Dan Wang: „Die sorglosen Tage des chinesischen Technologiesektors sind definitiv vorbei“
Berlin. Dan Wang gilt als einer der führenden Experten für die chinesische Tech-Industrie. Einmal im Jahr schreibt der Gastwissenschaftler am Paul Tsai China Center an der Yale Law School einen viel beachteten Brief, in dem er seine Sicht auf China und die Veränderungen in dem Land zusammenfasst.
Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt der Forscher, welche Auswirkungen die US-Sanktionen auf die chinesische Tech-Branche hatten, warum die Unternehmen trotz weniger Subventionen und weniger Wirtschaftswachstum auch in Zukunft vorn mit dabei sein werden – und inwiefern Deutschland dabei ein Vorbild ist.
Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Dan Wang:
Die USA haben in den vergangenen Jahren massive Technologiebeschränkungen gegen China erlassen. Welche Auswirkungen haben diese bislang?
Die sorglosen Tage des chinesischen Technologiesektors sind definitiv vorbei. Die chinesischen Unternehmen können nicht mehr wie zuvor auf ihrem Heimatmarkt die amerikanischen Wettbewerber abschütteln und zugleich auf anderen Märkten Fuß fassen – und dabei noch eine Menge Geld verdienen. Und das ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen sind es die US-Hürden, die bestimmten Unternehmen das Leben schwer machen. Aber es gibt auch eine innenpolitische Dimension, die hier eine Rolle spielt.
Die da wäre ...?
Das mangelnde Wachstum im Technologiesektor ist im Wesentlichen auf die chinesische Führung selbst zurückzuführen. Die Kommunistische Partei hat deutlich gemacht, dass die Technologieunternehmen nicht mehr so frei sein können, so viel Gewinn wie möglich zu machen. Stattdessen müssen sie auch politische Anweisungen befolgen.
Was sind die Folgen dieser neuen Einschränkungen?
Wir sehen drei Auswirkungen: Die erste konkrete Auswirkung in technologischer Hinsicht ist, dass die Vereinigten Staaten ein großes Sprachmodell nach dem anderen herausgebracht haben, während die chinesischen Unternehmen einfach nicht mithalten können. Die chinesischen Technologieführer sprechen in Internetforen ganz offen darüber, dass ihre großen Sprachmodelle vielleicht in der Lage seien, bessere Gedichte aus der Song-Dynastie zu schreiben als die der Amerikaner. Aber das sei auch schon so ziemlich das Einzige, was sie besser könnten.