Griechenland: Wie der Finanzminister in Athen Steuersünder zur Kasse bittet
Athen. Jeden Monat meldet der griechische Finanzminister Kostis Hatzidakis Daten zur Haushaltsführung. Bundesfinanzminister Christian Lindner dürften die jüngsten Zahlen seines Athener Kollegen neidisch machen. Denn die griechische Staatskasse ist gut gefüllt.
In den ersten acht Monaten überstiegen die Steuereinnahmen den Plan um 1,9 Milliarden Euro. Das waren fast fünf Prozent mehr, als im Haushaltsplan angesetzt.
Die Mehreinnahmen gehen zum Teil auf die starke Konjunktur zurück. Die griechische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 2,3 Prozent. Die Länder der Euro-Zone kamen im Schnitt nur auf 0,6 Prozent Wachstum. Die hohen Steuereinnahmen beruhen aber vor allem darauf, dass Griechenland erfolgreich gegen Steuerhinterziehung angeht.
Steuerbetrug: Griechenland legte sich auch mit einflussreichen Wählergruppen an
Lange Zeit wirkten die Bemühungen der griechischen Regierungen, Steuern einzutreiben, eher halbherzig. Alle Bündnisse scheuten den Konflikt mit einflussreichen Wählergruppen wie Ärzten, Anwälten, Unternehmern und Selbstständigen.
Der konservative Premier Kyriakos Mitsotakis erklärte dann den Kampf gegen die Steuerhinterziehung zu einer seiner Prioritäten. „Geht doch“, postete er jetzt zufrieden in den sozialen Netzwerken. Die Regierung habe gezeigt, „dass Änderungen, die viele in Griechenland für unmöglich hielten, umgesetzt werden“.