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Ende des LockdownsÖsterreich öffnet wieder, lässt aber Vorsicht walten

Österreich beendet am kommenden Wochenende den Lockdown für Geimpfte und Genesene. Allerdings verhängen einige Bundesländer schärfere Regeln.Daniel Imwinkelried 08.12.2021 - 16:24 Uhr Artikel anhören

Der Lockdown für Geimpfte und Genesene endet in Österreich offiziell am Wochenende.

Foto: imago images/photonews.at

Wien. Offiziell geht der seit dem 22. November in Österreich herrschende Lockdown in der Nacht auf Sonntag zu Ende. Geimpfte und Genesene können sich dann wieder freier bewegen; für Ungeimpfte gelten dagegen weiterhin Ausgangsbeschränkungen, vor allem um möglichst viele von ihnen zur Coronaimpfung zu bewegen.

Auch sonst wird das Land einem Flickenteppich ähneln, denn in den Bundesländern werden unterschiedliche Regeln herrschen. „Der Bund legt eine scharfe Unterkante vor“, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein zur Strategie der Regierung.

Hotels, Restaurants und Theater dürfen zwar generell öffnen, es wird aber Einschränkungen geben wie die 2G-Regel. Danach muss die Immunisierung nachgewiesen werden. Ferner gilt in Innenräumen die Pflicht, eine FFP-2-Maske zu tragen. Bars und Après-Ski-Lokale bleiben geschlossen. In den Bundesländern Tirol, Burgenland und Vorarlberg gelten die Vorgaben des Bundes.

Einen eigenen Weg schlägt unter anderem die Hauptstadt Wien ein. Kommende Woche dürfen dort zwar die Läden ebenfalls öffnen, Hoteliers und Gastronomen müssen sich aber noch bis zum 20. Dezember gedulden.

Dieses unterschiedliche Vorgehen dürfte manche Bewohner des Landes verwirren, zumal es nicht unbedingt die Pandemielage widerspiegelt. Im westlichen Bundesland Vorarlberg liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 960, in Wien beträgt sie 327 – trotzdem wird in der Hauptstadt ein strengeres Regime herrschen. Zudem entsteht eine Ungleichbehandlung von Restaurants und Hotels nach Regionen, worüber sich Branchenvertreter aufregen.

Der Lockdown hat in Österreich gewirkt, aber nicht so stark, wie sich das Politiker und Wirtschaftsvertreter erhofft hatten. „Das Virus verschafft uns eine Atempause“, sagte Bundeskanzler Karl Nehammer. „Bei den Ansteckungen gibt eine sinkende Tendenz, aber noch keinen verfestigten Trend.“

Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen ist weiterhin hoch

Bereits bevor die Ausgangsbeschränkungen in Kraft getreten waren, hatte die Zahl der täglich gemeldeten Infektionen mit 16.500 den Höchststand dieser vierten Pandemiewelle erreicht. Am Mittwoch lag sie bei 5600. Kein Rückgang ist hingegen bei der Anzahl der Intensivpatienten zu verzeichnen. Wenigstens scheint sie aber zu stagnieren.

Bevor die Regierung das weitere Vorgehen am Mittwoch bekannt gab, hatten Wirtschaftsvertreter und Politiker für ihre Anliegen lobbyiert. Es fand also das übliche Spiel statt, das man seit Beginn der Pandemie kennt. Harald Mahrer, Chef der Wirtschaftskammer (Arbeitgeber), forderte etwa, „alles zu öffnen“. Den gleichen Anspruch erhob Tirols Landeshauptmann Günther Platter. Die Unsicherheit lastete besonders schwer auf dem Wintertourismus, der in Tirol ein großes Gewicht hat.

In der Wirtschaft liegen die Nerven blank. Vor allem der ohnehin gebeutelte Einzelhandel ist von den erneuten Ausgangsbeschränkungen hart getroffen worden. In den vergangenen zweieinhalb Wochen haben sich viele Läden zwar mit dem Onlinekanal beholfen. „Click & Collect“, bestellen und abholen, lautete die aus der Not geborene Vertriebsstrategie.

Je nach Sparte funktioniert sie aber unterschiedlich gut: Große Buchhandlungen kommen mit ihr eher zurecht, schwerer tun sich dagegen der Kleider- und der Textilhandel. Der Spätherbst war bisher sehr kalt, und eine solche Wetterlage kurbelt sonst das Geschäft mit Winterbekleidung an.

Einzelhandel beklagt massive Einbußen

Von diesem Effekt konnten die Läden in diesem Winter nur beschränkt profitieren. „Der Lockdown ist ein Stich in das Herz des Einzelhandels“, sagt Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des österreichischen Handelsverbands, wohl auch mit dem Pathos des Interessenvertreters. „Wir werden die Spätfolgen noch sehen.“

Erstaunlich gelassen hatten Gastronomen auf die Ankündigung des Lockdowns reagiert. Die hohen Infektionszahlen hielten schon im November Gäste davon ab, ein Restaurant zu besuchen. Manch ein Wirt hat sich daher gesagt: besser schließen und die Staatshilfe in Anspruch nehmen, als geschäftlich zu darben.

Während des Lockdowns haben manche Restaurants auf Abholen umgestellt, andere ließen auch das bleiben. Die Lieferdienste verlangen von jeder Bestellung einen hohen Umsatzanteil, sodass sich für viele Wirte „Take away" gar nicht lohnt. Gleichzeitig muss der Umsatz eines Restaurants um einen gewissen Wert fallen, damit es vom Staat eine Entschädigung gibt.

Besonders gespannt hat der Tourismussektor auf die Erklärung der Regierung gewartet. Die Wintersaison 2020/21 war fast komplett ausgefallen, die Zahl der Übernachtungen auf rund fünf Millionen geschrumpft. Im letzten Jahr vor der Pandemie hatten Reisende in Österreich von November bis April noch 73 Millionen Übernachtungen gebucht.

Deutschland hat Österreich als Hochrisikogebiet eingestuft

Wenn sich das Szenario des letzten Jahres wiederholt, dürften viele Hotels in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Zumindest teilweise scheint die Wintersaison aber gerettet zu sein. Die Hotellerie kämpft derzeit allerdings mit einem Arbeitskräftemangel, der sich im Vergleich mit dem Vorjahr stark verschärft hat. Die ungewisse Aussicht, ob die Saison überhaupt startet, hat viele ausländische Saisonarbeitskräfte davon abgehalten, in Österreich einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben.

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Noch eine Unsicherheit schwebt über Österreichs Tourismus. Deutschland stuft das Nachbarland nach wie vor als Hochrisikogebiet ein. Das bedeutet, dass ungeimpfte Kinder unter zwölf Jahren, die aus Österreich zurückkehren, in Quarantäne müssen.

Ein Familienurlaub ist also weiterhin erschwert. Wie es weitergeht, hängt von der Regierung in Berlin ab. „Daher können wir aktuell nicht sagen, ob sich vor den Weihnachtsferien noch etwas ändert“, sagt Michael Strasser vom Tourismusministerium.

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