virus: 125.000 Tests pro Woche gelten in Frankreich als ausreichend, um das Infektionsgeschehen verfolgen zu können, die Kapazität wird aber auf 700.000 aufgestockt.

    Im Falle jedes positiv Getesteten werden „Brigaden in den Departements die Kontaktverläufe feststellen und alle potenziell infizierten Personen anrufen, damit diese sich testen lassen und wenn nötig isolieren“, beschrieb Philippe das geplante Vorgehen.

    Zusätzlich soll eine Stop-Covid-App auf zentraler, aber freiwilliger Basis die Infektionsketten dort nachvollziehbar machen, wo es viele anonyme Kontakte gibt, also vor allem in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

    Anders als ursprünglich beabsichtigt kündigte Philippe an, dass es eine Abstimmung über diese umstrittene App in der Nationalversammlung geben werde. Die Regierung lege Wert darauf, dass auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten die Demokratie „lebendig und anspruchsvoll bleibt“. Deshalb habe er seinen Plan der Nationalversammlung vorgelegt und nicht im TV.

    Die öffentlichen Verkehrsmittel sollen zu den Stoßzeiten reserviert werden für Personen, die zur Arbeit fahren. Die Kapazität wird drastisch heruntergefahren: In Metros und Bussen darf nur jeder zweite Platz besetzt werden, es gelten dieselben Abstandsregeln wie in Geschäften. Dazu, wie Menschen zur Arbeit kommen sollen, die keinen Platz in den öffentlichen Verkehrsmitteln finden, äußerste sich Philippe nicht.

    Auch wenn es den Franzosen, falls es zur Lockerung kommt, ab dem 11. Mai wieder erlaubt sein wird, sich privat zu treffen, gelten weiter Einschränkungen. Ob im privaten oder öffentlichen Raum, mehr als zehn Personen dürfen sich nicht treffen. Fahrten über 100 Kilometer sind nur erlaubt für unvermeidbare berufliche oder familiäre Zwecke.

    „Etwas zu viel Lockerung – und die Epidemie bricht wieder los; etwas zu wenig – und unsere Wirtschaft bricht zusammen“, beschrieb der Premier den schmalen Grat, den das Land begehe.

    Mehr: Coronaheld, Geizhals oder der neue Leichtsinnige? So blickt die Welt auf Deutschland.

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