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G20-Präsidentschaft Digitaler, grüner, resilienter: Das ist Italiens Plan für die Welt

Europas drittgrößte Volkswirtschaft übernimmt den Vorsitz der Industrienationen. Was Italien mit der G20-Präsidentschaft vorhat – und wie der Fahrplan trotz Regierungskrise aussieht.
21.01.2021 - 15:51 Uhr Kommentieren
Die Bekämpfung der Pandemie wird im Zentrum der G20-Präsidentschaft stehen. Quelle: Reuters
Maske mit italienischer Flagge

Die Bekämpfung der Pandemie wird im Zentrum der G20-Präsidentschaft stehen.

(Foto: Reuters)

Rom People, Planet, Prosperity: Auch wenn das die drei Säulen von Italiens G20-Präsidentschaft sind, wird ein weiteres P-Thema sich unausweichlich nach vorn drängen: die Pandemie – und eine globale Antwort darauf. Italien übernimmt die Führung der größten Industrienationen in einer kritischen Phase. Das Land befindet sich noch immer mitten in der zweiten Corona-Welle. Gleichzeitig wackelt seit Wochen die Regierung des Landes.

Trotzdem steht Italiens Fahrplan für die Welt: Geht es nach der Regierung, sollen die G20-Staaten den weltweiten Zugang zu Diagnosen, Therapien und Corona-Impfstoffen ermöglichen – und sich für die Zukunft wappnen, in der ähnliche Pandemien drohen könnten. Gleichzeitig hofft man auf verbindliche Zusagen beim Klimaschutz, will Technologien und Innovationen für ein grüneres Wachstum fördern.

„Wir haben eine Taskforce, die sich nur dem Thema globaler Notfälle widmet“, sagt Emma Marcegaglia, die der Unternehmergruppe Business 20 vorsitzt. „Wir müssen in der Lage sein, mit neuen Extremsituationen umzugehen, seien sie gesundheitlicher Natur oder beispielsweise im Bereich der Cybersicherheit.“

Die Stahlunternehmerin aus dem norditalienischen Mantua ist eine der einflussreichsten Frauen in Italiens Wirtschaft, jahrelang war sie Chefin des Industrieverbands Confindustria, der auch intensiv bei den G20-Planungen involviert ist. Nun fordert sie einen „ernsthaften und globalen Plan“ für Technologien, die die Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit befähigen.

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    Das Jahr 2020 war für viele italienische Unternehmen ein Schock. Am Anfang der Krise wurden Umsatzeinbrüche von 30 bis 40 Prozent prognostiziert. Im Tourismus und bei den Restaurants ist die Situation noch dramatischer, dort drohen Einbußen von bis zu 80 Prozent. Für das verarbeitende Gewerbe sieht Marcegaglia aber auch Chancen: „Wir haben die Impfungen, die Geldpolitik und den EU-Wiederaufbaufonds, der vor allem für Investitionen in Nachhaltigkeit und Digitalisierung verwendet werden soll.“

    All das könnte die Nachfrage wieder anziehen lassen, auch in ihrer eigenen Firma. Entgegen den Schreckensprognosen vom Frühjahr wird ihr Unternehmen 2020 nur mit einem Minus von drei bis vier Prozent schließen. Vor allem im dritten Jahresdrittel zog die Ökonomie wieder an. „Die verarbeitende Industrie Italiens hat Resilienz und Stärke bewiesen“, meint Marcegaglia.

    Die ehemalige Vorsitzende des Industrieverbands Confindustria leitet die Gruppe Business 20 im italienischen G20-Jahr. Quelle: Confindustria
    Unternehmerin Emma Marcegaglia

    Die ehemalige Vorsitzende des Industrieverbands Confindustria leitet die Gruppe Business 20 im italienischen G20-Jahr.

    (Foto: Confindustria)

    Auch in den anderen G20-Staaten stehen die Firmen in diesem Jahr vor den gleichen Herausforderungen. „Fast alle Regierungen haben Entschädigungen und Subventionen an die Unternehmen gezahlt“, sagt Marcegaglia. Nun brauche es aber wieder mehr Investitionen und Reformen. Auch die Banken sollten nur noch gesunde Firmen finanzieren, die das größte Wachstumspotenzial haben. „Man kann nicht alle unterstützen.“

    Die B20 wollen auch den engen Schulterschluss mit anderen Arbeitsgruppen suchen, etwa mit Gewerkschaften oder der Taskforce, die sich dem „Women Empowerment“ widmet. „Wir müssen klarmachen, dass ein besserer Zugang von Frauen zu Arbeit und Unternehmertum nicht nur ein ethisch wichtiger Faktor ist, sondern auch ein fundamental wichtiger für die Ökonomie“, sagt Marcegaglia.

    In Italien hat eine Quote für börsennotierte Unternehmen den Frauenanteil in Vorständen von 5,7 auf 35 Prozent gesteigert. Noch mehr zählen würde für Marcegaglia aber, wenn es auch gute Frauen im breiten Management der Unternehmen geben würde.

    Reale Treffen ab April geplant

    Schon seit 1. Dezember hält Italien offiziell die Präsidentschaft – zum ersten Mal in der Geschichte. G20-Briefmarken vom Palazzo Chigi, dem Sitz des Ministerpräsidenten, gibt es schon zu kaufen. Auch eine Fünf-Euro-Münze mit Italiens G20-Logo, das von Leonardo da Vinci inspiriert wurde. Doch bis auf einige Arbeitsgruppensitzungen ist noch nicht viel passiert. Der wirkliche Startschuss ist an diesem Donnerstag, wenn sich die Sherpas und Marcegaglias B20-Gruppe erstmals virtuell treffen. Vorgänger Saudi-Arabien musste fast das gesamte Jahresprogramm digital veranstalten, selbst den Gipfel der Regierungschefs Ende November.

    In Italien hofft man darauf, schon im April wieder mit persönlichen Treffen starten zu können. Die Meetings auf Ressortebene sind über das ganze Land verteilt: Die Arbeitsminister sollen auf Sizilien tagen, die Umweltminister in Neapel, die Landwirtschaftsminister in Florenz. Am 7. und 8. Oktober gipfelt der Unternehmensstrang im B20 Summit, die Staats- und Regierungschefs treffen am 30. und 31. Oktober zusammen – beides passiert in der Hauptstadt.

    Wie auch in Saudi-Arabien starteten viele G20-Treffen mit hochtrabenden Ankündigungen, aber endeten mit enttäuschenden Abschlusserklärungen, die oft nicht konkret genug waren – oder durch die vielen Interessen verwässert. „Unsere Idee ist es, sehr pragmatisch zu sein“, erklärt B20-Chefin Marcegaglia. „Wir wollen sehr konkrete Dinge vorschlagen, die ambitioniert sind, aber auch operativ möglich.“ Am Ende sollen nicht nur „große Worte“ herauskommen, sondern sehr konkrete Empfehlungen, um global zu handeln.

    Joe Biden macht Hoffnung

    Hoffnung bringt der Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden in die G20-Verhandlungen. „Wir werden sofort anfangen, mit der Biden-Präsidentschaft zu arbeiten“, kündigte Italiens Premier Giuseppe Conte an. Biden hatte als eine der ersten Amtshandlungen die Rückkehr ins Pariser Klimaschutzabkommen angeordnet. Das erste persönliche Treffen zwischen den beiden Regierungschefs könnte der „Global Health Summit“ Ende Mai in Rom sein, auch das ein Event im G20-Kalender.

    Vorausgesetzt, Conte hält sich bis dahin im Amt. Die Regierungskrise kommt für den Premier zur Unzeit. Auch wenn er die Vertrauensfrage in beiden Parlamentskammern überstanden hat: Die Angst vor einem Machtvakuum geht um, auch Neuwahlen standen wochenlang im Raum. „Es wäre falsch, in diesem Moment zu wählen“, meint Marcegaglia.

    Denn Italien ist neben der G20-Präsidentschaft gemeinsam mit Großbritannien auch noch Co-Host der UN-Klimakonferenz, befindet sich mitten in der größten Impfkampagne der Geschichte und muss die Milliarden aus dem Aufbaufonds verteilen. „Ein Leerlauf von drei oder vier Monaten wäre wirklich schwierig“, sagt Marcegaglia. Das Land brauche jetzt eine Regierung, die agiert – und diese Gelegenheit nutzt, „um Italien wirklich wachsen zu lassen“.

    Mehr: Die Machtbasis von Giuseppe Conte ist viel zu wackelig. Ein Kommentar zu Italiens drohendem Stillstand.

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